Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
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umgürte, um gegen die Albigenſer zu Felde zu ziehen. Ueberdies, um einen ſolchen Feldzug noch anlockender zu machen, verſprach Innocenz allen Theilnehmern den großartigſten Gewinn, indem die gemeinen Sol⸗ daten alle Dörfer und Städte des Landes umher zu plündern das Recht oder vielmehr die Pflicht hätten, die Ritter und Herren aber ſich in den Beſitz der ſchönen Herrſchaften und Baronien theilen dürften. Solchen Anlockungen konnten natürlich Viele nicht widerſtehen und es ſammelte ſich demnach alſobald ein ziemlich großes Kreuzheer, meiſtentheils aus Fran⸗ zoſen, Schweizern und angrenzenden Deutſchen beſtehend. Freilich war eine Maſſe Geſindel dabei, Menſchen, welchen es um nichts zu thun war, als um Raub, Mord und Todtſchlag, um nachher das durch Blut vergießen Gewonnene in frecher Luſt wieder zu ver⸗ geuden; allein was lag daran, wenn es bei dem Kreuzzuge etwas greuelhaft zuging, oder wenn, was natürlich ebenfalls nicht ausbleiben konnte, mit den Ketzern auch noch ein paar Tauſend Katholiſche aus⸗ geplündert und hingemordet wurden? Das Sacer⸗ dotium mußte um jeden Preis gerettet werden, und wenn auch halb Frankreich darüber zu Grunde gehen ſollte!

Immer mehr ſchwoll das Kreuzheer an, und ob zwar gleich der König von Frankreich, Philipp Auguſt, die perſönliche Theilnabme wegen des Kriegs, in welchen er damals mit dem König Johann von Eng⸗ land verwickelt war, ablehnte, ſo fanden ſich dagegen um ſo mehr Biſchöfe und-Erzbiſchöfe mit ihren Va⸗ ſallen ein. Ueberdies gab es der beuteluſtigen Strolche eine ſolche Menge, daß in wenigen Monaten die Anzahl der Kreuzfahrer, welche ſich in und um Lyon ſammelten, bis auf Hunderttauſend ſtieg. Nunmehr organiſirte der Papſt das Heer, ernannte den Erz⸗ biſchof von Sens und die Biſchöfe von Autun und Clermont zu Oberhauptleuten, zum Oberſtcomman⸗ danten aber den Abt Arnaud von Citeaux und befahl, ſofort mit dem Angriff zu beginnen. Dies geſchah im Jahre 1209, in demſelben Jahr, als Friedrich II., der berühmte Hohenſtaufe, zum erſten Male auf dem Schauplatze der Welt auftrat. Das Heer ſetzte ſich gegen Toulouſe in Bewegung und nunmehr, als er

dies hörte, entſank dem Grafen Raymond VI. aller

Muth, denn einer ſolchen Macht gegenüber erachtete er ſeinen Untergang für unausbleiblich. Somit fing er an, mit dem päpſtlichen Legaten zu unterhandeln,

und bat gar demüthig, ihn wieder in den Schooß der Kirche aufzunehmen, von welcher er in ſeinem

Innern nie abgefallen ſei. Der Legat ſtellte ihm harte Bedingungen. Er mußte ſchwören, an dem Morde Peter's von Kaſtelau keinen Antheil gehabt

Novellen⸗

Zeitung.

zu haben; mußte verſprechen, ſelbſt das Kreuz zu nehmen gegen die Ketzer, d. h. gegen ſeine eigenen Unterthanen, und mußte endlich zum Beweiſe, daß er ſich von nun an dem Willen des Papſtes unbe⸗ dingt fügen werde, ſieben ſeiner feſteſten Schlöſſer, welche alsbald vom Kreuzheer beſetzt wurden, aus⸗ liefern. Erſt nachdem dies Alles geſchehen und nachdem er noch einen heiligen Eid darauf abgelegt, nicht zu ruhen, als bis alle Albigenſer mit Feuer und Schwert vertilgt ſeien, nahm der päpſtliche Legat die Ceremonie der Losſprechung vom Banne vor, eine Ceremonie, die für den Grafen demüthigend genug war, denn er wurde von dem ſtolzen Prieſter an einem Stricke neun Mal um das Grab des ermordeten Peter herumgeführt und dazu neun Mal auf dem bloßen Rücken mit Ruthen geſtrichen. So kam der Graf von Toulouſe aus dem Banne heraus, und ganz auf dieſelbe Weiſe löſte ſich auch der Vicomte von Foix und Narbonne, ſein Vaſall und naher Verwandter. Nicht ſo glücklich war aber ein anderer ſeiner Vaſallen, der Vicomte Raymond von Beziers, Albi und Carcaſſone, denn obwohl derſelbe ſich eben⸗ falls bereit zeigte, unbedingte Unterwürfigkeit zu leiſten, ſo nahm man doch päpſtlicher Seits keine Rückſicht hierauf. War doch Raymond Roger nur ein unbedeutender Baron und hatte keine Verwandte! Ueberdies Ein Opfer mußte man doch haben! So rückte denn das Kreuzheer gegen die Stadt Beziers

vor, in welche ſich der Vicomte mit den Seinigen

eingeſchloſſen hatte. Tapfer vertheidigte er ſich, und die ganze Einwohner⸗ und Umwohnerſchaft, Männer, Weiber und Kinder, zuſammen ihrer 70,000, ſchloß ſich ihm mit dem Muthe der Verzweiflung an. Doch

endlich am 22. Juli 1209 ward die Stadt mit ſtür⸗

mender Hand von den Kreuzfahrern genommen und es begann nun eine Scene, welche noch jetzt die Herzen der Menſchheit mit Schauder erfüllt. Die Kreuz⸗ ritter fragten bei dem Legaten Milo und bei dem Abte Arnaud, als den beiden Oberlenkern des Heeres an, wie es mit den Einwohnern, unter welchen ein

werden ſolle, da man die Ketzer von den Katholiſchen doch nicht leicht unterſcheiden könne.Schlagt Alles todt, der Herr kennt die Seinen, erwiderten die beiden Oberprieſter, und ſo begann die grauſigſte Metzelei, von welcher man je in der Welt gehört V hat. Alt und Jung, männlich und weiblich, ketzeriſch und katholiſch, Alles wurde niedergeſchlagen. Nur allein in der Magdalenenkirche, in welche ſich haupt⸗ ſächlich Katholiſche geflüchtet hatten, verbrannte man gegen ſieben Tauſend und im Ganzen fanden über 60,000 in dem gräßlichen Blutbad ihren Untergang⸗

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