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Vierte Folge. 567
Gerlach hatte bereits eine Laterne angezündet und ſein Hauskäppchen aufgetzt.
„Kommt,“ drängte er,„ſattelt mein Pferd und reitet, ſo raſch das Roß laufen kann, nach Woiſelwitz.“
„Ich werde ihn begleiten,“ ſagte Anna, die Wankelmüthigkeit ihres Mannes fürchtend.
„Nein, nein,“ erwiderte der Jäger raſch, der den Zweck dieſer Begleitung durchſchaute und es mit ſeinem Stolze nicht vereinbaren konnte, von ſeinem Weibe ſo ſehr bevormundet zu werden.„Ich werde dieſen Weg gehen, ob das Ziel deſſelben auch Span⸗ dau oder das Hochgericht ſein mag. Du haſt mir die Augen geöffnet und gezeigt, wie ich handeln muß, das Weitere überlaß nun auch mir.“
Gerlach winkte der jungen Frau, zu ſchweigen und ſchritt den Beiden voran in den Stall.
Kappel ſattelte das Pferd, drückte einen Kuß auf die Lippen der Gattin und ſchwang ſich in den Sattel.
„Kommt mit hinein,“ wandte Gerlach ſich zu Anna, während der Jäger von dannen ſprengte, „in meinem Hauſe wollen wir die Rückkehr Eures Gatten erwarten.“
Kappel wagte nicht, ſich ſeinen Gedanken über die Folgen des Schrittes, den er zu thun im Begriff ſtand, hinzugeben. Er fühlte, daß er nur wider⸗
—=—ime ſeines Geniſſens gehorchte, die Annu wre,, uhatte; um jeden Preis mußte er den Sturm in ſeinem Innern beſchwichtigen, bis er mit dem Könige geſprochen hatte, erſt dann durfte er prüfen, erwägen und vielleicht das Geſchehene un⸗ geſchehen wünſchen.
Ein Reiterlied vor ſich hinpfeifend, jagte er durch die ſtürmiſche Winternacht dem Dorfe Woiſelwitz zu; mit ſchwer bedrücktem Herzen ſtieg er vor der Woh⸗ nung des Königs ab. Der Poſten fällte das Gewehr. „Werda!“ ſcholl's durch die Nacht dem Jaͤger ent— gegen.
Kappel ſtutzte.„Gut Freund!“ erwiderte er nach einer kurzen Pauſe.„Wichtige Botſchaft von dem Baron von Warkotſch an Seine Majeſtät.“
Der Soldat ließ ihn paſſiren, Kappel erſtieg raſch die Treppe, die zu den Gemächern des Monar⸗ chen führte. †
Als er in das Vorzimmer trat, in welchem ein Doppelpoſten ſtand, fiel ſein erſter Blick auf Maß⸗ mann, der, am Tiſche ſitzend, in einem großen Folian⸗ ten blätterte. 2
„Keine Ausflüchte, Maßmann!“ fiel Kappel haſtig
ihm in's Wort,„hier handelt es ſich nicht um Klei⸗
nigkeiten, der König ſelbſt iſt bedroht.“
Mit der Elaſticität eines Jünglings trat der Greis raſch dem Jäger näher.
„Rede Er leiſe,“ flüſterte er,„der König arbeitet noch im Cabinet.“
„So führt mich zu ihm,“ drängte Kappel,„die Minuten ſind koſtbar.“
Der Kammerdiener ſchritt unverzüglich in das Cabinet und kehrte gleich darauf zurück, den Jäger
bedeutend, er möge eintreten. .(Schluß folgt.)
Gedichte von Adolf Behlicke.
An den Sturm.
Raſ't, Winde! heulet, Sturmeskatarakte! Entwurzelt Felſen, ſtürzt im Wirbeltacte
Wie Spreu des Berges ſtolzes Haupt hinab; Zerknickt gleich dünnem Rohr des Waldes Eichen, Werft ſie zu Thal und deckt mit ihren Leichen Das weite öde Weltengrab!
Dahin iſt meines Lebens Stern geſchwunden,
Und ſchwarzes Dunkel hält mein Aug' umwunden; Wie gähnt's mich an ſo öd' und eiſeskalt!
Es zehrt an meinem Herzen grimmes Nagen,
Ich kann's nicht ſtillen, kann es nicht ertragen. Tagt nicht der letzte Morgen bald?
Ha! Endlich rüttelt es an meiner Hütte. Wie Glas zerbrich, zerſplittre ſie und ſchütte Die Scherben in den Weltenſturz hinab! Liſch' aus mein Licht, mein glühend Herz verblute, Und du, o qualerfüllte Seele, fluthe
In's weite öde Weltengrab!
Der letzte Strauß.
Cypreſſen band ich dir zum Strauß zuſammen,
O, weiſe nicht den letzten Gruß zutück! Rothblüh'nde Roſen dürfen nicht mehr flammen, Nicht Veilchen flehn um einen Liebesblick.
Ein ſolches Sträußchen müßt' ich ſelbſt verdammen,
Erſtaunt erhob der alte Mann ſich. „Was will Er hier?“ fragte er,„weiß Er nicht,
daß Mitternacht längſt verſtrichen iſt? Seine Majeſtät
ſind bereits zur Ruhe gegangen.“
Längſt welkte mir dahin des Lebens Glück. Ich fleh' zu dir: Nimm dieſe Trauergabe Als letztes Zeichen von des Freundes Grabe.
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