Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
502
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Novellen⸗Jeitung.

Lohnes werth, verſetzte er;man darf nicht verkennen, mir ſicher; ſchlägt er fehl, ſo gehe ich zu den Oeſter⸗ daß der Baron durch die Entführung des Königs reichern, die mir eine fette Pfarre nicht verſagen

in's öſterreichiſche Lager der Kaiſerin einen großen werden. Schon neun Uhr,

Dienſt leiſtet. Lohn zugeſagt? brauſte der Fremde auf.Er ſoll nach vollbrachter That das Patent eines öſterreichiſchen Generals und hunderttauſend Gulden in klingender Münze erhalten, außerdem in den Grafenſtand er⸗ hoben und ihm das Recht der Gerichtsbarkeit in ſeiner Herrſchaft verliehen werden, kann er damit nicht zu⸗ frieden ſein? Jetzt verlangt er Titel und Würde eines Statthalters von Schleſien! Das heißt mit andern Worten, dem Baron von Warkotſch Schleſien über⸗ laſſen! Iſt er erſt Statthalter, ſo wird ſein maßloſer Stolz auch darnach trachten, ſounveräner Herr der Provinz zu werden. Ich wage nicht, dem Grafen Wallis dieſe Fordernng mitzutheilen.

Glaubt nicht, daß es ihm gelingen werde, die ſouveräne Herrſchaft über Schleſien zu erlangen! erwiderte Schmidt mit wegwerfender Geringſchätzung.

Weshalb ſollte ihm dies unmöglich ſein? fuhr der Fremde ungeduldig fort.Das Landvolk iſt dem Hauſe Oeſterreich nicht gewogen, es will kein katholiſches Oberhaupt, weil der Hof es durch ſeine Jeſuiten ſendungen mit ihm verdorben hat. Iſt der König von Preußen gefangen und jede Hoffnung, Schleſien zu erobern, für ihn verloren, ſo wird die Provinz ſich bald nach einem andern lutheriſchen Oberhaupte um⸗ ſehen.

Und geſetzt, dem wäre ſo, den Baron von Warkotſch wird das Landvolk nicht an die Spitze der Empörung ſtellen, ſagte der Curatus ruhig;des⸗ halb mag der Graf die Forderung des Barons un beſorgt bewilligen. Ich gehe noch heute Abend hinuber, um mit dem Baron über Privatangelegenheiten zu reden; wünſcht Ihr, daß ich ihn ausforſche, ſo befehlt über mich, ich ſtehe gern zu Dienſt.

Die düſteren Züge des Fremden heiterten ſich auf.

Thut das, erwiderte er, während er ſich erhob und den Mantel über die Schultern warf.Werft einen Blick in die Seele des Barons und erſtattet mir Rapport. Ich werde Sorge tragen, daß Euch die Mühe gelohnt wird. Adreſſirt Euer Schreiben an den Adjutanten des Oberſten Graf von Wallis, Lieutenant von Holver in Münſterberg, und ſchärft dem Boten ein, daß er es mir eigenhändig übergiebt.

Der Curatus lächelte verſchmitzt, als der Adjutant das Pfarrhaus verlaſſen hatte.

Mag die Sache nun enden, wie ſie will, für jeden Fall bin ich geſichert, ſagte er.Gelingt der Plan, ſo iſt die Pfarrſtelle in Schönbrunn und Maria

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fuhr er, einen Blick

auf ſeine Taſchenuhr werfend, fort,die Zeit iſt raſcher

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Ward ihm dafür nicht ein mehr als genügender verſtrichen, wie ich glaubte.

Er ſteckte die Papiere, welche er vor einer Stunde beſchrieben hatte, in die Taſche, warf einen blauen Kittel über, rückte die Mütze tief in's Geſicht und ſchritt, nachdem er die Lampe ſo geſtellt hatte, daß ihr Schein voll auf das Fenſter fiel, binaus.

Im Speiſezimmer des Schönbrunner Schloſſes ſaßen der Baron, deſſen Gattin und Maria an einer reichbeſetzten Tafel. 4

Warkotſch war, wie immer, ſchweigſam und ver⸗ ſtimmt, er haſtig, und blickte nur ſelten zu den Damen auf, die, das jähzornige Temperament des Schloßherrn kennend, nicht wagten, den Ideengang deſſelben durch ein, wenn auch nur leiſe bingeworfenes Wort zu unterbrechen.

Maria war eine Schönheit in des Wortes vollſter Bedeutung. Ihr ſchlanker Wuchs, die ebenmäßigen Züge, die dunkelblauen Augen, in deren unermeßlichen Tiefen der Blick ſich verlor, die hobe Stirn, die vollen roſig angehauchten Wangen und das dunkel⸗ blonde Haar, welches in üppigen Wellen das holde Antlitz umrahmte, dies Alles ward durch die einfache, geſchmackvolle Toilette vortheilhaft gehoben und übte als ein harmoniſches Ganzes auf den unbefangenen Beſchauer einen mächtig feſſeluden Reiz.

Während der erſten Monate im Schloſſe hatte Maria ſich gegrämt und nicht nachgelaſſen, den Baron täglich mit der Bitte zu beſtürmen, er möge ſie den Pflegeältern und ihrem Bräutigam zurückgeben, aber der hartnäckige Eigenſinn und die eiſige Ruhe des Schloßherrn hatten bald ihren Muth und ihre Hoff⸗ nung gebrochen.

Die Baronin nahm ſich des Mädchens an, ſie konnte den Beweggrund, der ihren Gatten zu dieſem Act roher Willkür veranlaßt hatte, nicht enträthſeln; faſt geneigt, den Gerüchten, die hie und da unter der Dienerſchaft auftauchten, Glauben zu ſchenken, beſchloß ſie, der Gefangenen eine ſorgſame Mutter und liebevolle Beſchützerin zu ſein. Die Theilnahme dieſer Dame richtete die gebeugte Seele Maria's empor, und als es dem Bräutigam gelang, ihr die Nachricht zukommen zu laſſen, daß er ſelbſt den König um Schutz bitten wolle, blickte das Mädchen ruhiger in die Zukunft.

Der Baron ſprach gegen ſeine Gewohnheit und mit unverkennbaren Zeichen der Aufregung heute dem

ſchweren Ungarweine tapfer zu, und die Gluth, welche

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