Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
635
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Ghauer mitten it der größten

idie ſpielen nd Du biſt dd für ewas d ſchried und neinem. irrlich Dicher heine Ahnun att überhaupt poch gern und eber Oehlen⸗ 6 Sie Genie ein tüchtiger rden!(Hier ährlich 3000 te.)Solch eden niemals ich mit ver⸗ Rballt. Ich und doch hatte e zwei kleine

h die Schule ſeinem Tode hätte beinahe wäre nie ge⸗ dieſem Poſten ihn, den lau⸗ mntniß, deſen die Unſchuld ler Weisheit Als ich eim Grafen e, dem erſten n. Ich lobte e:Ja, es er, trotdem geſagt, und len;, fragte hatte ihn nie wurde. In a Läufer hin dem Läüfer varf ihm die

Thür vor der Naſe zu. Er hatte ganz recht, denn wenige Tage darauf ſtarb er.

Nachdem ich confirmirt war, in der Zeit, als ich mich durch Studium der alten Sprachen weit mehr aber noch durch leidenſchaftlichen Theaterbeſuch und äſthetiſche Lectüre zum Examen vorzubereiten ſuchte, machte mein Vater die Bekanntſchaft des Schauſpielers Bech. Er war ein weit größerer Dramendichter als Schauſpieler. Seine Mutter und Töchter waren lebensfrohe Menſchen, und wir brachten in ihrem Hauſe viel frohe Stunden zu. Die Mutter war die Schweſter des vor Kurzem verſtorbenen, ſogenannten tollen Buſch, eines Malers mit Talent und mit einem eingewurzelten Haß gegen den vornehmen Hochmuth, der ſich in jenen Tagen nicht wenig breit machte. Woerkonnte, ſuchte er ihn zu demüthi⸗ gen oder zu verletzen; und ich zweifle nicht, daß Eifer und ſeine eigene Eitelkeit ihn oft mitten in ſeinen Beſtrebungen zu weit geführt haben. Ich hörte verſchiedene, luſtige Einfälle von ihm. Einmal begegnete er einem jungen Officier auf der Straße; Buſch hatte, nach den bekannten Gewohnheitsgeſetzen der Trottoirbenutzung in Kopenhagen, das Vorrecht; aber der Andere glaubte doch, daß er ihm Platz machen würde; dies geſchah nicht. Buſch blieb ſtehen, nahm ganz phleg matiſch ſeine Uhr heraus und ſagte:Ich habe bis drei Uhr Zeit. Einmal ſtand er im Reithauſe am Schloſſe Chriſtians⸗ berg, wo Pferdeauction war. Ein Junker war zugegen, den Buſch nicht leiden konnte. Er maß ihn häufig mit ſeinen be redten Augen. Der Andere wurde zuletzt böſe und fragte auffahrend:Warum glotzt Er mich immer an, will Er mich kaufen?Warte Er nur, ſagte Buſch ruhig,Seine Nummer iſt ja noch nicht ausgerufen..

Man erzählte von dieſem Eulenſpiegel, ſeine Schelmerei wäre ſo weit gegangen, daß er einmal einen Kopf von einem Schafe mit in's Parterre genommen und ihn auf der Scheide⸗ wand zwiſchen Parterre und Parquet mit dem Maule nach einem Cavalier zu aufgeſtellt hätte, den bereits Ewald in ſeinenbrutalen Klatſchern gegeißelt, weil dieſer Herr, nach Buſch's Anſicht, die Naſe zu hoch gegen das Parterre trug.

Als ich das Studium verließ, um mich der Kunſt hin⸗ zugeben, verſprach mir mein Vater, mich jährlich mit hundert Reichsthalern zu unterſtützen, bis ich ſeiner Hülfe nicht mehr bedürfen würde. In meinem damaligen Alter mir das Geld ſelbſt geben, wäre daſſelbe geweſen, als es in den Brunnen werfen und mich im höchſten Grade unglücklich machen; als guter Vater bemühte er ſich alſo, mich für dieſe Summe in Koſt und Logis zu geben. Madame Möller, eine Färber⸗ wittwe, nahm mich gegen die ſehr billigen Bedingungen bei ſich auf. Daß ſie bei dieſem Contract nicht Seide ſpann, verſteht ſich von ſelbſt; aber es lag ihr auch nichts an Seide, ſie und ihre Schweſter Benedicte gingen in ſelbſtgewebten Zeugen gekleidet, aber ſie war eine reiche Frau. Die Bauern kamen haufenweiſe und ließen ihre wollenen Stoffe blau, grün, hochroth und violett färben, und die Schürzen der Bäuer⸗ innen druckte ſie auf dunklem Grunde voll mit weißen Blumen. Sie war von munterm, naivem Charakter und mochte ſehr gern junge Leute um ſich haben, um ſich ihrer mütterlich anzunehmen. Daran fehlte es denn auch nicht. Im An⸗ fange ſtutzte ich freilich etwas darüber, daß die Geſellen mit dunkelblauen Händen bei Tiſche ſaßen, aber ich gewöhnte mich ſehr bald daran, wie an die grünen Gräten eines ge⸗ kochten Hornfiſches. Madame Möller hatte eine Art Stipen⸗ dium für zwei Studenten aus ihrem Geburtsorte errichtet, die in einem vordern Zimmer immer freien Tiſch, obgleich nicht immer freie Arme hatten, wenn nämlich allzu große

Vierte Folge. 635

Haufen färbeluſtiger Bauern mit ihrem Zeuge hereinſtürmten. Madame Möller ſtand der Färberei vor, ihre Schweſter hatte das Küchendepartement übernommen, und die Köchin bereitete die Speiſen unter ihrer Aufſicht kann man gerade nicht ſagen; denn dieſe übrigens herzensgute, alte Jungfer hatte unglücklicherweiſe die Schlafſucht, was dazu beitrug,

daß die Speiſen zuweilen mißglückten. Ich habe ſie inTante

Urſula, in denInſeln im Südmeere geſchildert. Sie ſtand wirklich am Herde mit hellblauem Filzhut, den ſie ſchräg über eine große Tour geſetzt hatte und in ſo vielen ſteifen Unterröcken, daß ich glaube, ſie konnte ohne Füße, ebenſo wie die bekannten Nürnberger Puppen, aufrecht ſtehen; dies iſt ihr übrigens oft zu Nutze gekommen und hat ſie von dem Lebendigverbranntwerden, wie die indiſchen Frauen, gerettet; welcher Tod um ſo trauriger geweſen ſein würde, da ſie niemals verheirathet war.

Ein Krämer, der nicht weit von Madame Möller wohnte, beſuchte uns oft. Er trug eine gepuderte Zopf⸗ perrücke, hatte einen dicken Leib und etwas, wie ſoll ich es nennen, nobel Elephantiſches in ſeinen Bewegungen. Er ſprach nur kurz, aber oft, dann ſtets im Lapidarſtyl, und lagen auch nicht viele gute Gedanken darin, ſo hatte er doch ſelbſt um ſo beſſere Gedanken davon. Ich mußte oft an Ludwig den Vierzehnten oder wenigſtens an Ludwig den Fünfzehn⸗ ten denken, wenn ich ihn mit der Würde ankommenſah, die über ſeinem ganzen Weſen ausgebreitet lag. Er hatte das eigenthümlichſte Talent, jeden Augenblick etwas Einfältiges auf eine pikante und imponirende Weiſe zu ſagen.

Einen kleinen, dummen, ſpitznaſigen Schulmeiſter hatte das Schickſal neben ihn, als ſcharfen Gegenſatz zu ſeiner be⸗ haglichen Rundung geſtellt. Alles, worin ſie ſich glichen, waren ihre Geiſtesgaben und Perrücken. Aber der Krämer war ein Herrvom Leder, wie man es in den deutſchen Bergwerken nennt, der Anderevon der Feder. Jener konnte mit gutem Profit Waaren verkaufen, dieſer lebte durch ſein Latein und ſprach von grammatikaliſchen Fehlern wie von Handlungen, durch man ſich für ewig proſtituiren könne. Zu den Kometen unſeres Sternenkreiſes zu denen ich ſelbſt mich zu rechnen wage gehörten zwei Brüderſöhne der Madame Möller. Sie kamen mir gleich am erſten Tage freundlich entgegen, wir ſchütteten unſere Herzen vor einander aus und theilten uns unſere Gedanken und Anſichten mit. Ich war ganz entzückt darüber, ſo viel Weisheit in einem

Färberladen, bei ſo jungen Leuten zu finden. Ich ſchrieb

daher in mein Tagebuch am nächſten Morgen:Es ſind ein paar vortreffliche Menſchen; ich bin überzeugt, daß wir die beſten Freunde werden. Und ſo geſchah es auch. Es waren die Gebrüder Anders, Sandöe und Hans Chriſtian Oer ſtedt. An ihnen wurde mir erſt klar, was es eigentlich hieße: mit Anſtrengung, ernſtlich, aus Liebe zur Wiſſenſchaft zu arbeiten. Da ergriff mich ein tiefes, wehmüthiges Gefühl! Ich hatte die innere, ſtarke Empfindung, daß auch ich zu einem ächten Muſenſohn geſchaffen ſei, und nun trieb ich mich umher und wurde nichts! Und doch war es meiner Natur Bedürfniß, ſich in höherem Schwunge auszudrücken, in ſelbſtbewußter Ahnung der Fähigkeiten, die noch nicht entwickelt waren, weshalb meine Bekannten mich auch zum Spott denMann mit den verborgenen Talenten nannten.

Während ich die herrlichen Werke Schiller's, Goethe's und deutſcher Dichter las, ging es mir wie Correggio, der das Raphael'ſche Bild ſah und ausrief:Anch' io son' pittore! oder wie der gute Hans Sachs in Goethe's Holzſchnitt: