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Kaiſerin von Oeſterreich; heute hat dieſer, morgen jene zu befehlen.“
„Sehen wir ganz davon ab, daß es ein ent⸗ ſetzliches Verbrechen iſt, die frevelnde Hand an des Königs Majeſtät zu legen, faſſen wir einen andern Punct in's Auge. Welchen Lohn glaubſt Du zu ver⸗ dienen? Warkotſch mag Dir viel verſprochen haben, aber biſt Du von der Aufrichtigkeit ſeines Verſprechens überzeugt? Sobald die Sache gethan iſt, wird er Dich aus dem Dienſt jagen oder unter irgend einem Vor⸗ wand vor Gericht ſtellen; er ſelbſt iſt Richter, der Hof in Wien drückt ihm zu Liebe ein Auge zu und kein Hahn kräht danach, wenn Du eines Morgens zwiſchen Himmel und Erde ſchwebſt.“
„Tod und Hölle!“ brauſte „Er ſollte es wagen!“
„Er wird es wagen! Kannſt Du glauben, daß Winkel und Halbach den ihnen aufgebürdeten Mord begangen haben? Und doch ſitzen ſie im Kerker, und ich bin überzeugt, ſobald der Baron freie Hand hat, wird er ſie zum Tode verurtheilen, weil ſie ſchon längſt ihm ein Dorn im Auge ſind.“
Kappel ſchaute nachdenklich ſeiner Gattin, in deren Worten eine überzeugende Sicherheit lag, in's Auge. Er bewunderte den Scharfſinn dieſer Frau, die ſeine Pläne durchſchaut und die Folgen derſelben vorausgeſehen hatte, noch ehe er ſelbſt an dieſe dachte. Und daß dieſe Folgen nicht ausbleiben würden, bezweifelte er jetzt nicht mehr. Er war entſchloſſen, ſeiner Frau Alles mitzutheilen und ihren Rath zu befolgen.
„Und geſetzt, ich trüge den Brief in der Taſche, der über Leben und Freiheit des Königs entſcheidet, was würdeſt Du an meiner Stelle thun?“
Anna verbarg ihre Beſtürzung, um den Eindruck, den ihre Ruhe und Sicherheit auf Kappel gemacht hatten, nicht zu verwiſchen.
„Ich würde dieſen Brief nicht dem Curatus Schmidt, ſondern dem König ſelbſt bringen,“ ent⸗ gegnete ſie..
„Den Teufel auch!“ fuhr der Jäger auf.„Ebenſo gut könnteſt Du mir rathen, gerades Weges zum Galgen zu gehen, mir den Strick eigenhändig um den Hals zu werfen und die Leiter mit meinen eignen Füßen umzuſtoßen.“
„Keineswegs,“ fuhr Anna fort.„Der König wird Dir's Dank wiſſen, daß Du ihn aus dieſer Gefahr befreit haſt.“
Das heißt ſo lange, bis er durch den Baron erfährt, daß ich deſſen Mitſchuldiger bin. Vielleicht ſchenkt er mir das Leben, aber einige Jahre in Spandau—“
der Jäger auf.
Novellen⸗
Zeitung.
„Sind immerhin beſſer, als der Fluch, der auf dem Verräther an König und Vaterland ruht! Mathias, ich habe Dich ſtets lieb gehabt, aber heute Abend biſt Du mir beſonders theuer geworden, weil ich erkannte, daß Dein Herz edler Regungen fähig iſt. Ich habe mich freudig dem Gedanken hingegeben, daß unſer Verhältniß jetzt ſich inniger geſtalten werde. Soll dieſer Wunſch, den ich auch in Deinen Augen zu leſen glaubte, in Erfüllung gehen, ſo folge meinem Rathe, weiſe den böſen Dämon zurück und handle nach der Stimme Deines Gewiſſens.— Komm,“ fuhr Anna fort, indem ſie die Hand des Gatten ergriff,„wir wollen zum Paſtor Gerlach gehen, er iſt ein erfahrner, ſtudirter Mann, ſeinen Rath darfſt Du befolgen.“
Kappel wandte zögernd ein, er mache ſich eines Verraths an dem Baron ſchuldig, der ſein ganzes Vertrauen auf ihn ſetze, und zudem wiſſe er ja auch nicht, ob es etwas nützen werde, wenn man dem König die Pläne ſeiner Feinde entdecke, der Baron habe jedenfalls ſeine Vorkehrungen ſo gut getroffen, daß man ihm nichts anhaben könne.
Anna wußte dieſe Beſorgniſſe zu beſeitigen, und jetzt ließ Kappel willenlos Alles mit ſich geſchehen.—
Gerlach ſaß noch in ſeiner dumpfen Studirſtube, als die Beiden an die Thüre ſeines Hauſes pochten.
In dem Glauben, ein Kranker oder ein Hülfs⸗ bedürftiger verlange ſeinen Beiſtand, öffnete er.
In der Nähe des biederen, geachteten Pfarrers fühlte Kappel ſich wunderbar beruhigt, in bündiger Klarheit endeckte er dem Geiſtlichen den Plan des Barons mit allen Nebenumſtänden.
„Eure Frau hat Recht, hier gilt kein Aufſchub,“ ſagte der beſtürzte Pfarrer, nachdem er den Brief, den der Jäger ihm einhändigte, geleſen hatte;„noch in dieſer Minute müßt Ihr zum König gehen und ihm das Complot entdecken.“
„Und nicht wahr, der König wird meinen Mann nicht beſtrafen?“ fragte Anna beſorgt.
„Ich glaube nicht,“ fuhr der Parrer fort;„aber die Furcht vor der Strafe, welche Ihr verdient habt, darf Euch nicht zurückhalten, Kappel; dankt
Gott und Eurem Weibe, daß Euch zur rechten Stunde⸗
die Augen geöffnet wurden.“
Der Jäger, der ohnedies dem Geiſtlichen nicht freundlich geſinnt war, wollte, die Worte Gerlach's für eine ſalbungsvolle, mahnende Zurechtweiſung haltend, aufbrauſend eine grobe Antwort geben, aber ein Blick Anna's, die vermöge ihres bewieſenen Scharf⸗ ſinnes und überwiegenden Verſtandes eine unbeſchränkte Macht über ihn gewonnen hatte, drängte den Trotz zurück.
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