Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
552
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wem aber das beſſere Loos gefallen, weiß nur Gott. Die Zukunft hat dieſen Zweifel gelöſt. Sokrates war das glücklichere Loos zu Theil geworden.

Nicht geringes Dunkel ſchwebt noch immer über

dem wahren Sachverhalte dieſes düſteren Vorfalles. Der Anklagepuncte waren drei: er verwirft die Göt⸗ ter des Vaterlandes, er führt neue ein, er verkehrt die Erziehung der Jugend. Mit vollem Rechte konnten ſeine Freunde ſagen, es ſei doch wunderbar, wie man ihn der Gottloſigkeit habe beſchuldigen können, ihn, deſſen Grundton im Leben Ehrfurcht vor Gott gewe⸗ ſen ſei Anerkennung nicht nur des göttlichen Da⸗ ſeins, ſondern auch der göttlichen Fürſorge.Nur ein Thor, pflegte er zu ſagen,mißt Erfolge im Leben menſchlicher Klugheit bei, und in Betreff der

Nothwendigkeit einer richtigen Jugenderziehung:Nur

die Weiſen ſind es, welche die Menſchen zu regieren vermögen. Man muß daher ſchließen, daß die An⸗ ſchuldigungen nur ſcheinbar oder erſonnen waren und daß unter ihnen etwas Wirkliches verborgen lag, was die Athenienſer mit der Verübung eines ſo großen Verbrechens ausſöhnen konnte.

Iſt in ſeinem Privatleben irgend eine Erklärung für dieſes Geheimniß zu finden? Unglücklicher Weiſe giebt es der Bruchſtücke, welche hierüber bis auf uns gekommen ſind, nur wenige. Die Forſchungen claſſi ſcher Kritik kann man kaum mit einem Fünkchen von Hoffnung zu Rathe ziehen, denn die claſſiſche Kritik hat ſich bislang in einem Zuſtande merkwürdiger Un⸗ ſchuld befunden, ſoweit die täglichen Angelegenheiten

des menſchlichen Lebens in Betracht kommen. Sie

betrachtet Athenienſer und Römer nicht als Männer und Frauen, wie wir ſelbſt, ſondern als Perſönlich⸗ keiten, wie ſie eine erdichtete Literatur uns darſtellt, deren Leben eine Ausnahme von den gewöhnlichen Geſetzen der menſchlichen Natur bildet, worin die überraſchendſten Auftritte und wunderbarſten Vorfälle kein Ende nehmen.

Wenn man den Fall nach Alltagsprincipien be⸗ trachtet, ſo kann man nicht umhin, zu bemerken, daß der Sokrates, wie er in unſerer Einbildung lebt, ein ſehr verſchiedener Mann von dem Sokrates ſeiner Zeitgenoſſen, der Athenienſer, iſt. als überirdiſcher Genius, welchem die größten Namen

des Alterthums die tiefſte Huldigung darbringen, ein

Märtyrer um Grundſätze willen, die, wenn die menſch⸗ liſche Geſellſchaft ihrer beraubt wäre, dem Leben jeglichen Werth rauben würden und um deren Ver⸗ theidigung willen zum Sterben berufen zu werden,

Uns erſcheint er

geziemende Weiſe benehmen. Es etwas Ungehöriges im Leben des Mannes ſein, wenn

Zeitung.

(senecken, grotesk, ja abſtoßend in ſeiner Erſcheinung, in den Sonderbarkeiten ſeines Ganges und ſeines Aeußeren vielfach die Art und Weiſe von Markt⸗ ſchreiern nachahmend. Die Betreibung eines ebrlichen Berufes vernachläſſigend, denn ſein Gewerbe ſcheint in dem eines Steinmetzen beſtanden zu baben, ver⸗ brachte er ſeine Zeit damit, ſich mit Jünglingen zu unterhalten, welche ſein ſinnliches Antlitz und ſeine ſatyrartige Erſcheinung um ihn zu ſammeln vermochte, indem er ſie von den Göttern ihres Vaterlandes ab⸗ wendig machte, während der dünne Schleier der Heu⸗ chelei, welchen er darüber warf, zu durchſcheinend war, um ſeinen abtrünnigen Glauben zu verbergen. In⸗ deſſen war er, wie die, welche mit ihm dienten, be⸗ zeugen, ein tapferer Soldat. Sorgen, mit denen ſich die meiſten Menſchen vor anderen beſchäftigen, ſcheint er ſich eben nicht gemacht zu haben, da er ſich nur wenig um den Unterhalt ſeiner Kinder und ſeines Weibes kümmerte.

Die gute Xantippe gehört allem Anſchein nach zu denjenigen Charakteren, welche von der Welt unbillig beurtheilt worden ſind. Sokrates heirathete ſie ihrer beſonderen Unterhaltungsgabe wegen, und obgleich er ſelbſt, allgemeinem Zeugniſſe zufolge, außer ordentliche Verdienſte in dieſer Beziehung beſaß, fand er doch zu ſeinem Schaden, nur leider zu ſpät, daß ihre Vortrefflichkeit in dieſer Beziehung ſo überwie gend war, daß er entſchieden den Kürzeren zog. Unter die beluſtigenden Beiſpiele, welche von ſeinen häus⸗ lichen Verlegenheiten erzählt werden, gehören die uldee von Einladungen, bei ihm zu Mittag zu ſpei⸗ ſen, wenn es im ganzen Hauſe nichts gab, womit er ſeine Gäͤſte hätte tractiren können, ein Verfahren, das allerdings für Tantippe's Gemüthsart eine harte Probe war, deren Sache unzweifelhaft von den Ma⸗ tronen aller Nationen in Schutz genommen werden wird. Es war nur Kränkung eines rechtlichen Wei⸗ bes über die Handlungen eines Mannes, der zu arglos war, ſeine häusliche Ehre zu bedenken. Auch wollte er ihren dringenden Bitten nicht nachgeben, von Den⸗ jenigen, an welche er ſeine Zeit verſchwendete, Geld anzunehmen, deſſen er doch zu Hauſe ſo ſehr benöthigt war. Nach ſeiner Verurtheilung nahm ſie ihre Kin⸗ der mit ſich nach dem Gefängniſſe, ward aber, wie er ſeinen Freunden erzählte, aus Befürchtung ihres tiefen

Jammers von ihm nicht vorgelaſſen. Bis zuletzt

ſehen wir ſte ſich auf eine dem Weibe und der Frau muß doch wohl

der hoͤchſte Ruhm iſt, den ein Menſch erlangen kann. die Mutter ſeiner Kinder Einſprache gegen ſeine Auf⸗

Ihnen war Sokrates weiter nichts, als ein müßiger Lungerer auf öffentlichen Plätzen und an den Stra⸗

führung erhebt und ihre Klagen von den Mitbürgern unterſtützt werden. Faßt man alle Umſtände in der

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