574 Novellen
eine Vorleſung über Thomas Carlyle, über den er im Weſent⸗ lichen das folgende Urtheil fällt:
Carlyle iſt Genie und Künſtler— ein wundervoller Wortmaler deſſen, was er ſieht und kennt, aber kein Philoſoph in irgend einem Sinne, noch viel weniger ein Reformator und kaum ein Menſch oder doch nur ein ſehr untergeordneter Be⸗ griff von Menſch. Seine früheren Schriften Reſartus“ zum Beiſpiel und ſein„Eſſay über Burns“— offenbaren noch einen Grad menſchlicher Sympathie, und in denſelben finden ſich Stellen eines tiefen und ernſten Pathos, und dieſelben erwarben ihm ohne Zweifel die beinahe all⸗ gemeine Bewunderung und die Hoffnung, welche er einſt er⸗ regte. Die Welt begrüßte mit Entzücken das Aufſteigen eines neuen Geſtirns nicht blos mit Ruhm, ſondern auf ſeinen Schwingen geneſend. Da er ein leidenſchaftlicher Lobredner redlicher Menſchen war, ſo vermuthete man, er ſei ſelbſt red⸗ lich und man verſprach ſich viel Gutes von der literariſchen Laufbahn eines Mannes, der in ſich ſo verſchiedene Kenntniſſe und eine ſo glänzende Macht, großmüthige humanitariſche Aufgaben zu bearbeiten, in ſich vereinigte. Aber die intellec⸗ tuelle Arroganz Carlyle's und ſein Mangel an Herz verleiteten ihn bald zu einer falſchen Verehrung. Er bewunderte nicht länger die redlichen Männer, ſondern die ſtarken— die Männer von einer geiſtigen Stärke, das heißt des Willens, handelnde, nicht denkende, ganz einerlei, ob ihr Handeln recht
oder unrecht war. Der Uebergang von Burns und Goethe fand vermittelſt Johnſon's zu Mirabeau ſtatt, einem der ſchändlichſten und verrätheriſcheſten Geſchöpfe, die je athmeten, aber deſſen Energie im Schreien und Handeln das Herz Carlyle's vollſtändig gewannen. In ſeiner„French Revo- lution“ begann er, gleich dem Teufel, mit den zerſtörenden Kräften, die dabei im Werke waren, zu liebäugeln, er ſchien während dieſer tollen Walpurgisnacht an Wildheit ſich an dem Aufruhr und Blut zu ergötzen; und in ſeinem ganzen Buche giebt er kaum ein Wort des Mitleidens, kaum einen Seufzer oder ein Schluchzen über die ſchrecklichen Leiden der Männer und Frauen, welche dieſen feurigen Ofen zu paſſiren hatten. Eine Perſonification der alten heidniſchen Idee des Fatums war er bei den ſchrecklichen Scenen, die er mit der düſtern Fackel der Hölle beleuchtete, ſo theilnahmlos, als handle es ſich dabei blos um Bilder der Einbildungsraft. Sein„Crom⸗ well“ war eben ſo hart und herzlos, und in ſeinem letzten Werke(Friedrich der Große), worin er eine Art nili⸗ läriſchen Mann von Bronze malt, der ebenfalls von menſch⸗ licher Zuneigung und den gewöhnlichen menſchlichen Leiden⸗ ſchaften entblößt iſt, ſtößt ſein Held in ſeinem metalliſchen Glanze und ſeiner Härte zurück. Carlyle iſt in der That ein ſolcher blinder Verehrer der Stärke geworden, daß nichts Mildes, oder Süßes, oder Sanftes ihn jetzt rührt. Er iſt thatſächlich im Betreff des Vorhandenſeins dieſer Seite der menſchlichen Natur ganz ſkeptiſch, und ſobald ſie ſich ihm darbietet, behandelt er ſie als einen paſſenden Gegenſtand, um ſie lächerlich zu machen. Für eine Perſon mit ſolchen Anſichten hat das menſchliche Geſchick keine andere Meinung,
als ein ewiger Kampf zwiſchen dem Starken und dem Schwachen,
oder vielmehr ein Kampf, worin der Starke den Sieg davon tragen und leben, der Schwache dagegen zu Grunde gehen wird. Das Weltall wird das werden, was das Walhalla in der Meinung der alten Kämpfer des Nordens war— ein Ort endloſer Kämpfe und Trinkgelage. Daher ſind Carlyle Perſonen, welche eine Hoffnung der Geſellſchaft haben, außer⸗ ordentlich zuwider— ganz beſonders die Amerikaner, in denen ſich das freiwillige Leben vor dem bürgerlichen und
„Sartor
„Zeitung.
moraliſchen Leben entwickelt hat. An dem Menſchen und der Geſellſchaft wirklich verzweifelnd, ſchließt er ſich in ſeine Ver⸗ blendung ein und murrt und läſtert. C.
Der Präſident der Great Weſtern-Railway-Coampann in England, Daniel Gooch.
England iſt ein ſtreng ariſtokratiſches Land, doch neben der Ariſtokratie der Geburt und des Reichthums gelangt auch die des Talents und des Geiſtes zur vollen Anerkennung, und es gehört dort nicht zu den Seltenheiten, daß talentvolle, reich begabte Männer ſich aus den niedrigen Volksſchichten zu einer hohen Stellung im Staate und in der bürgerlichen Geſellſchaft emporarbeiten. Zu dieſen Männern gehört auch der oben erwähnte Mann, über welchen der Londoger Corre⸗ ſpondent von„Saunder's News Letters“ ſich in folgenden Worten ausſpricht:
Die kürzliche Ernennung des Herrn Daniel Gooch, des neuerwählten Mitgliedes des Unterhauſes für Cricklade, zum Präſidenten der Great Western-Railway-Company iſt ein in der Geſchichte der Eiſenbahnen noch nicht vorge⸗ kommenes Ereigniß. Wenn ich gut unterrichtet bin, ſo begann dieſer Gentleman nach zurückgelegter Schulzeit ſeine Laufbahn als Khabe im Dienſte dieſer Geſellſchaft in der niedrigſten Stellung. Sein Fleiß und ſein Scharfſinn ſelbſt in einer ſo niedrigen Stellung machten ſich bald bemerkbar und in Folge deſſen ſtieg er höher. Da er in ſeiner höhern Stellung fortfuhr, dieſelben Eigenſchaften zu beweiſen, denen er ſein Aufſteigen verdankte, ſo erntete er eine fortdauernde Belohnung in der Billigung und Beförderung von Seiten ſeiner Vorgeſetzten. In dieſer Art ſtieg er Stufe für Stufe durch die verſchiedenen Phaſen der Beſchäftigung, für welche dieſe große Anſtalt die Gelegenheit bot, bis ihm zuletzt das ſchwierige und verantwortliche Amt als Oberaufſeher des Locomotivedepartements anvertraut wurde. Dieſe Pflicht erfüllte er eben ſo ausgezeichnet wie alle frühern Poſten, die er bekleidet hatte, und als die Geſellſchaft neulich— und beſſer ſpät als niemals— zu der Einſicht gelangte, wie unzweckmäßig es ſei, einen Lord, Herzog oder andern hoch⸗ ſtehenden Mann, der von dem Eiſenbahnweſen nichts verſtehe, zum Präſidenten zu wählen, bewies ſie einen noch geſundern Verſtand und ein richtigeres Urtheil, als ſie den Herrn Gooch zu ihrem Präſidenten erwählte. Es iſt vielleicht in der Eiſenbahn⸗Statiſtik etwas Unerhörtes, daß Jemand, welcher in einer ſo niedrigen Stellung in den Dienſt einer Geſell⸗ ſchaft tritt, ſich zuletzt bis zu dem Präſidenten derſelben erhebt; aber als ein Beiſpiel, daß jedem Engländer, der es durch ſeinen Fleiß, ſein Talent und ſeine Beharrlichkeit ver⸗ dient, der Weg zu Ruf, Vermögen und einer hohen Stellung offen ſteht, macht der Geſellſchaft dieſe Wahl ebenſo viel Ehre, wie dem Manne, der ſie angenommen hat. Herr Gooch hat ſeine Talente auch in andern Richtungen bewieſen, und es war während ſeiner Abweſenheit aus England, zur Zeit, wo er im Juli 1865 dem Legen des atlantiſchen Telegraphen beiwohnte, als ſeine Verdienſte in ſeiner Wahl für Cricklade eine andere Anerkennung fanden.
Was Herr Goochsiſt, wurde er durch ſeine eigne An⸗ ſtrengung und er iſt ganz das, was die Engländer einen self made man nennen, und um deſto mehr verdient er die Achtung, deren er ſich in England allgemein erfreut. C.
Die Blunle,
Schönheit m inmal, da ſoviel man wieder zu de ſchweigend P aen Win froſtigen oaſtn Ben ſammen ein lege nun die (mit dem Fing die ganze ſchö auch in der— ters, welche, nie wieder h als die von Verzierunge brochen iſt, welcher dieſ hat, vermag er verſuchen in zunger welche noch Vaters verlä Reinheit ſein wieder zu er Laſters. Di werden; e k
Einen Stelle: „Als Antwerpen der mir de Poncho ein und leichten ſeinen Stul höhe mit ſe daß er Nier ganz einfac Seine Füße die Fußſpitze ohne Finger hielt er den hatte er ſein „ Arme und n Trotzdem gi in dem M. Gelde ein dienen. J ſeinen Zehe Gliedmaßer


