Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
617
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lachen. Er er Walden⸗ Ketzer alle der römi⸗ dangeliums Papſtſyſtem Aderſprang o zu ſagen, noch ferner⸗ immer veiter egeben, daß vͤrde; alſo d geben, als te der Ketzer, gapſte eigent⸗ um, daß die verde, denn te auch eine en deswegen den evangeli⸗ nen, dieweil 7, und eben als reuige wicht ſowohl als vielmehr eit unter die

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Vierle

Maßregeln nicht mehr gegen Einzelne, ſondern das ganze Ketzerthum ſollte vernichtet werden!Auf einen Schlag(ſo decretirte er) ſolle man ſich ſämmtlicher Häretiker bemächtigen und ihre Güter confisciren. Ja, ſelbſt die Kinder eines Ketzers müßten ihrer Habe

nahme gefunden, niedergeriſſen werden. Niemand dürfe ſich, von falſchem Mitleid getrieben, der Ketzer⸗ Verfolgung entziehen, ſonſt werde er ebenfalls ein Verdächtiger, und ſelbſt die innigſte Freundſchaft oder nächſte Verwandtſchaft könne nicht als Entſchuldigungs⸗ grund gelten. Nicht einmal ein Eidſchwur, den man einem Ketzer geſchworen, habe Gültigkeit, denn den Ketzern gegenüber brauche man Treu' und Glauben nimmermehr zu halten, ſondern man müſſe dieſelben vielmehr auf alle Weiſe berücken, belügen und betrü⸗ gen. Solche Aufträge hatte der Legat Reiner; allein nicht alle diejenigen, zu welchen er kam, um ihnen

Folge. 617 den Befehl des Papſtes zu überbringen, wollten ſich einer ſolchen grauſamen Ordonnanz fügen, und beſon⸗ ders ließ der Graf von Toulouſe, Raymond VI., das päpſtliche Decret vollkommen unbeachtet. Hierin lag eine große Gefahr für Rom, denn der beſagte Graf war ein äußerſt mächtiger Herr, indem ſeine Graf⸗ ſchaft mehr einem Fürſtenthume glich und er ſelbſt ſich der nahen Verwandtſchaft mit den königlichen Häuſern von Navarra, England und Arragonien rühmen konnte. Noch gefährlicher aber wurde die Weigerung des Grafen, gegen die Ketzer einzuſchrei ten, dadurch, daß auch ſeine erſten Lehensträger, be⸗ ſonders der Vicomte Roger von Abbi, Beziers und Carcaſſone, ſowie der Vicomte von Foix, unbedingt der Partei der Ketzer angehörten, dieweil nun von ihnen natürlich nicht erwartet werden konnte, daß ſie die Verfolgung ihrer Glaubensgenoſſen zugeben würden.(Schluß folgt.)

Diderot.

Die folgenden Seiten ſindLouis XV. von Michelet entlehnt, welches Werk in der Kürze erſcheinen wird. Es iſt der letzte Band der Geſchichte des alten Frankreichs, der⸗ jenige, welcher ſich an die Geſchichte der Revolution an⸗ knüpft. Es iſt daher der Schlußſtein des monumentalen und ſo ausgezeichnet originellen und perſönlichen Werkes, dem Michelet ſo lange Arbeiten und ſo viele Jahre ſeines Lebens gewidmet hat.

Der Arbeiter wird im achtzehnten Jahrhundert, die Maſchine im neunzehnten geboren. Ein bemerkenswerther Unterſchied. Die induſtriellen Werke, ganz beſonders das Meublement, die Künſte der innern Verzierung tragen das damals lebhafte Gepräge der Menſchenhand, oft vor⸗ trefflich und fein, zuweilen etwas unentſchieden, mit gewiſſen leichten Mängeln, die nicht ohne Grazie ſind und anzeigen, daß das Leben zu jener Zeit die Gemüthsaufregung über⸗ ſchritten hat und daß das Werk davon noch zuckt.

Die aus dem Jahrhundert Ludwigs XIV. ſtammenden Formen hatten ſich Europa aufgedrängt, aber blos für die Sachen, welche man äußerlich nennen kann: Architektur, Gärten, officielle Coſtüme. Unter der Regentſchaft erzeugen ſich neue Künſte, welche weit mehr das Innere berühren. Sie dringen ein, ſchleichen ſich ein, ſcheinen Vertraute der Liebe und Freundſchaft. Sie verachten nichts, geben den kleinen Einzelnheiten des Innern, hundert nützlichen Dingen (die unter Ludwig dem Großen plump waren) einen beſondern Reiz. Das ze Leben wird dadurch veredelt. In dem verſteckteſten Meir fremder Prinzeſſinnen iſt Alles das intime Meublement, das Liebes⸗Négligé, das geheimnißvolle Leben die Schöpfung Frankreichs. Dieſer induſtrielle Geiſt, der Alles wahrnimmt und vorher ſieht, dient den Ver⸗

feinerungen des Alleinſtehenden und der geſelligen Koketterie,

Feuilleton.

dem Geſchmacke des Innern und dem liebenswürdigen Salon⸗ leben.

Indem man die Sammlungen der aus der Regentſchaft hervorgegangenen Männer wie Oppenrod, Meiſſonier, de Cotte ꝛc. öffnet, ſieht man, daß ſie etwas Großes im Auge hatten, verſuchten: die Kunſt durch die Natur zu be⸗ fruchten, die ſo verſchiedenen Formen der Vegetation und des Seelebeus, die Blätter, Vögel, Muſcheln mit Reiz zu verbinden, tauſend Arten von Blumen, Korallen(andre Blumen), die aus der trockenen Armuth der drei oder vier widerwärtigen Typen, worin ſich das Mittelalter gehalten, hervorgegangen waren, auszubeuten. Sie machten zu dieſem Zweck Verſuche, gingen, kann man ſagen, an das Ufer der Natur. Sie würden darin mit weit mehr Kühnheit einge⸗ treten ſein, wenn die von Buffon beherrſchte Naturgeſchichte in ihren feierlichen Beſchreibungen nicht unbeweglich geweſen wäre, wenn ſie ſchon den Geiſt der Umgeſtaltungen gehabt hätte, welcher eines Tages die Künſte verändern ſollte. Wären damals ſchon Lamarck, Geoffroy, Darwin geboren geweſen, ſo hätten ſie dem Geiſte unſres Oppenrod ein un ermeßliches Feld eröffnet.

Die Kunſt war bis dahin Sache der Kirche, ſich oft wiederholend oder bei den königlichen Apotheoſen, bei den Plafonds in Verſailles lächerlich ſchwulſtig. Plötzlich aber iſt ſie überall; ſie wird geſellig, ſie erzeugt eine Geſellſchaft; ſie iſt nicht mehr eine Schule oder eine Akademie; ſie iſt ein Volk. Ein großes Volk ohne Namen iſt unter der Erde mit feiner Hand hervorgetrieben, durch welches das Handwerk

Kunſt wird. Man kann ſogar mit Recht ſagen, daß der Bildhauer, der Maler damals nicht im Fortſchritt waren. Das Jayrhundert blühte weit mehr an Anmuth und Erfindung in jenen Künſten, die man Handwerke nennt.

Man beachte wohl, daß hier der Arbeiter Alles iſt,