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verſchiedene andere bibliſche Gegenſtände. Die ſehr zahlreichen Figuren ſind von natürlicher Größe. Die todte Jungfrau hat den Charakter einer idealen Schön⸗ heit, ohne an die griechiſche Schönheit oder an die geiſtige Schönheit des Mittelalters zu erinnern. Vor dieſer erhabenen Figur denkt man weder an die heid⸗ niſche Venus, noch an die gothiſchen Heiligen, noch an die Madonnen Raphaels, noch überhaupt an irgend einen überlieferten Typus. Dieſe Todte lebt bereits in einer andern Welt, wie die himmliſche Heiterkeit ihres Geſichts verräth. Sie iſt die menſchliche Schön⸗ heit mit einem Strahl des Himmels, die ewige Selig— keit einer vollendeten Form, und eine innigere Ver⸗ bindung des religiöſen Ideals mit der irdiſchen Wirk⸗ lichkeit läßt ſich nicht denken.
Zu Anfang des 16. Jahrhunderts verbreiteten die Schmelzarbeiter von Limoges einen neuen Glanz um ihre Stadt. Die vier Penicauds waren ausge⸗ zeichnete Künſtler, von denen man Schmelzarbeiten beſitzt, die ſowohl in der Zeichnung als in der Com— poſition bewunderungswürdig ſind. Nebeu ihnen lebten
fünf andere Künſtler, die ein beſonderes Studium ver⸗
dienen. 1540 kam Benvenuto Cellini nach Paris. Der berühmte Florentiner hat ſeinen Aufenthalt am Hofe Franz I. in ſeinen Denkwürdigkeiten geiſtreich erzählt. aus, Rüſtungen, Waffen, Schmuckſachen, Leuchter, Schüſſeln und ſonſtige Gegenſtände des alltäglichen Ge⸗ brauchs. Bereits hatte Frankreich aber große Künſtler aller Art. Im Muſeum von Cluny kann man das ritterliche und religiöſe Mittelalter, die Wiedergeburt und die dazwiſchen liegende Uebergangszeit ſtudiren. Dieſe ciſelirten Waffen, dieſe byzantiniſchen Schreine, dießr geſchnitzten Meubeln, dieſe Schinolzarbeilen, dieſe Tapeten mit hiſtoriſchen Darſtellungen, die eines Ra⸗ phaels und eines Holbeins würdig wären, dieſe Glas⸗ malereien und prächtigen Geſchirre beweiſen, daß Frank⸗ reich Italiens nicht bedurfte und daß ſeine Schulen des 15. eines Seſſels, in die eingelegte Arbeit eines Geld⸗ ſchranks, in die Umriſſe einer Vaſe und zierungen eines Dolches ebenſo viel Geſchmack und Poeſie legten, als die beſten Maler in ihren Schöpfun— gen verrathen. Der König hatte inzwiſchen italieniſche Maler an ſeinen Hof berufen. Leonardo Vinci, der 1515 nach Paris kam, war vom Alter gebrochen und malte nicht ein einziges Gemälde. Andrea del Sarto, der zwei Jahre ſpäter erſchien, entfernte ſich faſt augen⸗ blicklich wieder und hatte keinen ufluß. Später ſchienen die mittelmäßigſten dateafh Künſtler die Aufgabe bekommen zu haben, den franzöſiſchen Ge⸗
die Ver⸗
Er führte für den König alles Mögliche
und 16. Jahrhunderts in die Rückenlehne
Erfaſſung des Gegenſtandes D
ſchmack zu verderben. Während dieſer Zeit vollendeten die einheimiſchen Künſtler in den Provinzen Meiſter⸗ werke, die gegenwärtig größtentheils mit den Namen ihrer Urheber untergegangen ſind. Von Zeit zu Zeit entdeckt man einige Ueberbleibſel dieſer Kunſt, von der man lange nicht wußte, wie weit vorgeſchritten ſie geweſen ſei. So fand man 1850 bei der Reſtau⸗ ration des Domes von Puy in der Sacriſtei ein prächtiges Frescobild aus dem 16. Jahrhundert, das länger als zwei Jaorhunderte unter Kalk verborgen geweſen iſt.
Wir gelangen zum Jaͤhre 1515. Franz I. ſteigt auf den Thron. Dieſer Monarch mit ſeiner hohen Geſtalt, ſeinem kühnen ünd ſinnlichen Charakter, ſeiner ſoldatiſchen Lebensluſt, ſeinem Leichtſinn war ganz der Mann dazu, die Reform, die materialiſtiſche Reaction
beſchleunigen. Jetzt wird jede ſchöne Frau, mag ſie nun eine Geliebte des Königs ſein oder nicht, als Venus oder Diana auf Leinwand, Kupfer, Schmelz oder Glas, in Bronze und Marmor dargeſtellt. Es iſt eine Sündfluth nackter und wollüſtiger Weiber. Die Form der Frau iſt die ſchönſte göttliche Schöpfung und der höchſte Ausdruck der Schönheit. Wer iſt in der Schöpfungsgeſchichte die rme die erſt am Ende des ſechſten Tages erſcheint? Die Beige ſtehen da, die Bäume und Blumen blühen, auf der Erde, im Waſſer, in der Luft wimmelt es von Weſen. Aber der Menſch ſteht einſam da und blickt unruhig und traurig um ſich her. Das Leben iſt nicht vollſtändig, das göttliche Ideal ſinnt noch auf ſein Meiſterwerk. Aus dem Herzen des Menſchen, der bereits nach dem Bilde Gottes geſchaffen iſt, ſpringt die Frau, die vollkommene Schönheit, nach der Jehovah weiter nichts zu thun hat, als in Ewigkeit zu ruhen. Man muß ſehen, wie der weiße Marmor der franzöſiſchen Wieder⸗ geburt die reinen und leuchtenden Formen der Frau darſtellt.
Mit Abſicht habe ich dieſe letzte redneriſche Figur, mit der ich die Probe dieſes Ueberblickes hier abbreche, noch angeführt, um dadurch die Darſtellungsmanier echt franzöſiſcher Schreibweiſe thatſächlich zu charak⸗ teriſiren. Uebrigens läßt ſich friſche und intereſſante Deleutre nicht abſprechen und nicht unweſentlich iſt jedenfalls das Verdienſt, welches ſeiner Würdigung der altfranzöſiſchen Schmelz⸗
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kunſt, die nie wieder erreicht worden iſt, zugeſprochen werden darf. Es giebt kein Land, als nur Frankreich ſelbſt, in welchem die verſchiedenen Leiſtungen und
Enthaltungen der franzöſiſchen Kunſt in Denkmalen, Bauten und Muſeen den Blicken des Kunſtfreundes offen liegen.
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