Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
542
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Novellen

hauſen; aber ich war noch eine Stunde davon entfernt, als mich der hereinbrechende Abend zwang, in einer Dorfherberge zu übernachten. Meine Schlafſtelle wurde mir in einem weiten Saale mit vielen Betten angewieſen. Ich nahm Platz, war jedoch kaum eingeſchlafen, als eine Anzahl Fuhrleute ſich als Schlafgeſellen ankündigten. Schon hatten Alle bis auf Einen Platz gefunden; dieſer Letztere muſterte ſämmtliche Schlafſtätten, fand aber, daß überall bereits zwei Mann Platz genommen hatten. Nur neben nür lag noch Niemand, denn ich hatte in einer Art von Ahnung ein einſchläfriges Bett gewählt. Aber leider ward das Unheil dadurch nur um ſo ärger, der erwähnte Cölibataire trat mit der Leuchte an mein Lager.Aha! rief er aus,hier liegt erſcht Einer, es ſcheint ein reinlicher Menſch zu ſein! Die Aeußerung war mir noch ein Troſt, ich konnte aus ihr ſchließen, daß mein Schlafkamerad dieſe Eigenſchaft beſäße. Er ſchwang ſich zu mir und rief:Rückle Er en bitzele witerſch! wobei er mir einen ſanften Schub gab, der mich ſofort auf die harte Kante der Bettſtelle dicht an die Wand placirte. Das war eine angenehme Nacht!

Am nächſten Morgen beſuchte ich vor Allem den be⸗ rühmten Rheinfall und zog ſodann ohne Aufenthalt durch Schaffhauſen. Eben hatte ich den deutſchen Boden wieder erreicht, als ein munterer Handwerksburſche, ſein Felleiſen auf vem Rücken, mit Knotenſtock und wachsleinenem Hut⸗ überzuge, ſich zu mir geſellte. Die nächſtfolgenden Fragen und Antworten waren bald ausgetauſcht, und ich erſah dar⸗

aus, daß mein Gefährte auf dieſelbe geniale Weiſe wanderte, wie ich. Er verſtand dieſelbe jedoch beſſer und ſo ſprachen wir vorerſt fleißig in Klöſtern ein. Wir läuteten bald da, bald dort, worauf denn immer ein frommer Bruder erſchien, der einen Krug Bier, ein Stück Brod, wohl auch eine Suppe

Fechten. Mein Begleiter gab Plan und Anweiſung.Jetzt

helf gebrummt, nur aber Acht gegeben, daß kein Gensd'arm uns erwiſcht! jeden halben Kreuzer, jede Kartoffel mit Dank empfangen! Geſagt, gethan. Ich wunderte mich nicht wenig über die Größe der Sammlung. Es waren allerlei Victualien mit eingegangen, die mein Gefährte in der Küche des Wirthshauſes zu braten von den hübſchen Schwaben⸗ maidle's, mit denen er artig zu ſchäkern verſtand, die Er⸗ laubniß erhielt.

Es dauerte ſo acht Tage, bis wir über Hechingen nach Tübingen gelangten.Victoria! rief ich plötzlich aus. Am Pfeiler des Thores klebte ein Comödienzettel, die Geſellſchaft

Ich nahm Abſchied von meinem Gefährten. Bald hatte ich die große Breterbude vor dem Thore, dem Gaſthof zur Traube gegenüber, gefunden, in der ich heute nach langer Zeit wieder eine Comödie ſehen ſollte. Die munteren Kunſtgenoſſen fand ich im Garten der Wirthshauſes, Kegel ſchiebend und Bier trinkend. Sie machten gute Bekanntſchaft mit mir und ſpendeten von ihrem Ueberfluß. Abends präſentirte ich mich dem Herrn Director, auf der Bühne; fand aber kein Engage⸗ ment. Ich folgte dem Beiſpiele des bekannten Schauſpielers

auf einen Director, der eben Theaterprobe hielt, gravitätiſch zuſchritt.Was wollen Sie, mein Herr? rief ihm dieſer

reichte. Wir ließen uns wohl dabei ſein, und marſchirten mit großer Muße; als wir jedoch weiter ins Württembergiſche kamen, hörten die Klöſter auf und nun mußte eine unbe⸗ quemere Manier verſucht werden. Wir legten uns aufs

fangen Sie, ſprach er,an dieſem Ende des Dorfes an, . ich an jenem. Kein Haus vorübergegangen! Ueber kein Gott

des Hern Badewitz kündigte auf heute die Kleinſtädter an.

Reizenſtein, eines genialen theatraliſchen Reiſenden, der einſt

ZJeitung.

entgegen. Reizenſtein antwortete im Geiſt des Kapuziners in den Räubern:Ein Wort an Dich, zwei an die Bande: Engagement!Kann nicht ſein! Raſch drehte der Beſcheidene ſich zu den Schauſpielern und rief:Macht Collecte! 8

Ein ähnliches Geſpräch führte ich jetzt, nur minder be⸗ ſtimmten Tones, mit Herrn Badewitz und ſeinen Schauſpielern.

Dem zweiten Verlangen ward entſprochen und mir der Rath

ertheilt, Herrn Eiſenhut aufzuſuchen, der in Geſellſchaft einer

Madame Carlsberg in den kleinen württembergiſchen Städten

zur Zeit Vorſtellungen gab und den dritten Mann ſuchte. Ich machte mch am andern Tage auf den Weg; da aber Herr Eiſenhut an jedem Orte nur eine, höchſtens zwei Vor⸗ ſtellungen gab, ſo dauerte es lange, bis ich ihn endlich in Calw auffand. Ich ward aufgenommen, und da die Truppe jetzt aus drei Perſonen beſtand, ſo gewann das Repertoir ſofort an Umfang. Man konnte ſich von derBeichte und dem Talisman bis zumRäthſel und demhäuslichen Zwiſt erheben, ja wir ſtreiften ſogar an die Oper. Madame Carlsberg hatte entdeckt, daß ich ein Geſangstalent beſitze, und ſo wurdenDie beiden Billeks mit muſikaliſchen Ein⸗ lagen verſehen; Görge und Roſe ſangen gar lieblich ohne Orcheſterbegleitung das Duett ausRochus Pumpernickel: Ich widme Dir mein ganzes Leben! Dergleichen war in Calw noch nicht erhört, männiglich war daher entzückt, und

der Zuſpruch, nach Verhältniß, unerhört. Mit ſo reichen

Mitteln wanderten wir nun von Ort zu Ort, ein Einſpänner, von dem Director wacker gelenkt, zog den Theaterapparat

und die ganze Geſellſchaft. Oft noch am Tage der Ankunft

ſchlugen wir unſer Theater auf, und ſpielten auf ebener Erde, ohne Souffleur, oft ohne Buch, ganze Stücke, halb aus dem Gedächtniß, halb extempore darſtellend.

So waren wir eines Tages eben in ein Oertchen an der großen Straße gelangt, als königliche Vorreiter daher ſprengten und ankündigten, ſeine württembergiſche Majeſtät würde in einer Stunde durchreiſen. König Friedrich liebte es, nach ſo kurzer Vormeldung ſeine Beamten zu Zeiten zu überraſchen, die bei dieſer Gelegenheit oft ein ſcharfes Examen zu beſtehen hatten. Er liebte aber auch das Theater un⸗ gemein und ſoll auf dieſen improviſirten Fahrten oft die kleinſten Geſellſchaften mit ſeiner Gegenwart beehrt haben. Ein großer Gedanke ſtieg daher auf in der Seele meines Directors. Pünctlich zur bemerkten Stunde hielt der König in einer offenen Kaleſche am Poſthauſe, und zitternd trat ihm der Bürgermeiſter des Städtchens entgegen. Der wohl⸗ beleibte Herr that einige Fragen, während umgeſpannt wurde, und ſobald der Bürgermeiſter zurück trat, ſtürzte Eiſenhut im Frack, einen Claque⸗Hut unterm Arm, an den Wagenſchlag und machte kühnlich ſeine Einleitung zur heutigen Opera. Die Pferde mußten bereits im Anziehen geweſen ſein, denn ehe die königliche Antwort erfolgte, rollte der Wagen dahin und mit ihm die Glücksgöttin, die mein Director ſo gelegen beim Schopfe zu erfaſſen gedacht. Aber ſeine Hoffnung betrog ihn doch nicht ganz, denn ein Reiter brachte etwa nach einer Stunde ein anſehnliches Geſchenk und ſprengte wieder Zurück.

Ungeachtet ich mich bisher dem Unternehmen ſehr nützlich erwieſen, wendete ſich doch die Gunſt der Madame Carlsberg von mir ab(die Dame ließ ſich nämlich gern die Cour machen b und reüchte die Hand willig zum Kuſſe; dergleichen verſtand ich nun aber ſehr ſchlecht und mußte daher viele Vorwürfe

über meine Plumpheit erdulden). So waren wir nach (Neuenbirk im Schwarzwalde gekommen, Madame Carlsberg

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