Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
569
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Vierte

dieſem kleinen Verweiſe davon gekommen zu ſein, ver⸗ ließ der Bediente das Zimmer. Einige Tage nach dieſem Vorfall fragte mich Goethe: ob es denn bei den vielen Weinbergen hier auch trinkbaren Wein gebe? Ich erwiderte, daß im vorigen Jahre die Ernte reichlich und gut ausgefallen ſei und in Dorn⸗ dorf ein Weinbergsbeſitzer wohne, welcher bereits einen guten Rothwein ausſchenke. Auf ſeinen Wunſch be ſorgte ich ſogleich eine Flaſche dieſer Sorte, welche ihm ſo wohl mundete, daß er dem Bedienten den Auftrag gab, jeden Tag eine Flaſche dieſes Weins zu beſorgen, die zum Frühſtück und Nachmittags fünf Uhr Abends ſpeiſte Goethe nicht zu einem Franzbrode getrunken wurde. Dies geſchah acht Tage, dann aber äußerte er gegen den Bedienten:Höre, Friedrich, der Wein ſchmeckt zwar ſehr lieblich, aber ich bekomme etwas Schärfe an mir; daran iſt dieſer junge Wein ſchuld. Ich muß alſo ausſetzen und mein Glas alten Moſelwein wieder trinken.

In der Regel verließ Goethe um 6 Uhr das Bett und genoß ſofort Kaffee. Schon um 7 Uhr be⸗ ſchied er ſeinen Secretär zu ſich und dictirte dieſem bis um 8, auch halb 9 Uhr. Darauf ging er auf den Terraſſen oder im Garten bis halb 10 Uhr ſpa⸗ zieren, nahm nun das Frühſtück ein und dictirte dar⸗ auf von Neuem oder begab ſich wieder in den Garten, wenn er nicht ſchon zeitig durch Fremdenbeſuch be⸗ hindert wurde. Um 11 Uhr ſtellte ſich dann in der Regel jeden Tag Beſuch ein, welcher bei ihm ſpeiſte. Die Tafel begann gewöhnlich um halb 2 Uhr und dauerte bis 4 Uhr. Dann reiſten die Fremden ſofort ab und Goethe begab ſich wieder in den Garten, blieb dort bis halb 6 Uhr, darauf ſtets eine Franzſemmel und trank die acht Tage ausgenom⸗ men, an welchen er den Dorndorfer Rothwein genoß ein Viertel Moſelwein. Von da blieb er auf ſeinem Zimmer oder ging bei ſchöner Witterung wieder⸗ holt einige Male im Garten auf und ab. Sitzend habe ich ihn dort nie angetroffen. Abends beſchäftigte er ſich mit dem Leſen eingegangener oder mit dem Unterſchreiben von ihm dictirtet Briefe. An Zei⸗ tungslectüre ſchien er wenig Gefallen zu finden. Um oder halb 10 Uhr ging er zu Bett. Da mir ge⸗ ſtattet war, zu jeder Zeit ſein Zimmer zu betreten, ohne angemeldet zu ſein, ſo iſt mir vergönnt geweſen, ihn auch hier beobachten zu können. Er legte ſich auf den Rücken, die Hände außerhalb der Bettdecke auf der Bruſt wie zum Gebet gefaltet, den Blick nach oben gerichtet. Früh waren die Hände noch in ihrer urſprünglichen Situation, ſein erſter Blick war nach oben gerichtet. Sein Schlaf mußte tief und ſüß ſein,

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Er lebte ſehr mäßig und nach einer beſtimmt vorgezeichneten Ordnung; daher kam es wohl auch, daß er ſich während ſeines Aufenthaltes in Dornburg nie unwohl fühlte. Im Genuſſe des Weins war er ſehr mäßig, denn bei der Mittagstafel wurden, außer einem guten Tiſchwein, ſelbſt bei acht bis vierzehn Gäſten höchſtens zwei Flaſchen Champagner getrunken. Vorzugsweiſe liebte er unter den Speiſen Compots aus Birnen, Kirſchen und Himbeeren. Außer dem von ihm ſelbſt bereiteten Salat aus Artiſchocken, die er nebſt feinem Provengeröl aus Frankfurt a. M. hatte kommen laſſen, genoß er keine Salate; auch Milchſpeiſen waren nicht nach ſeinem Geſchmack. Dieſe letzterwähnten Dinge ſind ſcheinbar ganz indifferente Kleinigkeiten, doch der bekannte Ausſpruch, daß an einem wirklich großen, der Nation theuren Manne nichts von ſeinen Eigenſchaften, Eigenheiten und Gewohnheiten bedeutungslos ſei, verdient auch hierbei Beherzigung. Gerade eine Perſönlichkeit wie Sckell, der nicht auf geiſtige Unterſuchungen und literariſche Analyſen eingehen konnte, that ſehr wohl, ſich nicht in den bekannten Bewunderungsphraſen zu verlieren, ſondern nur das in's Auge zu faſſen, was der klaren und ungeſchminkten Beobachtung ſeines Geiſtes angemeſſen war. Gerade hierzu eigneten ſich oft höhere Capacitäten nicht, und während wir an ihren Unterſuchungen in der ausgedehnten Goetheliteratur keinen Mangel, ſondern Ueberfluß haben, fehlt es ſehr an den Außzeichnungen realiſtiſcher Einzelheiten, die vom Bilde des äußeren Menſchen ein Ganzes recon⸗ ſtruiren helfen.

Abekens Buch liegt bereits in zweiter Auflage vor und hat ſeinen Werth und ſeine Berechtigung nicht blos durch die liebevolle Ausführung, ſondern ebenſowohl durch ſeine enge Begrenzung des be⸗ ſprochenen Zeitraumes. Der Verfaſſer ſagt ſelbſt, daß es gar nicht in ſeiner Tendenz gelegen, über Goethe's Leben Neues der Welt bieten zu wollen; auch könne ſein Buch nicht auf eine erſchöpfende Darſtellung des bezeichnenden Abſchnittes vom Jahre 1771 75 An⸗ ſpruch machen.

Beides beſtätigt ſich, doch unbeſchadet des Werkes, denn es kommt weder darauf an, Unbekanntes an Thatſachen und Vorfällen zu Tage zu foͤrdern, noch iſt es möglich, daß ein Einzelner zur Charakteriſtik eines ſo erhabenen Genius etwas Anderes, als er⸗ gänzende Fragmente beibringe. Es würde ein Goethe ebenbürtiger Geiſt dazu gehören, deſſen geiſtiges In⸗ dividuum und Walten in vollendeter Weiſe vor dem Leſer neu zu ſchaffen und lebendig zu machen.

Abekens ehrenwerthe Aufgabe beſtand in einem

denn das Lager zeigte keine Spuren von Unruhe.

ruhigen Zuſammenfaſſen und darſtellenden Betrachten

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