Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
601
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Jeden für dergleichen empfänglichen Reiſenden muß die Meiſterſchaft auffallen, welche ſelbſt die Bauern hier im Erzählen entwickeln, und die Fülle wirkſamer Bilder und Mittel, welche ihnen hierbei zu Gebote ſteht. Und ſo mehr oder minder in allen

flaviſchen Ländern. Mickiewitz führt in ſeinen Vor⸗

leſungen über ſlaviſche Literatur und Zuſtände ein beſonders charakteriſtiſches Beiſpiel der Art an. Ein Bauer erzählt den Gäſten in der dunklen Wirths⸗ hausſtube eine Fabel, in welcher er ſelbſt den Helden ſpielt. Er iſt gegangen, den wunderbaren Vogel auf⸗ zuſuchen, findet aber nur eine Feder, die der Vogel beim Vorüberfliegen verloren, die aber ſolchen Glanz hat, daß, als der Bauer ſie in's Zimmer bringt, daſſelbe wie von einer Fackel erleuchtet iſt. Hier zündet der Erzähler unverſehens eine Hand voll Späne an; dieſe auflodernde Flamme erſchüttert alle Anweſenden und läßt ſie den entſprechenden Eindruck lebhaft fühlen.

In einer andern Fabel, in welcher von der kryſtal⸗ lenen Burg verzauberter Prinzeſſinnen die Rede iſt und dem Ritter aufgegeben wird, die ſeinige aufzufinden, was ihm deshalb unmöglich, weil alle bezauberten Prinzeſſinnen wie Sterne einander gleichen, öffnet der erzählende Bauer plötzlich das Fenſter und zeigt den Zuhörern den hinter durchſichtigen Wolken von Sternen funkelnden Winterhimmel, der beſſer als jede Theaterleinwand eine kryſtallene Burg veran⸗ ſchaulicht.

Die erſte Pflanzſchule ruſſiſcher Bildung und Kunſt war die Kirche, welche ihre eigene, der Maſſe des Volkes unverſtändliche Sprache hatte. Im Gegen⸗ ſatz zu dieſer ſlavoniſchen, durch ihre Schrift wie durch ihren Wort⸗ und Satzbau im Griechiſchen wurzelnden Kirchenſprache wurde die volksthümliche Sprache des Landes zur Trägerin der beſondern, an lyriſchen Erzeugniſſen überaus reichen Volkspoeſie.

Mit der Verſöhnung nnd wechſelſeitigen Durchdrin⸗ gung dieſer ſprachlichen Gegenſätze beginnt die Zeit der ruſſiſchen Kunſtpoeſie, welche in Fürſt Kantemir und Lomonoſoff ihre Vorläufer, in Derſhawin ihren Be⸗ gründer und in Puſchkin, deſſen ebenbürtiger Nach⸗ folger Lermontoff war, ihren höchſten Ausdruck fand. Ihre Anfänge fallen zuſammen mit den Anfängen des ruſſiſchen Kaiſerreichs.

Der älteſte Dichter der jungen ruſſiſchen Literatur, Fürſt Kantemir, geſtorben 1744, war ſeines Urſprungs ein Türke. Die Satiren, welche er hinterlaſſen, ſind von bleibendem Werthe und ein treuer Spiegel der Menſchen und Zuſtände, welche ſie geißelten. Sie tragen jedoch durchaus kein nationales Gepräge, es wehet darin mehr franzöſiſche als ruſſiſche Luft,

Vierte Folge.

eben weil Kantemir kein Ruſſe war und lange als Geſandter in Paris lebte, wo er ſeine Vorbilder ſuchte.

Nach ihm kam Lomonoſoff, geſtorben 1765, ein Mann, zu dem die Ruſſen mit derſelben Ehrfurcht aufblicken, wie wir zu einem Leibnitz oder Leſſing. Er beherrſcht das ganze Gebiet des menſchlichen Wiſſens ſeiner Zeit. Er war der Schöpfer der ruſ⸗ ſiſchen Schriftſprache, der er ihre noch jetzt gültigen Geſetze vorſchrieb. Zugleich war er ein ausgezeichne⸗ ter Philolog und naturwiſſenſchaftlicher Forſcher. Lomonoſoff wurde geboren in einem Fiſcherdorfe am weißen Meere. Seine Bildung erwarb er auf deutſchen Univerſitäten, und eben weil ſeine Geiſtesrichtung ganz unter ausländiſchem Einfluſſe ſich entwickelt hatte, ſchlugen ſeine poetiſchen Erzeugniſſe nicht ſo tiefe Wurzel im ruſſiſchen Volk, als die Werke ſeiner Nach⸗ folger, denen er die Pfade bereitet hatte.

Mit Derſhawin, geſtorben 1816, einem nicht gelehrten, aber reichbegabten Dichter, beginnt die Zeit, wo das aus der Fremde eingeführte Gold und Edelgeſtein ruſſiſches Gepräge erhielt und gleich na⸗ tionalen Werthſtücken anerkannt oder ganz ausge⸗ ſchieden wurde.

Dieſer Läuterungsproceß wurde vollendet von Puſchkin und Lermontoff, unter deren Meiſterhänden die ſchmiegſame Sprache die ganze Fülle des Wohl⸗ lauts, der Kraft und der Schönheit entfaltete.

Der wißbegierige Leſer könnte nun die Frage aufwerfen, ob denn Rußland in dem ganzen, ſo⸗ eben flüchtig durchgemeſſenen Jahrhundert keine andern hervorragenden Dichter, als die wenigen eben ge⸗ nannten erzeugt habe.

Allerdings läßt ſich noch eine Reihe von Namen anführen, unter deren Trägern einige den augen⸗ blicklich bei uns gefeiertſten Lyrikern an poetiſcher Bedeutung mindeſtens gleichſtehen. Aber alle dieſe Dichter nehmen eine mehr oder weniger iſolirte Stel⸗ lung in der ruſſiſchen Poeſie ein, und die Meiſten von ihnen unterſcheiden ſich in nichts Weſentlichem von den neueren lyriſchen Dichtern anderer Länder. Ihre Schöpfungen bieten keinen Maßſtab für die geiſtige Bewegung des ruſſiſchen Volks.

Gewichtige Ausnahmen bilden Männer wie Kryloff, Shukowsky und Kolzoff: der erſte ein äußerſt geiſt⸗ voller Fabeldichter, der zweite ein großer Meiſter der Sprache, der durch ſeine Ueberſetzungen aus⸗ ländiſcher claſſiſcher Dichtungen einen ähnlichen Ruf in Rußland erlangt hat, wie A. W. von Schlegel in Deutſchland. Kolzoff iſt ein hochbegabter Volks⸗ dichter im edelſten Sinne des Wortes.

Letzterer war der Sohn eines Rinderhirten und er