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„Gott gebe, daß Ihr Euch irrt,“ nahm ſie nach langer Pauſe das Wort;„aber geſetzt auch, Ihr redet die Wahrheit, weshalb ſoll das Vermögen mei⸗ nes Gatten auf dem Spiele ſtehen?“
„Der Baron thut nichts ohne Intereſſe,“ ent⸗ gegnete die Alte ruhig;„ich bin überzeugt, daß ſein Uebertritt zur katholiſchen Kirche nicht aus innerer Ueberzeugung, ſondern aus einem andern, mir bis jetzt noch unbekannten Grunde geſchieht. Man ſagt, der Curatus Schmidt ſtehe mit dem öſterreichiſchen Oberſten, Grafen Wallis, in lebhaftem Verkehr.“—
„Wer ſagt das?“ fiel die Baronin ihr raſch in's Wort. des Hochverraths zu verdächtigen?“
„Ich kann nur berichten, was ich gehört habe,“ fuhr die Bettlerin achſelzuckend fort,„meine Sache iſt es nicht, zu prüfen, ob jene Gerüchte wahr oder er⸗ dichtet ſind.“—
Die Stutzuhr auf dem Caminſims ſchlug zwei, die Baronin erhob ſich.„Brechen wir ab,“ ſagte ſie. „Ich werde Gelegenheit ſuchen und finden, mit meinem Gatten ein offenes Wort zu reden; ſtehen die Sachen ſo, wie Ihr behauptet, dann weiß ich, was ich zu thun habe. Nehmt dies,“ fuhr ſie fort, indem ſie ihre Börſe der Bettlerin überreichte,„was ich thun kann, um Euch zu Eurem Rechte zu helfen, das ſoll geſchehen.“—
Als die Beiden das Gemach verlaſſen hatten, öffnete Maria raſch den Schrank.
Anton hatte jedes Wort der Unterhaltung ver⸗ nommen; die Behauptung der Bettlerin, Warkotſch unterhalte mit dem Curatus und dieſer mit dem Oberſten Wallis lebhaften Verkehr, mußte ſeinen Ver⸗ dacht beſtärken. Die Anſicht, daß der Baron zur katholiſchen Kirche übertreten wolle,z, erſchien ihm zu haltlos, als daß er ſie einer näheren Erwägung unter⸗ zog. Er theilte dies Alles ſeiner Geliebten mit und erklärte, dem Könige ſofort Anzeige machen zu wollen.
Aber Maria proteſtirte energiſch gegen den Ent⸗ ſchluß, ſie fühlte, daß ſie jetzt, nachdem ſie wußte, daß der Baron ihr rechtmäßiger Vater war, nicht die Hand dazu bieten durfte, ihn dem Kriegsgericht zu überliefern. War das Leben des Königs wirklich bedroht, ſo mußte man durch eindringliche Warnungen ihn veranlaſſen, Maßregeln zu treffen, welche dem Verräther die Aus⸗ führung ſeiner Pläne unmöglich machten. Das er⸗ klärte ſie dem Geliebten und Anton mußte zugeben, daß Maria nicht anders handeln konnte. Da aber weder er, noch Maria die Gewißheit beſaß, ob ihr Verdacht begründet ſei, ſo beſchloſſen die Beiden, den Baron zu beobachten und erſt dann den Monarchen zu warnen, wenn die Gefahr wirklich ihn bedrohte.
„Wer wagt es, den Baron von Warkotſch
Feitung.
Bezüglich ihrer eigenen Angelegenheit wollte Maria zuvor den Rath der Baronin hören und vor Allem die gänzliche Beſeitigung der dem Könige drohenden Gefahr abwarten, ehe ſie einen entſchei⸗ denden Schritt that. An das Cabinet des Barons ſtieß ein kleiner Alkoven, der, von dem Corridor durch eine ſtets geſchloſſene Thüre getrennt, zur Aufbewah⸗ rung alter Acten und Bücher benutzt wurde. Dieſer Raum ſtand durch ein kleines Fenſter mit dem Cabinet in Verbindung und eignete ſich alſo vortrefflich zur Beobachtung deſſen, was in dem letzteren vorfiel.
Maria beſaß zwar nicht den Schlüſſel zu der be⸗ treffenden Thüre, doch wußte ſie, daß der ihres Schlaf⸗ zimmers jene öffnete,— hatte ſie doch ſelbſt mit Bewil⸗ ligung der Baronin dieſes Verſteck benutzt, um eine Unterredung ihres Pflegevaters mit dem Baron zu belauſchen.
Anton beſchloß, in jenem Alkoven bis zum Abend des kommenden Tages zu weilen und falls er während dieſer Zeit nichts Verdächtiges bemerkte, ſich in der darauf folgenden Nacht in die Wohnung des Curatus zu ſchleichen, um dort ſeine Nachforſchungen fortzu⸗ ſetzen.
Der Baron von Warkotſch hatte ſich am nächſten Morgen kaum von ſeinem Lager erhoben, als ein Bote des Königs mit einem Briefe an ihn eintraf, worin der Monarch ihn erſuchte, ſofort nach Woiſelwitz zu kommen, da der Markgraf Karl von Preußen in Ge⸗ ſellſchaft des Barons die Umgegend recognosciren wolle..
Warkotſch, der heute die Antwort des Oberſten Wallis auf ſeine Bedingungen erwartete, wollte An⸗ fangs den Befehl des Königs nicht befolgen, aber einſehend, daß er nicht wagen durfte, dem Willen des Monarchen ſo ſchroff entgegenzutreten, und be⸗ fürchtend, der Markgraf werde in dieſem Falle mit einer zahlreichen Begleitung ſelbſt nach Schönbrunn kommen, ließ er ſeinen Unmuth über die höchſt unan⸗ genehme und nicht zu umgehende Einladung an Kappel aus, der ebenfalls an dieſem Morgen ſich nicht bei guter Laune befand.
„Hol's der Teufel!“ rief er unwirſch, indem er das königliche Handſchreiben auf den Tiſch warf. „Trifft der Adjutant des Grafen Wallis mich nicht zu Hauſe, ſo zieht er unverrichteter Sache wieder ab und unſere Angelegenbeit erleidet einen Aufſchub, der den ganzen Plan vereiteln kann. Reite ich nicht nach Woiſelwitz, ſo iſt Zehn gegen Eins zu wetten, daß der Markgraf ſicher kommt.“
„Das muß vor Allem vermieden werden,“ ſagte der Jäger;„ſeit einiger Zeit ſchleicht hier ſo viel ver⸗
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