Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
554
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554 Novellen

taren Lehrmethode iſt das amerikaniſche Publicum als maßgebender Moderator vom Verfaſſer in's Auge gefaßt.

Wer ſich bereits mit der Culturgeſchichte ein wenig befreundet hat, wird auch als Laie am Draper'ſchen

Zeitung.

Werke eine feſſelnde Lectüre finden und vielleicht aus

den erzählten Facten mehr lernen, als aus den pathologiſchen, phyſiologiſchen und philoſophiſchen Raiſonnements.

Notre Dame de Thermidor. Par Arsène Houssaye. (Fortſetzung.)

Tallien, welcher der Freund und der Feind Napoleons, der lärmende Freund und der ſchweigſame Feind war, wurde, wie Buonaparte, im Jahr 1769 geboren und ſtarb faſt zu derſelben Zeit wie er.

Tallien lebte daher nur funfzig Jahre, aber wie viele Jahrhunderte ſind in dieſem halben Jahrhundert eingeſchloſſen! Ludwig XVI.; die Revolution; die rothe Schreckenszeit; die

weiße Schreckenszeit; das Directorium; das Conſulat; das

Kaiſerreich; Ludwig XVIII.; die hundert Tage; die Reſtau⸗ ration; wie viele merkwürdige Epochen, die in der Geſchichte den Platz eines ganzen Jahrhunderts einnehmen!

Die Herkunft Tallien's verliert ſich in der Nacht der Nächte; man hat geſagt, er ſei der Sohn des Haushofmeiſters des Marquis de Bercy; Andere ſagten, er ſei der Sohn des Marquis de Bercy ſelbſt. Er nannte ihn ſeinen Pathen; wie er nannte er ſich Jean Lambert, doch was verſchlägt das? Tallien war der Sohn der Revolution.

Der Marquis de Bercy brachte ſeinen Pathen in ein Collége, aber Tallien, der bereits ein Revolutionär war, ſchüttelte das Joch, als er kaum funfzehn Jahre alt war, ab. Er war ein lärmender Knabe, Spieler, Abenteurer, der ſchon mit den Philoſophen bekannt und in Empörung gegen Gott, gegen den König, gegen den Adel war.

Ein Körnchen Ehrgeiz keimte in ſeinem Herzen; er träumte von einem unvorhergeſehenen Glück; er glaubte weder an die Arbeit, noch an die Disciplin, noch an die Pflicht. Er bildete ſich ein, indem er das Collége fliehe, ent⸗ fliehe er ſeinen Lehrern und Gebietern; aber die Jugend verſucht das umſonſt, ſie findet bei jedem Schritte ihren Gebieter.

Der Marquis de Bercy hatte nicht im Sinne gehabt,

ſeinem Taufpathen die Exiſtenz eines Paſchas zu begründen;

ſie hatten eine ganz philoſophiſche Beſprechung miteinander,

nach welcher Tallien ſeinen Phantaſieen überlaſſen wurde. Er hatte ja noch einen andern Vater, der ihn für ſeinen Sohn hielt; ein braver Mann, der ſeine Kinder verzog; ſein kleines Vermögen erlaubte ihm aber nicht, dieſem ſchönen Müßig⸗ gänger eine Civilliſte auszuſetzen; er wurde ſogar unwillig, als er ihn ſo jung mit gekreuzten Armen daſtehen ſah, und drohete ihm ſogar mit ſeinem Fluch, ein theatraliſcher Zorn, über den damals ſchon das Volk ſpottete. Auch Tallien ant⸗

wortete ihm darauf ganz ruhig:Schweigen Sie doch, Vater;

das kommt in der Welt jetzt nicht mehr vor. △‿

Jeu lleton.

Die Mutter, welche das eigentliche Familienhaupt war, ſchritt ein, es wurde beſchloſſen, Tallien ſollte noch nicht emancipirt ſein; er ſollte in dem väterlichen Hauſe leben, aber in der Schreibſtube eines Procurators arbeiten, ohne indeſſen ſeine lateiniſchen und griechiſchen Bücher ganz zu ſchließen.

Damals ſchrieb man weniger, plauderte aber deſto mehr; es war noch die Zeit der Carnevale ohne Ende. Die Procuratoren bekleideten ſich umſonſt mit ihrer Amtstracht; ſie waren zu Hauſe nicht Herren.

Unſerm Tallien gefiel die Cameradſchaft der Schreiber viel beſſer als die ſeiner Mitſchüler im Collége. Die Lehr⸗ anſtalt war für ihn faſt ein Gefängniß geweſen, in der Schreibſtube herrſchte beinahe Freiheit. Iſt Paris für einen wißbegierigen Geiſt nicht ſchon ein ununterbrochenes⸗Schau⸗ ſpiel? Tallien erinnerte ſich gern ſeiner Leidenſchaft für das alte Paris von dem Labyrinthe des Stadthauſes bis an den Boulevard du Temple, wo Theater im Freien ſpielten; das alte Paris des Palais de Justice, das alte Paris der Quais, der Terrasse des Feuillants, der Place royale, ſo zu ſagen ſein Geburtsland.

Bildete er ſich bei dem Procurator für die Rednerbühne aus? Lernte er im Palais de Justice nicht die Kunſt zu reden, wohl aber die Kunſt, durch die gebieteriſche Geſte, durch die befehlende Stimme Gehör zu verſchaffen und ſich hören zu laſſen? Ich weiß es nicht.

Aber nach Verlauf eiger kurzen Zeit war ihm das Stempelpapier zuwider.

Da er nicht wußte, was er mit ſeinem Griechiſch und ſeinem Lateiniſch anfangen ſollte, ſo dachte er daran, bei dem claſſiſcheſten der Buchdrucker in Paris Schriftſetzer zu werden. Ueberdies hatte er bei Panckoucke einen Cameraden. Er bat denſelben um einen Schriftkaſten mit griechiſchen und lateini⸗ ſchen Lettern. Seine Mutter, welche viel Citelkeit beſaß, bemühte ſich umſonſt, ihn von dieſer Idee abzureden. Er hörte nicht auf die Wünſche ſeiner Mutter und machte ſich in der Buchdruckerei bald durch ſeine Faulheit und ſeine Ein⸗ ſicht bemerkbar.

Die Buchdruckerei iſt eine der beſten menſchlichen Schulen; auf allen dieſen denkenden Stirnen glänzt die Thätigkeit der Einſicht. Guttenberg ſagte: Es werde Licht! Und es wurde Licht. Man wird nirgend eine Verſammlung arbeitender Männer finden, welche unumſchränkter Menſch ſind; das WortBrüderlichkeit kann an der Thür der Setzerei eingeſchrieben werden. Sie ſprechen wenig, ſie denken viel; die großen Gedanken, die unter ihren Augen vorübergehen die ſie ſelbſt zuſammenſetzen, durch⸗ dringen ihren Geiſt und erheben ſie über die kleinlichen

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