596 merken. Einmal ſchien er dies ſogar in Wirklichkeit vorzuhaben, denn er ging gerade auf Döpkens Sitz zu, machte jedoch, wie ſich dieſer eben in Fleuret⸗
ſtellung auslehnen wollte, dicht vor dem Stuhl eine Wendung halblinks zur Thür und verließ das Zimmer.
Nachdem er durch ein kurzes Stück des Flurs ge⸗ ſchritten, kam er in den Packhof. Die Sonne ſchien ſo heiß in dieſen hinein und ihre Strahlen reflectir⸗ ten ſo ſtark von den weißen Wänden, daß er einem Bratkeſſel entſchieden nicht unähnlich war. Haferſchleim machte ſich augenſcheinlich wenig daraus, er traf in gemüthlicher Ruhe Vorbereitungen, ſeinen Aufenthalt für einige Zeit darin zu nehmen, indem er aus einer der Packkammern mehrere Tuchballen ſchleppte, vier davon mit der längeren Seite aneinanderlegte, auf den vierten die Uebrigen packte und ſo ein prächtiges breites Bett herſtellte, auf welches er ſeine ſchlanke Geſtalt niederlegte.„So,“ meinte er, den Funkelglanz ſeiner Stiefeln im Sonnenlichte bewundernd,„jetzt kann es losgehen.“
„Fange Du an, Haferſchleim, ſpricht der Herr Examinator; ich werde Dir eine Frage vorlegen: Wa⸗ rum ladet Dich der Prinzipal ein?“
„Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich habe keinen Schatz.“
„Falſch, ſagt der Herr Examinator; es mag ihm das recht angenehm ſein, aber deshalb ladet er noch Niemanden zu ſich. Seine Geſellſchaft müßte ja ſonſt aus lauter Seminariſten beſtehen. Uebrigens ſetzeſt Du Dich eine Bank tiefer. Nun?“
„Weil ich der Sohn desjenigen Mannes bin, der mit ihm die meiſten und größten Geſchäftoleziehun⸗ gen hat.“
„Falſch, dann hätte er Dich auch ſchon früher einladen müſſen. Du ſetzeſt Dich abermals eine Bank tiefer. Haſt Du die Antwort noch nicht?“
„Weil er ſeinen— früheren— Liebling Döpken recht empfindlich ſtrafen wollte.“—
„Ja, ja, das könnte es vielleicht ſein! ſagt der Schulmeiſter; rücke einmal vorläufig wieder zwei Bänke herauf.“
.„Ach, Theodor,“ rief Haferſchleim, ſich hier plötz⸗ lich in ſeinem Mono-Dialog unterbrechend, dem Aus⸗ geher, Zweitmädchen und Bedienten des Hauſes C. W. Bauer zu, einem Muſter von Gehorſam und Folg⸗ ſamkeit, das in dieſem Augendlick über den Hof kam: „Wiſſen Sie von den Einladungen für heute Abend?“
„Jäwohl!“
„Haben Sie die Liſte der Eingeladenen geſehen?“
„Jäwohl.“
„Wann?“
Rovellen⸗
Jeitung. 1
„Stehe ich mit darauf?“
„Jäwohl.“
„Sie können zum Teufel gehen.“
„Jäwohl.“
Theodor hätte den befohlenen Gang gern ausge⸗ richtet, aber da ihm die genauere Adreſſe leider nicht angegeben war, erlaubte er ſich den Ungehorſam, wie⸗ der in das Haus zu treten.
„Falſch, ſagt jetzt der Examinator, wenn er Dich ſchon geſtern Abend eingeladen hatte, kann das nicht erſt heute Morgen auf Grund des Döpkenſchen Vorfalles geſchehen ſein. Du ſetzeſt Dich übrigens in die letzte Bank, Du weißt ja gar nichts.“
„Er hat Recht, ich weiß gar nichts,“ ſeufzte Haferſchleim und warf ſich auf die andere Seite ſeines Körpers, in der Abſicht, die Hitze nicht un⸗ gleichmäßig auf ſich wirken zu laſſen, ſondern ein angenehmes, allgemeines Durchbraten zu erzielen; „er hat ganz Recht! Doch da iſt ja Theodor wieder — was wünſchen Sie von mir?“
„Sie möchten eben zum Principal kommen!“
„Nun ſchlag' doch Gott den Teufel todt, muß ich da halb gar vom Feuer,“ rief G. Haferſchleim, ſprang ärgerlich auf und ging in das Sprechzimmer von C. W. Bauer, das genanntem Herrn zugleich als Arbeitsſtube diente.
„Haferſchleim,“ redete ihn dieſer an,„hier habe ich eine fällige kleine Tratte, gezogen auf dem Actuar Meinhold; Sie haben die Güte, heute Nachmittag hinzugehen und das Geld zu erheben. Traſſat wohnt in der Vorſtadt St. Moritz, kleine Mauergaſſe 86 c, drei Treppen links.“
„Gewiß,“ erwiderte Haferſchleim und nahm den Wechſel in Empfang.
Nachdem Haferſchleim zu Mittag gegeſſen hatte, machte er ſich ſchlendernd auf den Weg und hatte bald die erſtrebte Gaſſe erreicht, eine enge, ärmliche Straße, in welcher zu beiden Seiten baufällige, oben von dichtem Graswuchſe bedeckte Mauern mit noch baufälligeren Häuſern abwechſelten.
„Wenn ich von hier ohne Proteſt nach Hauſe zurückkehre, ſo muß das an der beſonderen Gunſt irgend eines höheren Weſens liegen, denn die Gegend ſcheint mir ſtark am Wechſelfieber zu leiden,“ brummte Haferſchleim.„Aha— da iſt ja 86 c— ſteigen wir hinein!“
Der Eingang war wenig verſprechend, die Flie⸗ ſen des Flurs hatten ſich hier gehoben und dort ge⸗ ſenkt, waren hier ſchlüpfrig glatt und boten dort ſo viel Spitzen und vorragende Kanten, daß man ernſt⸗
„Geſtern Abend.“
lich auf die Vermuthung gerathen konnte, der Eigen⸗
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.—
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