Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
507
Einzelbild herunterladen

ner Stufe

Wwann he⸗

das Leben Haſtfreund⸗ genoſſen.

die Juli⸗ . Pelagie doiſie ohne

gefängniß, Stelle trat

artt, welche eiten an⸗ iſt. Das a ſolchem

die ſeit gefunden, erſtändniß e geeinigt, ts, einen Phantaſie ungen des ikaniſchen e Zukunft heit haben hen Schil ren Zeiten enen Ver⸗ derts unter

b

. g L

Vierte

dem NamenUnited Irishmen,Defenders of the faith ꝛc. gegen die Engländer auftraten, hat der neue Bund, der England von Amerika aus mit dem Abſagebriefe den Fehdehandſchuh hinwirft, den NamenFenier adoptirt. Nur undeutlich iſt bisher die Frage im Publicum: woher der Name entſtanden? beantwortet, und die ob⸗ ſchwebende Ungewißheit hat mich veranlaßt, darüber den hiſtoriſchen Aufſchluß nach beſtem Wiſſen zu geben. Wie alles Neue nur Folge des Alten, ſo iſt auch die neue iriſche Bewegung, die in den Freiſtaaten zu bedenklichen Dimen⸗ ſionen heranwächſt, die Wirkung alter Urſachen. Indem ich zu deren beſſerem Erkenntniß, aus eigener Anſchau, eine Schil⸗ derung derjenigen Provinzen voranſchicke, wo man von Irlands einſtiger Größe und von deſſen tiefem Verfall die Spuren am deutlichſten wahrnimmt, folge ich darin Shake⸗ ſpeare's Ausſpruch, den er Iſabel inMeasure for mea- sure thun läßt: Let yYour reason serve,

To make the truth appear, where it is hid*).

Zu den ſchönſten Landſtrichen von Irland, wenn nicht vom ganzen großbritanniſchen Inſelreiche, gehören die Graf⸗ ſchaften Leinſter, Munſter und Limmerick. Ein überſichtliches Bild der zauberiſchen Reize, womit die gütige Natur jene Provinzen faſt verſchwenderiſch geſchmückt hat, erlangt man, von der freundlichen Stadt Fermay den Weg einſchlagend, der den ſtattlichen Blackwaterfluß**) entlang, über Doneriale, mitten in das Herz dieſer geſegneten Landſchaften hineinführt. Der Anblick der domartig ſich wölbenden Laubwälder, mit kenen hin und wieder die langen Höhenzüge gekrönt ſind, die

iftenden grünen Wieſen im Thale, mit wogenden Korn⸗ rn und herrlichen Obſtbaumpflanzungen untermiſcht, und zur Sommerszeit faſt im ſüdlichen Blau darüber aus⸗ geſpannte Himmelszelt könnten einen Deutſchen eher zu dem Glauben veranlaſſen, ſich als ein Pilger im vaterländiſchen Rheingau, als auf einer Wanderung in dem, als mit Unrecht im Auslande wegen mangelnder Naturſchönheit hin und wieder übelberufenen Irland zu befinden. Wie auch der Fall an den Ufern, des romantiſchen Shannon, deſſen Reize Lady Morgan im vaterländiſchen Stolze auch an den Ufern des poetiſchen Arno nicht vergeſſen konnte, wird auch bei einer Wanderung durch die anmuthigen Gelände des Blackwater die Aehnlichkeit mit dem Rheinthale noch durch den Schmuck vieler alter und neuer architektoniſcher Werke um ein Großes erhöht.

Wie am Rhein, ſpiegeln ſich in den dunkeln Fluthen des majeſtätiſch dahin ziehenden Stromes die Ueberreſte alter Schlöſſer und Abteien, als Denkmäler von Irlands einſtiger Herrlichkeit und Macht. So deuten Paläſte im neuen Styl, wie die umfangreichen Schlöſſer Hyde und Canvanmore, ſtolz ſich erhebend über die ſie uingebenden Parkanlagen, auf den Reichthum, den ihre engliſchen Beſitzer ſeit der Eliſabeth und Crommwells Zeiten auf Koſten des unter⸗ drückten Volks aus Irlands geſegnetem Boden entnommen haben.

Dem Schloſſe Canvanmore faſt gegenüber mündet in maleriſchen Windungen aus einem lieblichen Thale, faſt dem Selkethale im Harz zu vergleichen, der von Spencer ſo ſchön beſungene Mullafluß in den Blackwater ein. Der ſilberhelle

*) Gebraucht euern Verſtand, Die Wahrheit zu enthüllen, wo ſie verborgen iſt. **) Führt den ominöſen Namen wegen der anſcheinend ſchwar⸗ zen Farbe, die er, wie hin und wieder das Meer, durch die Tiefe

der Gewäſſer erhält.

Folge. 507 Strom mit ſeinen grünen, dichtbewaldeten Ufern verdient mit Recht das Lob, das ihm einer der größten iriſchen Barden in ſeinen bezaubernden Strophen gezollt hat. Spencer be⸗ ſaß in dieſem durch Naturſchönheit ſo reich ausgeſtatteten Thale das Gut Remney, welches noch vor zwanzig Jahren im Beſitz eines ſeiner Nachkommen war. Aber der größte Theil ſeines nicht unbeträchtlichen Vermögens ward von ſeinem einzigen Enkel wegen deſſen Anhänglichkeit an die Stuarts verwirkt.

Am Geſtade eines kleinen Landſees erheben ſich die ehrwürdigen Ruinen des Schloſſes Kilkolman. Die Geſchichte entfaltet hier ihre gehaltvollen Blätter vor dem Auge des Beſchauers und läßt die Hauptzüge der Regierungszeit Eliſabeths, deren nicht geringſter Schmuck Edmund Spencer war, an ſich vorüberziehen. In dieſem jetzt faſt gänzlich zerfallenen Schloſſe, einſt das Eigenthum des ſtolzen Earl Desmond, des Beſitzers eines bedeutenden Fürſtenthums, des iriſchen Warwick, der trotzdem, nach ſeinem Sturze, ſein thatenreiches Leben in einer elenden Bauernhüte verhauchte, hat auch der Dichter Spencer zwölf Jahre verweilt. Der große vaterländiſche Barde aber, der den britiſchen Dichter Chancer noch übertraf, der zuerſt Englands Sprache ver⸗ vollkommnete und mit Italiens Dichtern wetteiferte, iſt un⸗ begreiflicherweiſe ſpurlos verſchwunden. Niemand weiß, wohin er die Schritte lenkte, wo er ſtarb, als er durch die Zerrüttung bürgerlicher Kriege aus ſeinem Aſyle vertrieben wurde. Wenn man ſchweigend die hohen Hallen des ver⸗ ödeten Schloſſes durchwandelt, kann man nicht umhin, dem Manne des hingeſchiedenen Genies ſeine Huldigung zu zollen, wenn man von ſeinen tief ergreifenden Dichtungen einige der bedeutenderen geleſen hat. Auch der große britiſche Staats⸗ mann Burke hat nach Ausſage des uralten Caſtellans mehrere Male die Ruinen von Kilkolman beſucht, und ſogar einige Tage in einem der im linken Schloßflügel noch wohler⸗ haltenen Thurmzimmer gewohnt, wo er ſeinem Secretär die Reſultate ſeiner iriſchen Beobachtungen dictirte. Daß dieſe nicht zu Gunſten des Volks ausgefallen waren, deutet ſein heftiges Auftreten gegen Fox, als dieſer freiſinnige Miniſter in Parliament die Emancipation der Iren in feuriger Rede vertrat.

Vom Gipfel des Ballyhoragebirges, welches dem Blackwaterſtrome durch ein gewaltiges Felſenthor den Aus⸗ gang in eine weite fruchtbare Ebene geſtattet, hat man eine entzückende Ausſicht. Der überraſchte Blick des Beſchauers, wenn er ein Deutſcher iſt, dem die Schönheiten des eigenen Vaterlandes nicht fremd ſind, bedarf der Sammlung, um ſich nicht wie durch einen Zauberſchlag auf eine der Höhen an der Porta Westphalica verſetzt zu wähnen. Täuſchend ähnlich dem Flußgebiete in der Gegend von Minden iſt das Bild, was ſich plötzlich auf der letzten Höhe des Ballyhora vor den Augen des Wanderers entrollt. Die mitten durch das weite Thal laufende Eiſenbahn, zwei bei Ballyford ſich kreuzende Landſtraßen, die aus zahlreichen Fabriken auf⸗ dampfenden Schlöte, die ſelbſtverſtändlich, wie ſämmtliche Meiereien und Villen ringsum, auf Grund und Boden der engliſchen Lords of the manor errichtet ſind, verleihen dem ſchönen Naturbilde das gleiche Leben, wie es die grünen Gelände unterhalb der Porta heutigen Tages charakteriſirt. Aber im entſetzlichſten Contraſt zu dieſer Fülle von Reichthum erblickt man bei dem Niederſteigen in das reizende Thal, dicht neben den wohlerhaltenen Landſtraßen, die den Einſturz drohenden, mit faulendem Moos überwachſenen Lehmhütten der Armen, aus denen alljährlich Typhus und Ausſatz ſich

.