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Unglück wollte es, daß mehrere Gläubiger plötzlich
von ihm, durch irgend eine Zufälligkeit bewirkt, eine große Summe gefordert hatten. Der Oberſt erkannte dieſelbe nicht an und in Folge deſſen ließen die Gläu⸗ biger ihn, als einen Fremden, proviſoriſch gefangen ſetzen. Dies Proviſorium dauerte zwanzig Jahre, wo⸗ rüber ſeine Gläubiger hinwegſtarben. Nur einer der⸗ ſelben blieb unerbittlich und wollte dem Oberſten nicht anders als unter der Bedingung eines Vergleichs die Freiheit zurückgeben. Da Swann Vermögen beſaß, um einen ſolchen Vergleich leicht eingehen zu können, baten ihn der Director und alle Beamte, die ſeine Freunde waren, ſich wohl oder übel in dieſes Anſinnen zu fügen. Der Oberſt lächelte gewöhnlich dazu. Alle Jahre kam jener Gläubiger mit demſelben Vergleichs⸗ vorſchlag wieder; alle Jahre, nachdem Swann ihn auf⸗ merkſam angehört, lächelte er, drehte ſich um und ſagte zu dem Beamten:„Führen Sie mich in mein Zimmer zurück.“ Er grüßte dann den Gläubiger und empfahl ſich ihm freundlich mit den Worten:„Auf Wiederſehen, mein Herr, im nächſten Jahre!“
Im Jahre 1829 pflegte er mehrere Stunden des Tages im botaniſchen Garten von Paris zu promeniren, da der Arzt befohlen hatte, ihm viel Bewegung in freier Luft zu geben, um ſeine wankende Geſund⸗ heit zu erhalten. Er ging Morgens dorthin und kehrte Nachmittags in ſein Gefängniß zurück; man kannte bereits den Alten in Jardin des plantes. Swann hatte dieſe Beſtimmung des menſchenfreund⸗ lichen Arztes wehmüthig lächelnd aufgenommen:„Die ſcharfe Luft der Freiheit, mein Freund,“ hatte er ge⸗ ſagt,„wird meinen Körper tödten, der an die drückende Atmoſphäre des Gefängniſſes gewöhnt iſt.“
Und der alte Oberſt hatte Recht.
Novellen⸗Zeilung.
Nach einigen Monaten brach die Julirevolution aus. Einen Tag ſpäter öffnete das Volk die Thore der induſtriellen Baſtille und alle Schuldgefangenen wurden entlaſſen, ihr Schuldbuch vernichtet. Oberſt Swann wurde ebenfalls frei; er trat nach zwanzig Jahren wieder in die Welt zurück.
Er ſah den Triumph des Volkes noch mit an,
ſah Lafayette, ſeinen greiſen Waffenbruder, auf den Schultern des Volkes umhergetragen und richtete ſeine erſten Schritte nach dem Stadthauſe, um die Hand deſſelben zu drücken. Da erfüllte ſich, was er ſelbſt prophezeit: daß die ſcharfe Luft der Freiheit ſeinen Körper tödten werde, der an die ſchwere Atmoſphäre des Gefängniſſes gewöhnt war. Auf einer Stufe
der Treppe des Stadthauſes fiel Oberſt Swann be⸗
wußtlos nieder und am andern Tage endete das Leben dieſes Greiſes, der ſo lange Frankreichs Gaſtfreund⸗ ſchaft in dem Gefängniß von St. Pelagie genoſſen.
Uebrigens fügen wir gleich hinzu, daß die Juli⸗ revolution wohl das Schuldgefängniß von St. Pelagie aufhob, aber die Juliregierung der Bourgeoiſie ohne ein Schuldgefängniß nicht ſicher zu ſein glaubte. In der Kammer wurde ein neues Geſetz über die Schuld⸗ haft berathen, und allgemein hieß es damals, daß St. Pelagie geſchloſſen bleiben würde. In der That, St. Pelagie blieb, wenigſtens als Schuldgefängniß, für immer geſchloſſen, aber an ſeine Stelle trat Clichy.
Der Leſer wird finden, daß die Schreibart, welche Schmidt-Weißenfels bei ſolchen Gelegenheiten an⸗ wendet, eine ſehr leichte und nur referirende iſt. Das reale Intereſſe der Gegenſtände ſelbſt ſichert ſolchem Buche ſeine Leſer.
Zeuilleton.
Ein Stück von Irland und die Fenier.
Ringen und Wagen, Gewinnen und Verlieren im poli⸗ tiſchen Kampfſpiel— das iſt der Inhalt der Welterſchei⸗
unſeren Augen entrollt werden!
Kaum ſind in den nordamerikaniſchen Freiſtaaten die
mörderiſchen Geſchoſſe des Bruderkrieges verhallt, da ſteigen ſchon wieder neue, unheildrohende Wetterwolken am Horizonte
des großen Weſtlandes auf. Auch ſie tragen die Schreckniſſe
npff 1 mit ihren jenſeitigen Landsleuten zu einem Bunde geeinigt, nungen, die in den wechſelnden Bildern der Neuzeit vor
des Bürgerkrieges in ihrem dunkeln Schooße, doch diesmal nicht, um ſich auf des letzten Krieges noch rauchenden Trüm⸗
mern, ſondern jenſeits des Oceans über einem Stück europäiſch britiſchen Gebiets, über— Irland zu entladen.
Von Erins Millionen heimathloſer Söhne, die ſeit Anfang unſres Jahrhunderts in Amerika Zuflucht gefunden, haben ſich eine bedeutende Zahl im ſympathiſchem Verſtändniß
um zur Befreiung von britiſcher Herrſchaft, ſeewärts, einen Verſuch zu machen. Unzweifelhaft hat die lebhafte Phantaſie des wunderbaren Volks ſich die kühnen Unternehmungen des Kapercapitäns Paul Jones während des engliſch⸗amerikaniſchen Kriegs ſich dabei zum Vorbilde genommen, und die Zukunft wird lehren, wie bald ein anderer Marryat Gelegenheit haben wird, aus ähnlichen Seezügen Stoffe zu romantiſchen Schil⸗ derungen zu erhalten.— Während die in früheren Zeiten von Irländern zu Befreiungszwecken geſchloſſenen Ver⸗ bindungen, allerletzt zu Ende des vorigen Jahrhunderts unter
dom ganzen Kre ſcaſten Länſter, Bid de zrube Prooingen ſäſ von der ſteun 4 der den ſtattlich mitten in das Der Anblick de enen hin und fftenden grüne ern und herr zur Somme geipannte Himm Glauben veranl Rheingau, als a im Auslande n. wieder übelbern Fall an den U Lady Morgan des poetiſchen bei einer Wau 1 Blackwater die 3 den Schmuck! un an Große Wie am des majeſtäti Schlöſſer und Herrlichkeit un wie die umfe ſtolz ſich erhe auf den Neie Eliſabeth und drückten Volks haben.
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