Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
602
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Novellen

ſang ſeine her lichen Lieder, während er mit der Heerde die baumleere endloſe Steppe durchzog. Er war ein ächter Sohn des Volkes und der Natur. Bildung und Gelehrſamkeit haben ſeine urwüchſigen poetiſchen Kräfte weder gefordert, noch verdorben, denn ſein dürftiger Schulunterricht währte nur bis zu ſeinem zehnten Lebensjahre. Er hatte keine Anregung, als die, welche der Himmel, die Steppe und ſein eigenes Herz ihm boten. Seine Lieder werden fortklingen, ſo lange die ruſſiſche Sprache lebt.

Michael Lermontoff, ein Sprößling der hohen ruſſiſchen Ariſtokratie, erhielt ſeinen erſten Unterricht durch Hauslehrer und machte dann, nach Art der meiſten jungen Ruſſen von vornehmer Herkunft, ſeinen Weg durch das Pagencorps in die Garde. In Folge

Zeitung.

blaſirt, weil ihre raffinirten Genüſſe, die er bis zum Ueberdruß ausgekoſtet, für ihn nichts Verlockendes mehr hatten. Er liebte es, auf wildem Pferde durch die Steppe zu jagen oder im Schlachtenlärm den Lebensüberdruß zu verſcheuchen, der ihn zuweilen beſchlich. Mit ganzer Seele und Leidenſchaft ver⸗ ſenkte er ſich aber in die großartige Gebirgswelt des Kaukaſus, die ihn zu ſeinen herrlichſten Geſängen be⸗ geiſterte und die er bis in die kleinſten Züge mit einer Wahrheit, Kraft und Treue geſchildert hat, wie kein Dichter vor ihm. Seine farbenfriſchen Natur⸗ ſchilderungen aus dem Kaukaſus würden allein genügen, ihm die Unſterblichkeit zu ſichern.

Lermontoff zeigt ſich in ſeinen Dichtungen da am größten, wo er am volksthümlichſten iſt, und dabei

einer Ode, zu welcher der Tod Puſchkins Veranlaſſung gab, wurde der junge Dichter aus der Garde ent⸗ fernt und nach dem Kaukaſus geſchickt, wo er lange Zeit in der Verbannung und unter Verhältniſſen zu⸗ brachte, die ſich nicht mit der nämlichen Bequem⸗ lichkeit rubriciren laſſen, wie die Notizen, womit man faſt gemeiniglich die Biogrophien hervoragender Dichter zu ſchmücken pflegt und worin ausführlich offenbart wird, wo und wie das junge Genie decliniren und conjugiren lernte.

Lermontoff, ob er auch vielfaches Unglück im Leben ertragen mußte, hatte den größten Vorzug, deſſen ein Dichter ſich erfreuen kann: ſein Herz wurde nie von gemeiner Sorge um des Leibes Nothdurft zernagt. In der vornehmen Welt hielt man ihn für

bedarf der höchſte Ausdruck dieſer Volksthümlichkeit nicht des geringſten Commentars.

Ein ſo inhaltvoller, für die junge ruſſiſche Litera⸗ tur wichtiger Dichter muß auch dem Auslande und beſonders dem deutſchen Publicum ein mehr als vor⸗ übergehendes Intereſſe einfloͤßen. Daſſelbe wird auf eine ſehr anmuthige Weiſe durch Bodenſtedt's Ueber⸗ tragungen befriedigt werden. Der ſechste Band der Geſammtausgabe enthält neben vielen lyriſchen und epiſchen Producten unter andern auch das charakter⸗ volle Epos vom Zaren Iwan Waſſiiljewitſch, eine ſo⸗

auch als wahrer Dichter und Künſtler gezeigt hat, gleich meiſterhafte Arbeit.

Prison Life of Jefferson Davis. (Schluß.)

Von den Officieren auf der Seite der Conföderirten ſpendete Davis beſonders dem General Lee ein hohes Lob, den er einen großen Soldaten und einen reinen chriſtlichen Gentleman nannte; auch ſprach er lobend von Bragg und Pemberton, obſchon den beiden Letztern wegen unvermeidlicher Umſtände und der Feindſeligkeit der Partei, welche gegen Davis opponirte, nicht die Stellung bewilligt worden ſei, die ihnen nach der öffentlichen Meinung gebührt habe. Pember⸗ ton habe Vicksburg in einer glänzenden Art vertheidigt und möchte entſetzt worden ſein, wenn der, die zum Entſatz abge⸗

ſchickte Armee befehligende Officier General Johnſton dem beſtimmten, ihm vom Kriegsſecretär Leddon zugeſchickten Befehle, den General Grant anzugreifen, Folge geleiſtet

hätte. Wenn derſelbe General, der durch die Oppoſitions⸗

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wohl für den Poeten als Ueberſetzer, der ſich hier

hätte, als er die Weiſung dazu erhielt, ſo würde das Kriegs⸗

glück ſich verändert und Sherman ſich durch eine unfrucht⸗ bare, verwüſtete Gegend nach Naſhville haben zurückziehen müſſen und ſein Rückzug würde für ihn beinahe ebenſo unheilvoll geweſen ſein, wie Napoleons Rückzug aus Moskau es war. Johnſton habe das nicht gethan, ſei dann abberufen worden und der General Hood, ein wahrer und geiſtreicher Soldat, an ſeinen Platz getreten; aber die Gelegenheit zu einem erfolgreichen Angriff ſei dann verſchwunden geweſen. Dieſer Verzögerung werde das Volk des Südens mehr als irgend einer andern Urſache ſein Unterliegen zuſchreiben, wenn die Geſchichte des Krieges je treu geſchrieben werde. Den Sieg des Generals Bragg über Roſecrantz bei Chickamauga betrachtet Davis als eine der glänzendſten Leiſtungen des Kriegs, weil die Streitkräfte auf beiden Seiten in ſo hohem Grade ungleich waren. Die folgende Concentrirung der Generale Grant und Hooker mit Roſecrantz und der Sieg ihrer combinirten Streit⸗

partei der Südſtaaten in ſeinem Commando aufrecht erhalten kräfte bei Lookout Mountain war das Ergebniß einer Kühnheit wurde, den General Sherman in Atalanta kräftig angegriffen oder Verzweiflung, die keine militäriſche Klugheit habe vorher⸗

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