Er erdenkt etwas und führt es aus. Weder Vanloo noch Boucher lehren ihn dieſe Wunder. In ſeinem fünften Stockwerk iſt er ein Schöpfer. Ohne Hülfe, ohne Maſchine, faſt ohne Werkzeug iſt er gezwungen, in ſeinen Fingern Genie zu haben. Welcher Anſtrengungen, Gedanken, einſamer Combinationen bedarf es nicht, ehe das Meiſterwerk an's Ende Europas geht, um die franzöſiſchen Künſte bewundern zu laſſen!
Aber dieſer Einſiedler der Arbeit ſieht im Augenblick einen Geiſt zu ſich heraufſteigen, welcher liebt und Alles fühlt, ſeine Geſchicklichkeiten und ſein Verfahren durchdringt, der ihm eine Sprache für hundert unbenannte Sachen erfindet, ihm ſeine Kunſt ſelbſt erklärt. Es Diderot.
Voltaire nennt ihn Panto-phile, den von der ganzen Natur Geliebten oder vielmehr den in Alles Verliebten.
Er iſt nicht weniger Pan-urge, der allgemeine Arbeiter. Er iſt der Sohn eines Arbeiters(wie Rouſſeau, Beaumarchais und ſo viele Andere). Langres, ſeine Geburtsſtadt, die Fabrik guter Meſſer und ſchlechter Gemälde, inſpirirt ihn für die Gewerbe und die Künſte.
Mit ſeinem dritten Namen, der am beſten für ihn paßt, iſt er der wahre Prometheus. Er machte mehr als Werke; er machte beſonders Menſchen. Er wehte auf Frankreich, auf Deutſchland. Das Letztere adoptirte ihn durch die feierliche Stimme Goethe's mehr, als ganz Frankreich.
Es iſt ein großes Schauſpiel, das Jahrhundert um ihn her zu ſehen.*) Alle kamen in der Reihe, um aus dem Feuer⸗ brunnen zu trinken. Sie kamen als thönerne Weſen und gingen in Flammen fort. Und wunderbar, es war die freie Flamme der eignen Natur eines Jeden. Er that das ſelbſt
*) Laßt uns das Herz des achtzehnten Jahrhunderts ſuchen. Es iſt doppelt: Voltaire, Diderot. Voltaire bewachte ganz deutlich die Einheit des göttlichen Lebens, Diderot ſeine Vielheit. Beide fühlten Gott ſehr ſtark. Beide waren durch die identiſche Idee, die ſie von der Gerechtigkeit hatten, ſehr vereinigt. Voltaire vertheidigte die obſolute Gerechtigkeit gegen Locke und Diderot that daſſelbe gegen Helvetius. Die hohen Geiſter jener Zeit, deren äußere Verſchiedenheiten man ſo gefällig übertrieben hat, ſtimmten weit mehr miteinander überein, als man es glaubt. Man hat ſo viele brüderliche Ausdrücke, Worte der Bewunderung, der gegenſeitigen Zärtlichkeit, die ihnen entſchlüpft ſind, nicht genug erwähnt. Man ſehe zuerſt, mit welcher Freude jede neue Erſcheinung des Genies aufgenommen wird. Als Voltaire auf dem Gipfel ſeines Ruhmes, von ſo vielen Königen geſchmeichelt, die Verſuche eines jungen un⸗ bekanten Mannes, Fauvenargues, empfängt, welche väterliche Zärtlichkeit! welche Anſtrengungen, um ihn einzuführen, ihn von Allen annehmen zu laſſen! Es iſt rührend, wie er von ſeinem Ruhme herabſteigt und zu ihm ſagt:„Ich würde mehr werth geweſen ſein, wenn ich Sie gekannt hätte.“ Dieſes Wort iſt das Schickſal, der Preis des Lebens. Möge er leiden und ſterben, was verſchlägt das?. Er iſt in der Unſterblichkeit.— Als der„Esprit des lois“ in ſeinem unermeßlichen Erfolge erſchien, iſt Voltaire entzückt, ganz außer ſich. Er unternimmt die Vertheidigung des Werkes und ſchleudert eine ſeiner ſchönſten Flugſchriften gegen die Verleumder. Später tadelte er das Werk, aber was iſt ſein Tadel nach dem erhobenen Lobſpruch:„Das menſchliche Geſchlecht hatte ſeine Rechte verloren, Montesquieu hat ſie wiedergefunden.“— In dem Briefe, worin Diderot gegen Falconet die Idee der Un⸗ ſterblichkeit vertheidigte, findet ſich ein zärtliches, beſorgtes Wort über Voltaire, den er altern ſah:„Wie, muß ein ſolcher Mann ſterben?“ Diderot fand ſeinerſeits bei Seinesgleichen die tiefe Sympathie, das Geſtändniß ſeiner Unermeßlichkeit. Voltaire nennt ihn„den Vogel mit einem ſo großen Flügel“, und Rouſſeau ſagt von ihm:„Erhabenes Genie! Ich ſehe deren keine zwei in dieſem Jahrhundert.“ Große Herzen! Sie erinnern mich an den Fana⸗ tismus Rubens für Vinci und an den ſo kräftigen Accent Miltons in dem rührenden Sonett, worin er ſagt:„Mein Shakeſpeare!“ Das gleicht uns nicht... Leider! arme Wilde des neunzehnten Jahrhunderts, die wir ſo düſter Einer nach dem Andern einher maſchiren!
iſt der Pantophile
Novellen⸗Zeitung.
für ſeine Feinde, vergrößerte und bewaffnete ſie mit dem, was ſie gegen ihn wandten.
Man muß ihn am Werke und für Alle arbeiten ſehen. Den furchtſamen Forſchern gab er den Funken und oft die erſte Idee. Aber die großartige Idee erſchreckte ſie. Sie hatten wenig Athem. Er gab ihnen den Hauch, die warme Seele und das Leben in Strömen. Wie verwirklichte er das? Wenn er ſie beſorgt ſah, wurde er plötzlich, um ſie herauszu⸗ reißen, Arbeiter, Maurer, Schmied; er hielt nicht ein, bis das raſch entworfene Werk vor ſeinem verwunderten Urheber daſtand.*) 4
Aus Diderot gingen die verſchiedenſten Geiſter hervor; aus einem ſeiner Essais Condillac; aus einem Worte Rouſſeau in ſeinen erſten Verſuchen; Grimm ſaugte ihn zwanzig Jahre aus. Aus ſeiner unermeßlichen Arbeit und ſeinem unglaublichen Reichthum floß der trübe Strom voller Steine und Kieſel hervor, den man mit dem Namen Raynal bezeichnet.
Ein revolutionärer Strom. Man kann noch mehr ſagen. Die Revolution ſelbſt, ihre höhere Inſtitution war in ihm und zeigte ſich in Blitzen und vulcaniſchem Lichte. Wenn aus Rouſſeau Robespierre kam,„ſo ſprang aus Diderot Danton hervor.“(Aug. Comte.)
„Das, was mir übrig bleibt, das habe ich gegeben.“ Dieſes Wort, welches der großmüthige Römer ſterbend ſagte, konnte Diderot auch ſagen. Es bleibt davon kein vollendetes Denkmal übrig, wohl aber dieſer gemeinſchaftliche Geiſt, das große Leben, das er in dieſe Welt geſetzt hat und das in ſeinen unvollendeten Büchern ſtürmiſch wogt. Eine uner⸗ meßliche Quelle, die grundlos iſt. Man ſchöpfte daraus hundert Jahre. Das Unendliche bleibt noch übrig.
In demſelben Jahr(1746), wo Vauvenargues ſeine Essais, ſeine Anſichten über die„Action“ veröffentlichte, ließ Diderot ſeine Pensées erſcheinen, worin er ein be⸗ wundernswerthes Wort ſagt. Er verlangt, daß Gott ſeine freie Action habe, daß er aus der Gefangenſchaft der Tempel und Dogmen hervorgehe, ſich in Alles miſche, in Alles das göttliche Leben wieder einſetze: Setzt Gott in Freiheit!
Wie ſehr hatte man ihn nicht bis zu dieſem Augenblick erſtickt! Wie unwürdig hatte man dieſen Gott des Lebens durch den Tod ſelbſt erſetzt! Wie hatte man ſich ſeiner in einer frechen Weiſe bedient, um jede Tyrannei zu heiligen, um im Namen der erſten Urſache der Wiſſenſchaft, der Forſchung Stillſtand zu gebieten! Man wollte, daß man ſich an das Wort halte:„Gott will es.“
„Was iſt die Natur? Betet an, bleibt unwiſſend! Begreifen iſt gottlos.— Was iſt die Induſtrie? Die Ver⸗ wegenheit zu erſchaffen und Gott Concurrenz zu machen.— Und die Arznei? Mißtrauen und Mangel an Ergebung in den göttlichen Willen, eine Wuth, zu leben. Heilen iſt eine Sünde.“
So zeigt ſich bei jedem Schritte Hinderniß und Trägheit, eine dunkle, dicke, geronnene Welt; nichts bewegt ſich. Um
*) Ein junger Mann bringt ihm eine gegen ihn geſchriebene Satyre. Er entſchuldigt ſich:„Ich habe kein Brod; ich habe gedacht, Sie würden mir einige Thaler geben.“—„Ach, mein Herr, welch ein trauriges Gewerbe!... Aber Sie können daraus einen größern Gewinn ziehen. Der Herzog von Orleans, der ſich nach Sainte⸗Geneviève zurückgezogen hat, erweiſt mir die Ehre, mich⸗ zu haſſen. Widmen Sie ihm dieſes Buch und laſſen Sie es mit ſeinem Wappen einbinden. Sie werden dafür Unterſtützung er⸗ halten.“—„Mein Herr, die Zueignungsſchrift wird mich in Ver⸗ legenheit ſetzen.“—„Setzen Sie ſich, ich werde ſie für Sie ſchrei⸗ ben.“— Der Herzog ſchenkte dem armen Schelme 25 Louisd'or.
—
hegierung 6 verlorenen Leben erſ Künſten Alles leb Weſen w hoben ſic wären ie (erſons Thier ſoh Die vundella Parheuge So entſtand, wäre. Gebärmu einen be Metamo indem e jꝛdder G Zu cipirt ſie wahre T und die erröthet gen bele Action eintreten, hatten“. M Seene und he groß! U
ſche eiſ wurde, ihre gau ein veh hat eir die kle ſtarken zuſamn ausbrei Im Sh Nooße U aber bef
S Aette wollen
T Parss, Männ die H Ander einem kein gr


