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jede Regierung ihren Geſchmack und ihr Intereſſe für die Hauptſtadt durch neue Anlagen, neue Bosquets, Fontainen und Baluſtraden bethätigt. Auch iſt der Gebrauch öffentlicher Spaziergänge, wie er von den Vorvätern, den Mauren und Spaniern, nach den Colonien verpflanzt wurde, für den Südländer ein um ſo dringenderes Bedürfniß, als ſie weit weniger, wie die Bewohner des Nordens, den Freuden einer reichen Tafel oder der Annehnlichkeit einer comfor⸗ tablen Häuslichkeit huldigen. Das kleinſte Land⸗ ſtädtchen hat daher, ſo gut wie Madrid, Mexiko und Lima, ſeine Alameda, um vor oder nach der Hitze des Tages die herrliche Luft des bevorzugten Klimas zu genießen.
Die Alameda Mexiko's bildet inmitten der Stadt
ein großes Rechteck von 540 Varas Länge und 260 Varas Breite, mit vier Thoren an den Ecken und
zweien, die in den Langſeiten des Parallelogramms
nach Vera⸗Cruz und Corpus Chriſti ſehen. Mitte befindet ſich eine Hauptfontaine; außer ihr
giebt es noch vier andere in gleicher Entfernung von
der Mitte und den Thoren, denen gegenüber je vier Terraſſen mit Sitzen und hübſchen Geländern ange⸗ bracht ſind. Von dieſen aus durchſchneiden vier große, mit Gittern eingefaßte Alleen den ganzen Raum, und vierundzwanzig ſich kreuzende Diagonalwege bilden ebenſo viele Dreiecke, die von hundertjährigen Eſchen, Pappeln und Weiden beſchattet werden, während rundum die mit Statuen des Herkules, Triton, Arion und Ganymedes geſchmückten Fontainen, Roſenbos⸗ quets und üppige Tropengewächſe mit ihren in glü⸗ henden Farben prangenden Blüthen das Auge feſſeln und ergötzen.,
An freundlichen Tagen iſt die Alameda ſtets ſehr belebt; bietet ſie ja doch faſt die einzige Gelegenheit, die Damenwelt zu muſtern! Leider bin ich gezwungen, einzugeſtehen, daß die Vorſtellungen, welche ich mir von der Schönheit der Frauen des tropiſchen Amerika gemacht hatte, von der Wirklichkeit weit abwichen, und um der Wahrheit treu zu bleiben, muß ich einen guten Theil weitverbreiteter Illuſionen zerſtören!
„Feurige, liebeſchmachtende Frauen der Tropen, deren Gazellenaugen ſelbſt dem ruhigſten Manne Leiden⸗ ſchaft einflößen! In poetiſcher Muße ſchaukeln ſie den elaſtiſchen Körper in zierlich geflochtener Hänge⸗ matte; üppig fällt das weiche, ſchwarze Haar auf den runden Nacken! Von Zeit zu Zeit öffnen ſich die Korallenlippen, zwei Reihen niedlicher Perlen zu zeigen und den feinen Rauch der Cigaritta mit den balſamiſchen Düften der Veranda zu vermählen!“
So oder ähnlich ſind die ſchmeichelnden Bilder, welche die Romane unſerer leichtgläubigen Phantaſie
Novellen⸗ZJeitung.
vormalen; aber wie verſchieden iſt davon die Wirk⸗ lichkeit! Nüchtern und ehrlich geſprochen, kann man durchgehends die Mexikanerinnen nicht ſchön nennen. Wohl haben ſie ſchwarze, brennende, herausfordernde Augen; allein bei näherem Umgang findet man, daß der Geiſt fehlt, um deren Feuer wirkſam zu unter⸗ halten. Kleine, graziöſe Hände und Füße, das nationale Erbtheil ihrer mauriſchen und ſpaniſchen Ahnen, zeichnen ſie vortheilhaft aus; aber die Geſichtszüge ſind bei Frauen und Mädchen durchſchnittlich unſchön, und wenn auch die höheren Stände leidlichere und manchmal angenehme Züge zeigen, ſo konnte ich doch unter Hunderten von Frauenzimmern, welche ich täg⸗ lich auf den Märkten von Mexiko ſah, kaum ein ein⸗ ziges wirklich ſchönes Mädchen entdecken. Die leid⸗ lich Hübſchen aber verdarben den günſtigen Eindruck durch den Rebozo, das lange, ſchmale Tuch, welches, wie der Schleier im Orient, faſt die Hälfte des Ge⸗
In der ſichts verhüllt.
Was aber noch weit mehr dazu beiträgt, an ſich gefällige Züge und Formen in der Maſſe des Ge⸗ wöhnlichen verſchwinden zu laſſen, ſind die ſchlecht⸗ gekämmten Haare, der Schmutz und das Unkleidſame des Anzugs. Im Hauſe iſt dieſer ſtets ein ſpärliches Näégligé, welches von obenher durch den nie fehlenden Rebozo verhüllt wird; die Füßchen ſtecken in kleinen, ſeidenen Pantoffeln; Strümpfe vermißt der Fremde und manchmal nicht ungern. Auf der Straße dagegen trägt die ächte Mexikanerin als Kopfbedeckung einen ſeidenen, über's Eck zuſammengelegten Shawl, der im höchſten Grade unkleidſam iſt. Nur an Feſttagen erſetzt ihn die reizende Mantille aus ſchwarzen Spitzen; am Abend auf dem Paſeo und im Wagen überhaupt hat der franzöſiſche Hut ein nicht mehr beſtrittenes Recht ſich angemaßt. Nur die Indianerinnen und wenige Frauenzimmer der niederſten Claſſe aus der weißen Bevölkerung gehen in Hemd und Unterrock, das Geſicht unverhüllt und den Kopf mit einem kleinen Stroh⸗ oder Filzhut bedeckt, einher.
Dieſe Einzelheiten beweiſen das lebendige Er⸗ zaͤhlertalent und den offenen Blick eines vielgeübten Reiſenden. Uebrigens klagt derſelbe ſehr über die ſchlechte Forſtverwaldung oder ſagen wir lieber über die muthwillige Entwaldung der mexikaniſchen Pro⸗ vinzen, die dem heißen Sonnenbrande ausgeſetzt ſind und durchaus jene Ueppigkeit und Geſundheit des Klimas vermiſſen laſſen, von welchen man in alt⸗ ſpaniſchen Zeiten entzückt war. Es geht wie in Spa⸗ nien und Griechenland: hat man dem Boden erſt den Waldwuchs genommen, ſo entführen Sturm und Regen auch die Humusſchicht und keine menſchliche Macht iſt je wieder im Stande, das alte dürre Felſen
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