550 Novellen
koſten wird.“
Ein Schrei der Wuth und der Verzweiflung entrang ſich den Lippen des Gefangenen.
„Der Himmel wird nicht zugeben, daß die ruchloſe That Euch gelingt!“ rief er.„Nicht ich, Ihr werdet den Galgen zieren, das ganze Land wird Euern Namen mit Abſcheu nennen.“
„Ereifere Er ſich nicht,“ ſagte Warkotſch kalt, während er die Glocke zog,„der Himmel wird darüber nicht einſtürzen, und was Seine Galgen⸗Candidatur betrifft, Anſtellung Ihm ſchon ſo ſicher, wie der Potsdamer Wachtparade die Gefangenſchaft, wenn der König ſich auf dem Wege nach Wien befindet. So ſehr unzufrieden kann Er mit dem Tauſch nicht ſein, um ſo weniger, als Er ja doch nicht die geringſte Hoffnung hegen darf, je ſeine Liebſte heimzuführen.“
„Ich weiß, daß ſie Eure Tochter iſt,“ unterbrach Anton ihn,„aber das ſoll mich nicht abhalten, ihr treu zu bleiben.“
Der Baron ſtutzte.„Alſo auch das hat Er gehört?“ fragte er.„Ein Grund mehr für mich, Ihn bei Seite zu ſchaffen. Werft dieſen Menſchen in den Schloßkeller!“ fuhr er, ſich zu den eintretenden Dienern wendend, fort,„ich werde mitgehen, damit mein Befehl pünctlich vollzogen wird. Niemand, außer Kappel, darf ihm Nahrung bringen; wehe dem, der ſich unterſteht, ein Wort mit dieſem Verbrecher zu wechſeln!“—
Noch einmal machte Anton Angeſichts der ihm drohenden Gefahr mit der Kraft der Verzweiflung den Verſuch, die Bande, welche ſeine Arme feſſelten, gewaltſam zu löſen, aber Warkotſch hatte dieſen Ver— ſuch vorhergeſehen und ſeine Maßregeln danachgetroffen.
Die Diener, gewohnt, jeden Befehl ihres jäh⸗ zornigen Herrn augenblicklich und ſchweigend zu be⸗ folgen, hoben den Gefeſſelten empor und verließen mit ihm, von dem Baron begleitet, das Zimmer.
Als der Letztere nach einigen Minuten zurück⸗ kehrte, ſetzte er ſich in ſeinen Seſſel. Der Zwiſchen— fall war ihm unangenehm, er ließ ihn erkennen, daß er ohne Zögern und mit der größten Vorſicht zu Werke gehen mußte. Wenn Anton auch nur durch einen Zufall das Geheimniß entdeckt hatte, ſo durfte man doch annehmen, daß derſelbe Zufall einem Anderen daſſelbe verrathen konnte. Nach kurzem Nachdenken ergriff Warkotſch die Feder; er ſchrieb raſch einige Zeilen nieder, mit denen er Kappel zum Oberſten Wallis zu ſenden gedachte. In dieſem Briefe theilte er dem Grafen Wallis mit, daß er ſich entſchloſſen habe, ſchon in der Nacht vom 30. November den Handſtreich
„ZJeitung.
ſellſchaft leiſten, den die Ermordung Ritters den Hals
auszuführen,„da es möglich ſei, daß der Vogel am erſten December ausfliege und man alsdann das Neſt leer finde.“ Die Gründe, welche ihn bewogen, raſcher vorzugehen, theilte er dem Oberſten nicht mit, weil er, und zwar mit Recht, befürchtete, Wallis könne Bedenken hegen, wenn er erfuhr, daß bereits ein Unberufener das Gebeimniß entdeckt hatte.
Er faltete den Brief, ſteckte ihn in die Taſche und Thüre, um ſeinen Jäger, der im Dorfe wohnte, un⸗ verzüglich abzuſchicken.
ſo iſt die feſte, oder vielmehr ſchwebende
Der Leibjäger ſuchte, als er von dem langen Ritt ermüdet in ſeine Wohnung zurückgekehrt war, ſofort ſein Lager auf, fand aber den erſehnten Schlaf nicht. Sein ganzes Nervenſyſtem befand ſich ſowohl durch die Erſchöpfung wie durch einige im Laufe des Tages ſtattgefundene Auftritte mit dem Baron in einer Aufregung, welche den Schlaf fern hielt; er erhob ſich nach einer Stunde wieder, um ſeine Geliebte in Siebenhuben zu beſuchen.
Ohne ſeine Frau, welche im Wohnzimmer beim Abendbrod ſaß, eines Wortes zu würdigen, verließ er das Haus. Kappel hatte ſich an dem Verrathe des Barons betheiligt, weil es ihn ſchmeichelte, der Ver⸗ traute eines Edelmannes zu ſein und weil er nur in der Rückkehr der Oeſterreicher die Möglich Eheſcheidung für ſich ſah; er haßte ſeine Frau, er für dieſen Haß einen triftigen Grund nicht auführen konnte.
Je näher der Zeitpunct der Ausführung des beabſichtigten Hochverraths rückte, je tiefer Kappel in die Seele ſeines Herrn blickte, deſto mehr lernte er ihn verachten, und dieſe Verachtung erhöhte den Haß, den die rohe, rückſichtsloſe Behandlung, welche der Baron ihm angedeihen ließ, in ihm weckte und nährte. Das Vertrauen ſeines Herru machte ihn trotzig und dieſer Trotz führte oft zu Auftritten, die in der Regel mit einem Peitſchenhieb oder einem Fußtritt endeten. Derartige Auftritte hatten auch heute ſtattgefunden und den Jäger bewogen, an dem Baron Rache zu nehmen, ſobald eine Gelegenheit dazu ſich fand.
Die Pläne, welche dieſer Entſchluß hervorrief, beſchäftigten die Seele des jungen Mannes, während er raſch durch die dunkle, regneriſche Winternacht der Wohnung ſeiner Geliebten zuſchritt.
Vor ihr angekommen, blieb er beſtürzt ſtehen,— täuſchte ihn ſein Ohr nicht, ſo vernahm er drinnen
die ihm wohlbekannte Stimme ſeines Herrn. Er ſchlich au's Feuſter, hell loderte der Haß in ſeiner Seele auf. Er hatte dieſes Mädchen glühend
verließ das Schloß wieder durch die geheime
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Herr!
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