ihre Opfer holen, bis die letzten kranken Bewohner dem Hun⸗ gertode anheim gefallen, worauf die Reſte der Jammerhütten zuſammenſtürzen und ſpurlos verſchwinden. Gegenüber den Armen von Irland iſt das Polenland den Bedürftigen dort ein Paradies. Es giebt keinen Hüttenbewohner im Sarma⸗ tenlande, der den nackten Leib zur Schau trägt, oder hungernd und frierend ſich Nachts auf die Ofenbank ſtreckt!
Solche traurige Bilder aber begleiten den Reiſenden faſt überall in Irland, ſelbſt in den fruchtbaren Grafſchaften Leinſter, Southmunſter und Limmerick. Es gab unter der Königin Eliſabeth eine Zeit, wo namentlich Munſter ganz verödet war. Als nach des Grafen Desmond Erhebung und endlichem Sturz die fruchtbaren Ebenen durch den langen Bürgerkrieg verwüſtet und die Einwohner umgekommen oder in die Gebirge und größeren Städte geflohen waren, begann die Königin die ihr vom Grafen Eſſex und ihren Räthen ein⸗ gegebenen Coloniſationsideen in Ausführung zu bringen. In allen Grafſchaften Englands wurden Umlaufsſchreiben erlaſſen und jüngere Söhne angeſehener Familien eingeladen, unter vortheilhaften Bedingungen Güter in Leinſter und Munſter anzunehmen. Dabei ward ihnen die Verbindlich⸗ keit auferlegt, nur engliſche Familien anzuſiedeln und keinen Irländer zu dulden, wogegen man ihnen verſprach, engliſche Beſatzungen zu ihrem Schutze zu halten.
Dieſer Plan war eben ſo unnational als unausführbar. Denn das Innere eines großen, in anderen Provinzen noch ſtark bevölkerten Landes auf ſo gewaltſame Weiſe coloniſiren oder engliſiren zu wollen, hieß dem Bürgerzwiſt erſt Dauer geben und auswärtige Angriffe herbeiführen. Unglück⸗ licherweiſe beſteht das damals ins Leben gerufene Syſtem mit geringen Abänderungen noch heute. Die Folge davon iſt geweſen, daß alle Früchte der weiſen Regierung Heinrich's VII. verloren gingen, daß die Königin ſich fortwährend neue Aufſtände und auswärtige Einfälle zuzog und ein vierzigjäh⸗ riger koſtſpieliger Krieg in Irland bei ihrem Tode noch nicht erloſchen war, daß heute noch das Feuer des Bürgerkriegs dort unter der Aſche fortglimmt.—
Die Spuren der nachhaltigen Rebellionen und Auf⸗ ſtände, deren letzter zu Ende des vorigen Jahrhunderts über 150,000 Engländern und Iren das Leben koſtete, erkennt man in den genannten Provinzen bis zu den Thoren von Kilmalock und weit darüber hinaus.
Der jetzige Marktflecken Kilmalock war ſonſt eine ſehr bedeutende Stadt, deren maleriſche, über eine Stunde ſich er⸗ ſtreckende Ueberreſte von Reiſenden, die den Orient beſucht haben, oft mit den berühmten Ruinen von Palmica oder Balbeck verglichen ſind. Hohe, gewölbte Thore mit durch⸗ brochenen Thürmen bilden den Eingang. Die Hauptſtraßen ſcheinen aus einer Doppelreihe von Paläſten beſtanden zu haben, deren viele noch jetzt zu ſehen ſind. Regelmäßige Querſtraßen mit Thoren und Thürmen durchſchneiden ſie in verſchiedenen Richtungen, und die Ueberreſte dieſer, zum Theil in wunderherrlicher gothiſcher Schönheit erbauten Thorbogen machen einen impoſanten Eindruck. Aber erſt jenſeits des Ortes, wo man von der nach Limmerick führenden Landſtraße die vielen Schlöſſer, Thüren, Bogen und Säulenreſte mit den umfangreichen Ruinen der Abtei in ihrer Geſammtheit über⸗ ſieht, verſteht man ganz den Vergleich dieſes anziehenden, an die thatenreiche Vorzeit erinnernden Erdflecks mit den ſo be⸗ deutungsvollen Ruinen des Orients. Das Ganze überragend, erſcheint, gleich einem früher unüberwindlichen Bollwerk, die Veſte des in Irland viel beſprochenen„weißen Ritters.“—
Novellen⸗Jeitung.
Nach dem Umfang der Ruinen ſcheint dieſer caſtellartige
Bau ein noch mächtigerer geweſen zu ſein, als der noch wohl⸗
erhaltene Palaſt des einſt ſo gewaltigen Grafen Warwick des
Königsmacher in England.— In einer Capelle der Abtei von Kilmalock ruhen in einem ſteinernen Sarge die Reſte des gefürchteten weißen Ritters, von dem die Sage geht, daß er ſeinen Wein mit dem Blute der erſchlagenen Feinde ge⸗
miſcht habe. Gleich verabſcheut wie von den Engländern,
auch von ſeinen eigenen Landsleuten wegen ſeiner Grau⸗ ſamkeit, entging er in einer verlorenen Schlacht der Gefangen⸗ nahme der Engländer, indem er ſich vom Pferde herab in ſein eigenes Schwert ſtürzte.
Cromwell eroberte zuletzt die feſte Stadt nach hartnäcki⸗ gem Widerſtande. Noch bis dieſen Augenblick iſt die Grau⸗ ſamkeit des fanatiſchen Republikaners bei den Irländern in friſchem Andenken. Sie hat ihnen Haß und Abſcheu, keines⸗ weges Furcht eingeflößt. Dies liegt ganz im irländiſchen Nationalcharakter, und ſolche Geſinungen erzeugen alle bis jetzt gegen dieſes Land unternommene Gewaltthätigkeiten und militäriſche Expeditionen. Der Irländer unterſucht ſolche Maßregeln mit bewunderungswürdigem Scharfſinn und ver⸗ achtender Kälte, und auf dieſe Weiſe legt ſich das militäriſch organiſirende Genie dieſes wunderbaren Volkes ſelbſt in den unterſten Volksſchichten an den Tag, wie es in der Neuzeit der ſo plötzlich auftauchende Fenierbund, auf den wir ſchließend zurückkommen, des Deutlichſten lehrt.
Während meines faſt zweijährigen Aufenthaltes in Ir⸗ land mit Land und Leuten ſo ziemlich bekannt, ſetzte ich meine Fußreiſen in günſtiger Jahreszeit nicht ſelten bis zum ſpäten Abend fort, oft durch einſame Gegenden, die Räubern paſſende Schlupfwinkel gewährt hätten; allein nie wurde ich auf meinem Wege beunruhigt. Der Irländer raubt nicht aus Handwerk; nur Haß und Rache verleiten ihn, nach fremdem Gut die Hand auszuſtrecken oder einen Mord zu begehen. Er hat darin viel Aehnliches mit den ungebän⸗ digten Gebirgsſöhnen von Corſika, welche die Vandetta als forterbende Pflicht betrachten.— Auch an dem mir unver⸗ geſſenen Tage, als ich Kilmalock zum erſten Male beſuchte, war es Nacht geworden über meiner Beſichtigung der weiten Trümmerſtadt. Der Vollmond ergoß ſein magiſches Licht über die Landſchaft, wo als ſprechende Zeugen von ſchöneren Zeiten, von Thorwegen, Schwibbögen und aufragenden Thürmen die verbleichenden Ueberreſte in den ſtillen Fluthen des mitten hindurch ſtrömenden Fluſſes ſich wiederſpiegelten.
Ungeſtört, in meinen Betrachtungen durch Niemand beirrt, ſaß ich unter einem wohlerhaltenen Bogen, den Kopf auf eine der gebrochenen Marmorſäulen geſtützt, die einſt in ſtattlicher Reihe dem Vorhofe des Prachtbaues zum Schmucke gedient hatten. In ein faſt ſchwermüthiges Sinnen verloren, gedachte ich der Zeit, wo in dieſen Gegenden Wiſſenſchaften und Künſte blüheten und nicht ſelten den Thron des Landes⸗ beherrſchers ſchmückten. Es war, als klängen in dem Thale zu meinen Füßen die melodiſchen Töne der Harfen bei einem ländliſchen Feſte; dann hörte ich wieder im Geiſt der Orgel Töne durch die weiten Hallen des Doms heranſchwellen und leiſe wie Aeolsharfenaccorde wieder verſchwimmen. Ich ſah die Paläſte der Stadt, ſtrahlend vom Licht zahlloſer Ker⸗ zen, zarten Frauen und hohen Herren einladend winkend zum Banket oder zum Tanz; und viel Anderes noch aus der Zeit, wo Irland des tiefen Friedens genoß, micht durch Partei⸗ kämpfe und fremdländiſche Herrſchzrmacht zerrüttet war, trat vor meine Seele. Aber,— ſ ſeit Jahrhunderten ſchwei⸗ gen in dieſem ſchönen Inſelreiche die Töne der Freude, ſind Kunſt und Wiſſenſchaft nur noch Schatten der Zeit, wo ſie
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