Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
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Adam Oehlenſchläger hat als der bedeutendſte moderne Dichter einer uns verwandten Nation unſer Intereſſe ſtets lebhafter als die andern däniſchen Schriftſteller erregt; er war am meiſten deutſch in ſeiner Gefühls⸗ und Anſchauungsweiſe, und unſere Mutterſprache beherrſchte und verwirklichte den Centralpunct ſeiner Intelligenz. Da er das Glück hatte, ſeine Lebenserinnerungen ſelbſt niederzuſchreiben, ſo müſſen dieſe mehr als ein Spiegelbild aus zweiter Hand unſere Beachtung in Anſpruch nehmen, und wir verzeihen einem Manne, der für ſein Volk ein geiſtiger Höhenpunct geworden iſt, gern die behagliche, anekdotenartige Ausführlichkeit, mit der er ſeine

Jugendverhältniſſe, verſchiedene Perſönlichkeiten und originelle Charaktere ſchildert, die weniger an und für ſich als durch ihren Einfluß auf ihn eine Beleuchtung erheiſchen. Iſt es auch un⸗ möglich, ein organiſch zuſammenhängendes Stück aus dieſen Dichtermemoiren mitzutheilen, ſo mögen doch die nachfolgenden Auszüge durch die allgemeine Bedeutſamkeit der Sache und durch ein gewiſſes literariſches Pflichtgefühl motivirt werden. Oehlenſchäger ſagt:

Ich war zwölf Jahre alt geworden und noch hatte man nicht daran gedacht, mich etwas Ordentliches lernen zu laſſen. Mein Spielgenoſſe Winkler, deſſen Vater reich war, kam in

dieSchule für Bürgertugend in Kopenhagen und hatte

freie Wohnung. Mein Vater war arm, es war ihm un⸗ möglich, das Schulgeld und zugleich eine Wohnung für mich in Kopenhagen zu bezahlen. An meine Zukunft wurde durch⸗ aus nicht weiter gedacht; es hieß, daß ich Kaufmann werden ſolle. Als dies eine Schweſter meiner Mutter, die mit einem wohlhabenden Kaufmann verheirathet war, einmal hörte, ſagte ſie nur ſpöttiſch:Ein Kaufmann ohne Geld iſt eine Violine ohne Saiten. Dies war der einzige Troſt, den ich von ihr

Novellen⸗

Zeitung.

den Wein alles dieſes theilte Dickmann mit Heinrich dem Vierten.

Obwohl ich nie daran dachte, Dichter zu werden, ſo machte ich doch ſchon als Knabe Verſe zu meinem eigenen Ver⸗ gnügen. Ich fing auch an Komödien zu ſchreiben und ſie mit meiner Schweſter und Winkler im königlichen Speiſeſaal in Friedrichsberg aufzuführen. Gewöhnlich hatten wir keine Zuſchauer. Winkler brachte zuweilen einen Cameraden mit, der nicht viel Sinn für ſolche dramatiſche Uebungen zu haben ſchien und gewöhnlich einſchlief. Winkler hatte eine außer⸗ ordentliche Fertigkeit im Werfen und Treffen. Einmal, als unſer Zuſchauer am entgegengeſetzten äußerſten Ende des Saales ſitzend auf ſeinem Stuhle eingeſchlafen war, wir ſpielten ein Stück von mir: die belohnte Gaſtfreundſchaft, ſagte Winkler, um die Illuſion nicht zu ſtören:Ach, ent⸗ ſchuldigen Sie, ich habe noch einen kleinen Hund mit, der auch etwas bekommen muß. Damit nahm er einen halbfaulen Apfel vom Teller und traf den eingeſchlafenen Zuſchauer mitten auf die Stirn, ſo daß er erwachte und das Stück mit der größten Aufmerkſamkeit bis zu Ende anhörte.

Auch Storm ſah uns einmal eine ſolche Komödie ſpielen und ſagte ſcherzend zu mir:Ei, mein liebes Kind, Du biſt ja ein größerer Dichter als Molisre! Man hielt es für etwas Außerordentliches, daß er in acht Tagen ein Stück ſchrieb und aufführte, und Du machſt das Alles zuſammen in einem. Weder Storm noch ich glaubte damals, daß ich wirklich Dichter werden würde. Doch hatte ich eine gewiſſe geheime Ahnung davon. Auch Dickmann glaubte es nicht; er hatte überhaupt keine hohe Meinung von mir, mochte mich aber doch gern und ich liebte ihn.Bilden Sie ſich nicht ein, lieber Oehlen⸗ ſchläger, ſagte er einmal in übler Laune,daß Sie Genie

bekam. Glücklicherweiſe traf mich der Dichter Eduard Storm haben, weil Sie dieſe Verſe machen! Sie können ein tüchtiger einmal im Friedrichsberger Garten. Er unterhielt ſich mit Gelehrter, ein gewandter Geſchäftsmann werden!(Hier mir, ich gefiel ihm und er verſchaffte mir einen Freiplatz in nannte er mir einen vornehmen Mann, der jährlich 3000 derSchule für die Nachwelt. Gleich während ſeines erſten Thaler Einkünfte hatte und ſehr elegant wohnte.)Solch Beſuchs bei meinen Aeltern gewann er mein ganzes Herz. Einer, ſagte er,können Sie werden, aber Sie werden niemals

Er war ein kleiner Mann mit einem hellblauen Frack und einem breitkrämpigen runden Hut. Das Haar hielt er mit einem runden Kamme nach hinten. Die großen, blauen Augen ſtrahlten voll Kraft und Laune, er war ein Norweger und ein ächter ſokratiſcher Charakter. Nur über dummen Hochmuth vermochte er zu ſpotten, ſonſt war er die Freundlichkeit und Humanität ſelbſt. So kam ich alſo in die Schule.

Unter den Lehrern hatte noch Dickmann einen großen Einfluß auf meine geiſtige Entwickelung gehabt; in den Jünglings⸗ und Mannesjahren habe ich ihm zwei Gedichte gewidmet und mit liebevollem Gefühle kehrt die Erinnerung wieder zu ihm zurück. Er war nicht groß von Wuchs, aber wohlgebaut, mit einem intereſſanten ſchönen Geſicht, voller Feuer, Gefühl und Beweglichkeit. Er ſah ſtolz, gutmüthig und ernſt aus. Storm und Dickmann hatten gegenſeitig große Achtung vor ihrer Tüchtigkeit und ihren Talenten; aber obgleich ſie Beide Norweger, tüchtige Köpfe und gute Menſchen waren, ſo waren ſie doch Beide grundverſchieden. Dickmann ſtach ſchon gleich auf eine wunderliche Weiſe mit ſeinem Toupet und ſeinem kecken Zopf im Nacken gegen Storm ab, der mit ſeinen zurückgeſtrichenen Haaren wie ein Sokrates

oder Franklin daſtand. Dickmann erinnerte mich immer, ob⸗

gleich er kein Held war, an Heinrich den Vierten von Frank⸗ reich, weil dieſer Dickmanns Held war. Das Chevalereske; das in manchen Beziehungen ſchwache und dann wieder kräf⸗ tige Herz; das ritterſtolze und leichtbewegliche, das beredte,

tiefe Menſchengefühl; die Begeiſterung für die Liebe und

ein Eduard Storm.Es iſt möglich, ſagte ich mit ver⸗ biſſenem Zorn und die Hand in der Rocktaſche geballt. Ich ſah dies für eine ungeheure Beleidigung an, und doch hatte Storm nur 200 Thaler jährlich und bewohnte zwei kleine Zimmer eines Hinterhauſes.

Das Merkwürdigſte, das ein Jahr, bevor ich die Schule verließ, eintraf, war Storm's Tod. Kurz vor ſeinem Tode war er zum Theaterdirector ernannt, und ich hätte beinahe geſagt, es war gut, daß er ſtarb; denn es wäre nie ge⸗ gangen. Ich kannte keinen Menſchen weniger zu dieſem Poſten geeignet, als den edlen, vortrefflichen Storm: ihn, den lau⸗ niſchen, ſonderbaren Junggeſellen, ohne Weltkenntniß, deſſen ganzes Streben bisher nur dahin gegangen war, die Unſchuld der Kinder zu bewahren und mit frommer, ſtiller Weisheit die unverdorbenen, weichen Herzen zu bilden. Als ich einige zwanzig Jahre ſpäter eines Mittags beim Grafen Schimmelmann neben dem Oberkammerherrn Hauch, dem erſten Theaterdirector ſaß, kam das Geſpräch auf Storm. Ich lobte ihn und Hauch ſagte in ſeiner gutmüthigen Laune:Ja, es war gewiß ein prächtiger Mann; aber mir hat er, trotzdem wir Amtsbrüder waren, nur ein einziges Wort geſagt, und das war:Scheußlich!Wie? Ew. Excellenz, fragte ich verwundert.Ja! fuhr Hauch fort,ich hatte ihn nie geſehen, noch geſprochen, als er Theaterdirector wurde. In denſelben Tagen erkrankte er. Ich ſchickte meinen Läufer hin und ließ fragen, wie er ſich befinde. Er begegnete dem Läufer in der Thür, antwortete:Scheußlich! und warf ihm die

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