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in der Hand zu halten und im entſcheidenden Augen⸗ blick den Hochverräther unſchädlich machen zu können. Der König gab weder Ueberraſchung noch Be⸗ ſtürzung zu erkennen, er nahm ruhig den Brief aus der Hand Kappels und las raſch deſſen Inhalt.
„Was nutzt mir der Wiſch?“ ſagte er mit ſchar⸗ unter⸗
adreſſirt noch den Warkotſch
fer Betonung.„Er iſt weder zeichnet. Ich halte überhaupt ſolchen Verbrechens nicht fähig.“ „Eure Majeſtät werden verzeihen, wenn ich mir dagegen zu bemerken erlaube, daß der Huſar Winkler,
eines
derſelbe, für den ich bei Eurer Majeſtät Fürſprache
einzulegen wagte, das Bedenken äußerte, der Baron von Warkotſch verdiene die Gunſt ſeines Königs nicht,“ warf Maßmann ein. Der Monarch richtete die großen durchbohrenden Augen auf den Kammerdiener.
„Wir werden ſehen, ob der Jäger die Wahrheit
ſagt,“ erwiderte er, während er eine Schieblade ſeines
Schreibtiſches öffnete und aus derſelben einen Brief nahm, deſſen Handſchrift er mit dem des Schreibens an Wallis verglich.
Nur wenige Secunden währte dieſe Prüfung, welche jeden Zweifel beſeitigte.
In den Augen Friedrich's flammte hell der Zorn
auf; ohne den Jäger zu beachten, näherte er ſich mit
fieberhafter Haſt dem Kammerdiener.
„Der wachthabende Officier ſoll augenblicklich eine Ordonnanz nach Strehlen ſchicken,“ befahl er. „Von Strehlen rücken ſofort nach Ankunft der Ordon⸗ nanz zwei Pikets Dragoner, jedes unter Anführung eines zuverläſſigen Officiers, aus, das eine nach Schön⸗ brunn, um ſich der Perſon des Warkotſch zu bemäch⸗ tigen, das andere nach Siebenhuben, um den Snntut Schmidt zu verhaften. Der Baron wird in Brieg, d Curatus in Strehlen in ſichere Gewahrſam aedruß und der Letztere mir morgen früh um ſechs Uhr vor⸗ geführt. Das Kriegsgericht hat ſich um neun Uhr bereit zu halten.— Wie lange hat Er dem Baron gedient?“ fuhr er, ſich zu dem Jäger wendend, fort.
„Acht Jahre,“ erwiderte Kappel, der vergeblich ſich den Anſchein der Unbefangenheit zu geben ſuchte.
„Er ſoll ihm nicht mehr dienen! Woher iſt Er?“
„Aus Böhmen.“
„Aus welcher Gegend?“
„Aus Mitrowitz bei Kollin.“
„Die Gegend iſt mir bekannt,“ erwiderte der König, über deſſen Antlitz eine düſtere Wolke glitt. „Er iſt wohl katholiſch?“
„Ja, Euer Majeſtät!“
„Und Sein Herr iſt lütheriſch⸗)
„Ja wohl.“
Novellen⸗Jeitung.
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Jäger, es giebt unter allen Religionen ehrliche Leute und Schelme. Die Sache kommt nicht von Ihm ſelbſt, Er iſt das Werkzeug einer höheren Hand. Er Hnn gehen, aber Er wird ſich unverzüg⸗ lich ſtellen, ſobald das Gericht ihn in's Verhör for⸗ dert.“
„Zu Befehl mein Brod!“
„Das wird ſich ſpäter finden,“ ſagte der Monarch mit einer gebieteriſchen Handbewegung,„jetzt gehe Er!“
Gleich darauf ritt der Jäger nach Schönbrunn zurück, eine halbe Stunde ſpäter verließen zwei Dra⸗ goner⸗Pikets Strehlen, die ebenfalls die Richtung nach Schönbrunn einſchlugen.
„Seht,
„Eure Majeſtät. Aber ich komme um
In derſelben Stunde, in welcher der Jäger ſich rauf' s Pferd ſhend, um den König zu warnen, ſchlich Maria leiſe über den Corridor des Schloſſes, um den Geliebten, den ſie am Abend vorher in den Alkoven eingeſchloſſen hatte, aus ſeiner freiwilligen Gefangen⸗ ſchaft zu befreien. Unwillkürlich drang ihr die Be⸗ ſorgniß ſich auf, der Baron könne den Lauſcherwent⸗ deckt haben, und ſie fand die Ahnung, welche während des ganzen Tages ihre Seele gefoltert hatte, beſtätigt, als ſie die Thüre öffnete. Aus dem Cabinet des Barons fiel durch das offene Fenſter ein Lichtſtrahl auf die Actenſtöße,— Maria verlor die Geiſtesge⸗ genwart nicht, ſie ſchloß leiſe die Thüre und kehrte raſch in ihr Zimmer zurück. Weder durch die Thüre noch durch das Fenſter des Cabinets konnte Anton das Schloß verlaſſen haben, letzteres lag ungefähr zwanzig Fuß hoch und führte auf einen gepflaſterten Hof.
Maria konnte nicht bezweifeln, daß der junge Mann von Warkotſch entdeckt worden war und ſich noch im Schloſſe befand. Hierüber konnten nur die Diener Auskunft geben; das Mädchen, kurz entſchloſſen, zog die Glocke, um Nachforſchungen anzuſtellen.
Der Diener war eine habſüchtige Natur; durch einige gute Worte und von Goldſtücken begleitete Verſprechungen gelang es dem Mädchen, ihm die Zunge zu löſen.
Maria hielt es für rathſam, ches ſie für den Gefangenen zeigte, in das Gewand des Mitleids zu hüllen.
V„Was wird mit dem Gefangenen geſchehen?“ fragte ſie, als der Diener Bericht erſtattet hatte. „ Der Baron macht in der Regel kurzen Proceß,“ entgegnete der Diener achſelzuckend.„Wahrſ intia wird der Gefangene ſchon morgen vor Geri ſtelt hund verurtheilt, das Urtheil lautet lderfals auf Tod
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