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Stock des Curatus, während den erſteren wiederum theils halb, theils ganz gefüllte Phiolen und Bücher bedeckten. Nur ein kleines Fleckchen, eben groß genug, um eine Schreibmappe aufzunehmen, war noch frei und vor dieſem ſaß der Eigenthümer all' dieſer Gegenſtände, der Seelenhirt der Gemeine Siebenhu⸗ ben. Wohl länger denn eine Stunde ließ Schmidt den Gänſekiel über das Papier fliegen, endlich legte er die Feder hin. 1
„So wird's gut ſein,“ ſagte er, indem er ſich erhob,„ein ſchriftlicher Contract iſt beſſer, als ein mündliches Verſprechen. Der Paſſus drei wird Schwierigkeiten machen, der Baron will die einge⸗ führte Glaubensfreiheit beſchränkt wiſſen, weil er ſelbſt lutheriſch iſt, aber Schönbrunn muß mein werden! Gerlach iſt mir längſt ein Dorn im Auge geweſen, er muß fort. Ich trete, ſobald er entfernt iſt, zur lutheriſchen Kirche über, übernehme die Pfarre in Schönbrunn und heirathe Maria.“
In dieſem Augenblick ließ ein leiſes dreimaliges Pochen ſich vernehmen.
Der Curatus horchte und ſchritt, als das Pochen ſich wiederholte, hinaus.
Bald darauf kehrte er in Begleitung Kappels zurück. Der Jäger warf die Perrücke des Geiſtlichen auf den Tiſch und nahm auf dem Stuhle Platz.
„Wie ſteht's mit unſerer Angelegenheit?“ fragte er, den Blick forſchend auf die Züge des Curatus gerichtet.„Haben wir Hoffnung, das Spiel zu ge⸗ winnen?“
„Kann ich's wiſſen?“ entgegnete Schmidt achſel⸗ zuckend.„Seid Ihr gekommen, um mit mir eine Unter⸗ haltung darüber anzuknüpfen, ſo habt Ihr einen ver⸗ geblichen Gang gemacht. Ich repräſentire in der Angelegenheit Eures Herrn mit dem Grafen Wallis nur das Poſtamt, die Briefe werden hier abgegeben und abgeholt.“
„Nachdem Ihr ſie zuvor erbrochen und geleſen habt,“ fiel Kappel lakoniſch ihm in's Wort.„Ihr wollt mir gegenüber ſtets den Verſchwiegenen ſpielen, aber Ihr thut nicht klug daran, denn ich weiß mehr, wie Ihr glauben mögt und kann Euch manchen nütz⸗ lichen Wink geben, wenn Ihr Hand in Hand mit mir gehen wollt. Heute habe ich wieder mit dem Baron wegen Eurer Anſprüche auf die Pfarrſtelle in Schön⸗ brunn geredet.“
„Nun? Was ſagt er dazu?“
„Er ſagte, Ihr ſolltet ruhig in Siebenhuben bleiben, die Pfarre ſei für Euch fett genug!— Aber laßt Euch das nicht kümmern,“ fuhr der Jäger be⸗ gütigend fort, als er bemerkte, daß die Zornader auf
haben wird.
Novellen⸗Zeitung.
der Stirn des Curatus drohend anſchwoll;„geht Ihr Hand in Hand mit mir, werden wir den Baron ſchon zahm machen.“
Schmidt mochte einſeben, daß er nur gewinnen konnte, wenn er auf den Vorſchlag Kappel's, der ja das Factotum des Barons war, einging; er reichte dem jungen Mann die Hand.
„Alſo treue Freunde auf Leben und Tod?“ fragte Kappel.
„Auf Leben und Tod!“
„Gut. Sagt mir vorab, wie weit iſt die Ange⸗ legenheit gediehen?“
Genauen Aufſchluß kann ich darüber nicht geben,““
erwiderte Schmidt;„in ſeinem letzten Schreiben er⸗
ſuchte Warkotſch den Grafen Wallis, einen Officier zu ſchicken, der bevollmächtigt ſei, die Bedingungen des Barons anzuhören und zu genehmigen. Sobald dieſer Officier eintrifft, werden wir wohl Näheres erfahren.“ „Ich kenne den Inhalt jenes Briefes,“ ſagte der Jäger,„Warkotſch lieſt mir jeden Brief vor, ehe er ihn in meine Hände giebt. Ich glaubte, der Officier ſei bereits eingetroffen, deshalb fragte ich Euch. Was glaubt Ihr, wird der Krieg beendet ſein, wenn der König von Preußen gefangen iſt?“
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Wenn die Kroaten, die ihn gefangen nehmen,
nicht allzu zart mit ihm umgehen, ſo bin ich davon überzeugt.“
„Ihr hofft, die Kroaten werden ihn wie einen gemeinen Soldaten behandeln? Ich ſetze kein beſonderes Vertrauen auf die Erfüllung dieſer Hoffnung; wenn auch der König ſich widerſetzt, die Kroaten werden doch ſäuberlich mit ihm umgehen und ihm kein Haar krümmen.“
Der Curatus zuckte die Achſeln.„Todt oder lebendig!“ entgegnete er;„iſt der König einmal in Wien, ſo wird unſere Kaiſerin ihn ſobald nicht wieder freigeben. Aber was bezweckt Eure Frage?“
„Nichts!“ ſagte der Jäger raſch. mich nur zu erfahren, ob der Krieg bald ein Ende Warkotſch giebt ſich den Anſchein, als ob er nur deshalb die Hand zum Verrathe biete, um die Kriegsfackel zu löſchen, aber ich weiß beſſer, wes⸗ halb er es thut.“
„So? Wieviel zahlt ihm die Kaiſerin für den Preußen⸗König?“ g Schmidt.
„Hunderttauſend Gulden! Ein hübſches Sümm⸗ chen, he?“
„Bah, Ihr glaubt doch nicht, ein Kind vor Euch zu haben, dem Ihr ein Märchen anfbinden könnt? Warkotſch wird für eine ſolche Bagatelle ſeinen Kopf nicht auf's Spiel ſetzen.“—
„Hunderttauſend Gulden nennt Ihr eine Baga⸗
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