Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
616
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616 Novellen⸗Zeitung.

mus von dem päpſtlichen Fanatismus behandelt wur⸗ den, doch wir ſehen ab von ſo trüber politiſcher Anſicht und geſtehen nur, daß jene Erſcheinung im Allgemeinen von culturgeſchichtlichem Intereſſe iſt und bleibt.

Am Ende des zwölften und am Anfange des dreizehnten Jahrhunderts hatte ſich die ſogenannte Ketzerei bereits über Italien, England, Spanien und Deutſchland verbreitet und ſogar in Ungarn, Bosnien, Bulgarien und Dalmatien fanden ſich Spuren der⸗ ſelben, ihren Hauptſitz aber hatte ſie doch im ſüdlichen Frankreich, ſowie beſonders in den Städten Toulouſe und Albi. In dieſen beiden Orten gehörte, wie es ſcheint, die ganze Einwohnerſchaft oder wenigſtens der größere Theil derſelben zu den Kartharern, und die Letzteren erhielten dadurch den neuen Namen Albigenſer, ein Name, der bald als gleichbedeutend mit dem eines Ketzers in Schwung kam. Fragt man nun nach dem Grunde, warum die Ketzerei gerade in dieſem Theile Frankreichs ſo ſehr zu Hauſe war, ſo liegt die Antwort nach den einſtimmigen Berichten der Geſchichtsforſcher des dreizehnten Jahrhunderts darin, daß ſich hier nicht blos die ärmeren Leute dem neuen Glauben zuwandten, ſondern daß auch die Mächtigen und Höhergeſtellten, insbeſondere aber die Beherrſcher der Grafſchaft Toulouſe demſelben nicht abgeneigt waren. Schon der Graf Alfons von Tou⸗ louſe, welcher anno 1176 ſtarb, wird beſchuldigt, daß er den Waldenſern Schutz gewährt habe, und noch mehr that dies ſein Sohn und Nachfolger Raymond V., weshalb auch der Papſt Alexander III. einen eigenen Legaten mit Namen Petrus zu ihm ſandte, um die Sache des Näheren zu unterſuchen. Der Legat kam um's Jahr 1180 nach Toulouſe und fand ſowohl hier, als auch in anderen Städten und Ort⸗ ſchaften der Grafſchaft verſchiedene Ketzer vor, allein auf das Zureden des Grafen Raymond ſchritt er weder zur Excommunication, noch zu. Todesurtheilen, ſondern begnügte ſich vielmehr damit, daß die vom Glauben Abgefallenen ihm verſprachen, wieder in den Schooß der Kirche zurückzukehren und von nun an gehorſame Söhne derſelben zu ſein. Es ſcheint jedoch nicht, daß dieſelben ihr Verſprechen hielten, denn ſchon kurze Zeit darauf ſchickte der Papſt den beſagten Le⸗ gaten Petrus zu dem König Ludwig VII. von Frank⸗ reich, ſowie zu dem König Heinrich II. von England, welcher damals einen großen Theil von Frankreich zu eigen hatte, um jene Fürſten zu bewegen, gegen die Ketzer zu Felde zu ziehen und beſonders den Grafen von Toulouſe zu zwingen, daß er die Ketzerei nicht mehr beſchütze. Leider aber gingen die Könige auf

Händel verwickelt waren, und der Papſt mußte ſich alſo damit begnügen, eine Bannbulle gegen die Ketzerei zu ſchleudern und zugleich alle Ritter und Herren, alle Biſchöfe und Obrigkeiten aufzufordern, den Ketzern nachzuſpüren und dieſelben, nachdem man ihnen Hab und Gut confiscirt, gebrandmarkt aus dem Lande zu jagen. Wenige Jahre ſpäter dagegen, nachdem anno 1194 der Graf Raymond VI. ſeinem Vater, dem Gra⸗ fen Raymond V., in der Regierung gefolgt war und zugleich im Jahre 1198 Innocenz III., dieſer Papſt aller Päpſte, den apoſtoliſchen Stuhl beſtiegen hatte, ſollte die Sache eine ganz andere Wendung nehmen.

Innocenz III. dachte gleich von Anfang an daran, der Ketzerei mit Gewalt ein Ende zu machen. Er ſah nämlich wohl ein, wie der Endzweck der Walden⸗ ſer, Albigenſer, Katharer und wie die Ketzer alle hießen, kein anderer ſei, als an die Stelle der römi⸗ ſchen Katholicität die Einfachheit des Evangeliums zu ſetzen, und da hierdurch dem ganzen Papſtſyſtem der Todesſtoß gegeben worden wäre, ſo überſprang er alle Bedenklichkeiten, denn es galt ja, ſo zu ſagen, die eigene Exiſtenz! Ließ man den Ketzern noch ferner⸗ hin Ruhe, ſo breiteten ſie ſich natürlich immer weiter aus, und es war dann die Möglichkeit gegeben, daß Rom endlich vom Evangelium beſiegt würde; alſo konnte es für Innocenz keine andere Wahl geben, als die Vertilgung der Ketzerei. Um die Lehre der Ketzer, um ihr Glaubensbekenntniß war es dem Papſte eigent⸗ lich nicht zu thun, ſondern nur allein darum, daß die prieſterlich-päpſtliche Gewalt anerkannt werde, denn dieſe Gewalt wollte er behalten und ſollte auch eine Welt darüber in Trümmer gehen. Eben deswegen warf er die gnoſtiſchen Kartharer mit den evangeli⸗ ſchen Waldenſern in einen Tiegel zuſammen, dieweil ja beide die prieſterliche Macht verwarfen, und eben deswegen forderte er von denen, welche als reuige Söhne zur Mutterkirche zurückkehrten, nicht ſowohl Widerruf ihres ketzeriſchen Glaubens, als vielmehr den Schwur der ſtrengſten Unterwürfigkeit unter die päpſtliche Gewalt.

Gleich im erſten Jahre ſeines Pontificats ſandte Innocenz ſeinen Legaten Reiner in's ſüdliche Frank⸗ reich, ſowie nach Spanien, und gab ihm ein offenes Schreiben an alle Fürſten, Grafen und Barone, ſowie an alle Biſchöfe und Obrigkeiten mit, worin die här⸗ teſten Maßregeln gegen die Ketzer anbefohlen wurden. Der Papſt begnügte ſich keineswegs mehr mit dem Märtyrerthum der Hervorragenderengunter denſelben denn dieſes Märtyrerthum hatte s dt nicht nur noch zu keinem Reſultate geführt, ſondern es waren vielmehr aus der Aſche der Verbrannten immer neue

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