Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
615
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aufnehmen Verwunde⸗ am Pulte

bedenklich. en, ſagte ater fällt.

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1g Mat. ſ

Da wirft die

Und ſanft ertönten nie geahnte Lieder

Und nie gefund'nes Glück betrog das Herz; Mitleidig täuſchend ſtieg es zu mir nieder, Umkleidete mit reichem, lieben Troſt

Die Wirklichkeit in ſüßen Traumesbildern. Weit von der Erde führt' es mich im Geiſt Und ſtaunend ſah ich alle Weltenwunder,

Wie Sternenlauf ſich um die Sonne kreiſ't; Die weite Bahn von ew'gem Licht umwoben, Der ganzen Schöpfung wunderbaren Bau;

Von unſichtbaren Mächten ſtark gehoben,

Sah ich hinaus in's reine Himmelsblau,

Sah immer weiter dieſe Erde fliehen,

Die meine Wonne und mein Leid umſchließt, Und ſah die Liebe dieſes All durchziehen,

Die göttliche, die Aller Mutter iſt!

Anbetend warf ich meine Menſchenleiden,

Des Stoffes Zwang, ich warf ihn jauchzend ab: Die Seele ſchwingt ſich einſt zu ew'gen Freuden, Es giebt noch eine Zukunft nach dem Grab! Da wacht' ich auf und heiße, ſchwere Thränen Voll Dank und Weh' entſtürzten meinem Aug'. Was gab die Wirklichkeit für all mein Sehnen Nach Wahrheit mir, als Philoſophen⸗Troſt? Mir war im Traum die Wirklichkeit geboren Und zeigte mir der Gottheit hehres Bild, Doch in der Wirklichkeit war nun verloren Der holde Traum, der nackte Zweifel blieb! Da ſpraug ich auf, es bebten meine Glieder Und die Verzweiflung ſattelt mir ein Pferd, Wirft mich hinauf, mein Sporn zerfleiſcht die Weichen Und ſinnlos jagt es, wie ich es begehrt!

Doch auch die Kraft des Starken gehet nieder, Bald ſchreitet müde hin das edle Thier;

Da finde ich auch das Bewußtſein wieder, Doch kehrt nicht Ruhe meinem Geiſt zurück. Rings liegt ein düſtres, feuchtes Nebelgrauen Um hohes Buſchwerk, wo mein Ritt mich führt; Von Froſt bedeckt ſind herbſtlich ſchon die Auen Und kalt und ſchneidend weht ein ſcharfer Nord; Den Morgen kündigt unbeſtimmtes Dämmern Und ſtill und einſam iſt's im Waldesraum; Nur hie und da ſpricht eine Todesmahnung, Wenn Blätter fallen von Gebüſch und Baum. Starr und verſchloſſen, mit nachläſſ'gem Zügel Drängt's ohne Ziel mich immer weiter fort, Fort über Wieſen, Bach und Thal und Hügel, Fort, immer foxt, dem Morgen zu entflieh'n. onne ihre gold'nen Strahlen In's düſt're Nebelmeer mit Gluth hinein

Und küßt der höchſten Bäume welke Kronen, Und grüßt die Haide mit dem Frührothſchein,

Dierte Solge.

Und malend, wie mit ſanfter, leiſer Regung, Umſpielt das Licht in farbenreichem Glanz,

In wunderſamer, lieblicher Bewegung

Den Halm, das Gras und Strauch und Bach und Stein, Verſilbert und vergoldet Laub und Quelle

Und glänzt im ſtarren Reif wie Diamant

Im tauſendfachen Licht. Der Nebel wallet,

Ein Schleier um die Landſchaft, ein Gewand, Das Nichts verhüllt und jeden Reiz erhöhet,

So daß der Herbſt zum Frühling ſich erhebt,

So wunderbar und wonnevoll und herrlich,

Daß neu der Glaube in der Seele lebt!

Das Bild des Traum's, die himmliſche Verblendung, Die Phantaſie dem heißen Wunſche ſchuf,

Wich nun dem Schauſpiel, welches in Vollendung Die göttliche Natur aus ſich gebar.

Es war der Raum vom ew'gen Licht umwoben Und groß und herrlich ſtrahlt' der Erde Bau; Von unſichtbaren Mächten ſtark gehoben,

Sah ich hinauf in's reine Himmelsblau; Anbetend warf ich fort die Menſchenleiden,

Des Zweifels Stimme wies ich jauchzend ab: Die Seele ſchwingt ſich einſt zu ew'gen Freuden, Es gibt noch eine Zukunft nach dem Grab!

Hiſtoriſche Bilder.

I. Fanatiſche Blutzüge des Mittelalters.

Die proteſtantiſchen Freiheiten und die zum Pro⸗ teſtantismus halb und halb hinneigenden kirchlichen Regungen, welche gerade heute in einem Theile des lombardiſchen Italiens in's Leben traten und jetzt mehr als ſonſt auf Italien den Einfluß der Aufklärung nach und nach gewinnen dürften, baſiren ſich in ihren Anfängen immer noch auf die ſogenannten Ketzerſec⸗ ten der Waldenſer, Albigenſer und Kartharer des Mittelalters. Wenn es im Geiſte der italieniſchen Regierung liegen muß, dagegen tolerant zu denken, ja wenn es überhaupt für die Anſchauungen der Ge⸗ genwart unthunlich iſt, daß andere kirchliche Regungen keine blutige Verfolgung mehr erleiden, ſo hat ſich doch der Geiſt der fanatiſchen Denkungsweiſe hier und da nicht ſo weſentlich geändert, als die erlaubte Form ſeiner Anwendung. Manche Zeitung würde ſagen: In gegenwärtigen Tagen, wo wir nahe daran ſind, daß ſich zwei große kirchliche Gemeinden in feindlicher Front gegenüber ſtehen, iſt es intereſſant, zu ſehen, wie die älteſten Vorläufer des Proteſtantis⸗