Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
504
Einzelbild herunterladen

504

Novellen⸗ZJeitung.

Ich ſpielte ſanft des Schmerzes Töne Und ſang ergreifend eine Mär',

Sie ſtimmte traurig zu der Schöne, Die halbverfallen lag umher.

So ſtill und leicht erröthend lauſchte Sie mir, die Augen hold geſenkt, Bewußt, daß keinen Blick ich tauſchte, War mir ihr Angeſicht geſchenkt.

Ich ſang ihr von des Ritters Leiden, Deß Schild verzehrt der Schande Brand; Zehn Jahre wirbt in Lieb' und Meiden Er um die Herrin von dem Land.

Ich ſang ihr, ach! von ſeinen Schmerzen Mit langer, tiefer Bitte Ton,

Und als ich ſang vom fremden Herzen, Erbat die Stimme mir den Lohn.

So ſtill und leichterröthend lauſchte Sie mir, die Augen hold geſenkt, Vergab, daß ich mich heiß berauſchte, Mein Blick war nur auf ſie gelenkt.

Ich ſang ihr von dem grauſen Fluche, Den dieſer treue Mann empfand; Daß ſtets er an des Waldes Buche Nachtruhe ſuchte und nicht fand.

Wenn er gequält in Höhlen eilte Und durch des Waldes Dunkelheit, Und wenn im Sonnenſchein er weilte, Schien trugvoll jeder Raum gefeit.

Es kam und ſchaute ſeine Züge Ein Engel, ſchön und wunderbar, Er wußte, daß dies Bild betrüge, Und daß er unglückſelig war.

Arglos ging er zur Räuberbande, Als ſie den neuen Fang erkürt,

Da hat die Herrin von dem Lande Er aus der tiefſten Schmach geführt.

Nun lag ſie weinend ihm zu Füßen, Zum Wahnſinn führte ſeine Schmach, Sie ſtrebte Leiden zu verſüßen,

Da ſeines Geiſtes Kraft zerbrach.

Im Walde pflegte ſie den Retter, Und als der Irrſinn ihn verließ, Sank auf die herbſtlich gelben Blätter Er, der ſich ſterbend treu erwies.

Und ſeine letzte ſüße Rede,

Als ſie begann im Trauerlied,

Verſtummt mein Spiel, der Seele Fehde Das ſchöne Mitleid mir beſchied.

Gewalt des Geiſtes und der Sinne,

Sie ſtürmte kühn auf Ginevra:

Muſik, Geſang, und Schmerz und Minne, Und Duft und Stille, fern und nah,

Und Hoffnung, Furcht und ſüße Sorgen Und wunderbarer Seelendrang,

Und ſchöne Wünſche, lang verborgen, Die heimlich doch beglückten lang.

Voll Leid und Wonne jetzt ſie weinte, Erröthete voll Lieb' und Scheu,

Weil ſie mit Wunſch und Murmeln einte, Wie träumend meinen Namen treu.

Ihr Buſen wogt', ſie wollte gehen, Sie wußte, was ich froh gemeint, Und ſchüchtern blickend blieb ſie ſtehen Und flog zu mir und hat geweint.

Die Arme hold ſich um mich ſchlangen, Sie ſtand bei mir jetzt ſanft und dicht, Sie bog das Haupt zurück es drangen Die Blicke hold mir in's Geſicht.

Die Liebe war's und furchtſam Mahnen Und ſittige Holdſeligkeit,

Daß ich nur konnte freudig ahnen

Des ſchönen Herzens Blüthezeit.

Ich ſprach ihr von der Liebe Frieden, Ja ſprach ſie mädchenſtolz und traut; So ward Ginevra mir beſchieden, Die wonneſame, ſchöne Braut.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Hinter Schloß und Riegel. (Schluß.)

Dem armen Rifaut machte aber dieſe romantiſche Leidenſchaft doch viel Qual und Herzeleid. Er ward bleich, krank und fühlte ſich elend. Alles Glück ſchien ihm dahin zu ſein und er war des Amtes überdrüſſig, welches er ſonſt mit ſo großer Pflichttreue ausgeübt. Ja, er war ſogar des Lebens ſatt, und ſo ging er denn zum Concierge Benoit, dem Oberaufſeher des Gefäng⸗

fungenen, 3 ſete in ihter Freilich Schuldrechtes Diſe do Swann in d merkwürdigen zum Leibeige Dieſer Freund Waſh abhängigkeits ſig ſah man d das Thor von bruder im So Verbindungen Flucht hätten erlangen don mit der Hare tes Geſetz; derart an ſein als die Feei im Gefängn ohne Mitlei ihn ſpäter nung viel hatte, hint und die friſ Schlafrock ſowie er a⸗ fangenen ih merkſamkeit, dieße. Er Achtung bea noch mit B St. Palggie die große I zu Theil w