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Dierte Solge. 579
denn das Geſetz ſtraft den Raubmörder mit dem Strick.“
„Wer kann den Gefangenen des Raubmordes beſchuldigen?“ fiel Maria ihm entrüſtet in's Wort. „Man hat ihn nur über einem Einbruch ertappt, das iſt Alles.*
des Dieners.„Das kennen wir,“ ſagte er lakoniſch,
„wer durch ein Fenſter einſteigt und gewaltſam Schlöſ⸗
ſer erbricht, den kommt nicht an.“
„Kennt Er den Gefangenen?“ fragte Maria.
„Nein.“
„Dann kann es Ihm auch gleichgültig ſein, ob derſelbe befreit oder verurtheilt wird. Was verlangt Er, wenn Er ſchweigen ſoll?“
Der Diener blickte beſtürzt auf: doch nicht—
„Sei Er ohne Sorgen,“ fuhr Maria fort,„Sekne Hülfe verlange ich nicht; wenn Er mir ſagt, wo ich den Schlüſſel zu dem Gewölbe finde, in welchem der Gefangene ſich befindet, ſo weiß ich genug.“
„Aber der Baron—“
„Ehe der Baron Einem von Euch krümmt,
es auch
auf einen Mord
„Sie wollen
ein Haar bekenne ich mich als die allein Schuldige,
das kann Ihm genügen.“
Der Diener ſchüttelte bedenklich das Haupt. „Es iſt unmöglich,“ erwiderte er,„der Schlüſſel be⸗ findet ſich in den Händen des Barons.“
„So ſchaffe Er ihn mir.“
„Das iſt leicht geſagt, aber ſchwer auszuführen. Doch halt— ich entſinne mich, daß der Schlüſſel zu dem Gewölbe vor einem Jahre abhanden gekommen war, der Baron ließ einen neuen anfertigen, ſpäter fand der verlorene ſich wieder und ich glaube zu wiſſen, wo dieſer liegt.“
In den Augen Maria's blitzte es freudig auf.
—„So hole Er den Schlüſſel und ſorge Er, daß
Niemand mich überraſcht,“ drängte ſie.
Hätte das Mädchen gewußt, daß der Weg zur Flucht ſchon gefunden war und Anton eben jetzt im Begriff ſtand, ſeinen Kerker zu verlaſſen, ſo würde ihr die fieberhafte Aufregung erſpart geblieben ſein.
Kaum hatte der Baron hinter ſeinem Gefangenen die Thüre geſchloſſen, als dieſer mit den Zähnen die Bande, die ihn feſſelten, zu löſen verſuchte. Nach mühſamer Anſtrengung gelang ihm dies und nun ſuchte er ſich über die Größe und Beſchaffenheit ſeines Kerkers ſo gut wie möglich zu orientiren.
An dem Luftzug, der ihm plötzlich entgegenwehte, bemerkte er, daß er vor einem offenen Fenſter ſtand; einige Lücken in der Mauer erlaubten ihm, zu dem⸗
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ſie ausgebrochen hatte, und drängte ſich darauf hin⸗ aus. Einmal im Parke,
ſelben hinauf zu klettern, wobei er entdeckte, daß eine der Eiſenſtangen ſeinem Druck nachgab. Er rüttelte an dieſer Stange, bis er nach zweiſtündiger Arbeit
ſtand ſeiner Flucht kein
Hinderniß mehr im Wege; wie ein gehetztes Reh eilte Ein bedeutſames Lächeln glitt über die Lippen
Anton über die Landſtraße dem Dörfchen Woiſelwitz zu, um den König zu warnen.
Aber noch ehe er das Dörfchen erreicht hatte, begegneten ihm die beiden Dragoner⸗Pikets; er be⸗ richtete dem Anführer deſſelben ſeine Erlebniſſe und ſchloß ſich, ohne die Erlaubniß dazu zu erbitten oder abzuwarten, dem Piket, welches mit der Verhaftung des Barons betraut war, an.
Inzwiſchen erwartete Maria mit wachſender Un⸗ geduld den Diener, der ſchon vor einer Stunde ſie verlaſſen hatte. Sie ahnte nicht, daß der Diener, in der Hoffnung auf eine reiche Belohnung, dem Baron den Plan ſeiner Mündel endeckt hatte.
Warkotſch lächelte geringſchätzend, als er das Vorhaben Maria's erfuhr. Nicht weil ihn daſſelbe beunruhigte, ſondern nur, um dem Mädchen zu be⸗ weiſen, daß es ſich thörichten Hoffnungen hingebe, begab er ſich in das Schlafzimmer ſeiner Mündel.
Beim erſten Blick auf die ernſten, ſtrengen Züge des Eintretenden ahnte Maria, daß der Diener ſie verrathen hatte.
Ueberzeugt, daß man ſie jetzt ſtreng bewachen und ihren Plan vereiteln werde, beſchloß ſie, den einzigen Weg, der ihr noch blieb, den der Bitte ein⸗ zuſchlagen.
Warkotſch aber hörte ihre Bitten kaum an, ein Lächeln des Hohns glitt über ſeine Züge, als er ihr die Antwort gab, ſie möge ſich nicht weiter um das Schickſal des Gefangenen kümmern, derſelbe ſei bei einem ſchweren Verbrechen ertappt worden und ſein Recht werde ihm geſchehen.
Maria hatte eine ſo ſchroffe Antwort nicht er⸗ wartet, tief gekränkt erhob ſie ſich und in ihren Augen blitzte eine muthige Entſchloſſenheit, als ſie dem Baron erklärte, daß ſie bei dem König von Preußen Gerechtigkeit ſuchen werde. Auf Warkotſch, der feſt darauf baute, daß der König nach Ablauf der nächſten vierundzwanzig Stunden in der Gewalt der Oeſter⸗ reicher ſein werde, machte dieſe Drohung nicht den beabſichtigten Eindruck.
„Bis dahin iſt das Urtheil vollzogen,“ ſagte er ſarkaſtiſch,„die Caſſation deſſelben würde zu ſpät kommen.“
„Sie werden ſich eines Mordes ſchuldig machen,“ warnte Maria.„Sie ſelbſt wiſſen, daß Anton das
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