einem fluͤchtigen Blick auf die Anweſenden den Feder⸗
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Zwiſchenzeit den Kroaten leicht gefallen wäre, den König fortzuführen!“ warf Winkler ſpottend ein.
„Glücklicherweiſe kam der Reitergeneral an der Spitze ſeines Corps Euch auf halbem Wege entge⸗ gen,“ ſagte Halbach;„der Zufall, nicht Ihr, rettete den König.“
„Räthſelhaft aber war es jedenfalls, daß Ziethen die Kroaten nicht mehr im Park fand,“ fuhr Winkler fort,„faſt ſollte man dem damals allgemein verbrei⸗ teten Gerücht beiſtimmen, daß Ihr Euch geirrt habet.“
„Einer ſolchen Anſicht kann nur der beipflichten, der mich nicht kennt,“ entgegnete der Invalide achſel— zuckend.„Haben ſie mir auch den Arm lahn geſchoſſen, mein gutes Auge iſt mir geblieben, und ſeid verſichert, es kann eine Kroatenmütze auf dreihundert Schritte Entfernung erkennen, ſelbſt wenn ſie, wie das eine Zeit der Fall war, nur um einen halben Zoll aus dem Gebüſch hervorragt.“
„Eben deshalb kann ich nicht begreifen, daß Ihr den Baron noch immer in Schutz nehmt,“ ſagte Hal— bach.„Als erfahrener Kriegsmann müßt Ihr doch zugeben, daß die Kroaten ſich nicht in den Schloßpark gewagt haben würden, wenn ſie nicht einen mächtigen Beſchützer im Schloſſe gewußt hätten.“ Der Invalide drängte die Bemerkung, die ihm auf den Lippen ſchwebte, zurück, denn eben trat Kappel ein, der nach
hut auf die Bank warf und an dem Tiſche Platz nahm. Die Unterhaltung verſtummte; im Beiſein des Jägers, deſſen niedrigen Charakter man kannte, fühlte Jeder ſich beengt und nur ſelten richtete der Eine oder Andere ein Wort an ihn, um es nicht ganz bei dem Günſtling des Barons zu verderben.
„Mir ſcheint, hier ſind wichtige Dinge verhan— delt worden,“ nahm Kappel das Wort, nachdem er ſeinen Bierkrug auf einen Zug geleert hatte,„wenn meine Gegenwart Euch hindert, Eure Meinungen auszutauſchen, ſo thue ich wohl am beſten, ich gehe wieder.— Ich weiß wohl, daß ich Euch Allen ein Dorn im Auge bin!“ fuhr er fort, während er ſich erhob und den glühenden Blick bald auf Halbach, bald auf Winkler ruhen ließ.„Aber noch iſt nicht Aller Tage Abend und die Stunde kann bald kommen, in der Ihr meiner Hülfe bedürft; wenn ich alsdann Gleiches mit Gleichem vergelte, dürft Ihr Euch nicht beklagen!“
Er ſetzte nach dieſen Worten trotzig den Feder⸗ hut auf und ſchritt, ohne die Gäſte eines Grußes zu würdigen, hinaus.
Der Invalide trat raſch an's Fenſter.„Er ſchlägt den Weg nach Siebenhuben ein,“ ſagte er,„der Him⸗
„Jeitung.
„Laßt ihn laufen,“ erwiderte Halbach,„er wird wohl katholiſch werden wollen. Verkehrt viel mit dem Curatus Schmidt, na, die lutheriſche Kirche verliert nichts an ihm.“.
„Glaubt Ihr, das ſei der Grund, weshalb der Jäger ſo oft hinübergeht?“ fragte der Wirth, der näher getreten war und die letzten Worte ſeiner Gäſte gehört hatte.„Ich kann's Euch beſſer ſagen, wenn Ihr's wiſſen wollt. Der Kappelmathias hat vor einem Jahre auf Befehl ſeines Herrn geheirathet, weshalb, weiß in Schönbrunn Jeder. Aber gleichviel, er hat freiwillig ſein Weib heimgeführt, er muß nun auch bei ihr aushalten und ſeinen Pflichten gegen ſie nachkommen. Statt deſſen jagt er allen hübſchen
ſich von ihm bethören; ſie ſind ordentlich ſtolz darauf, wenn er in ſeiner blitzenden Uniform ſie zum Tanze führt, indeß ſein Weib daheim an der Wiege ihres Kindes bittere Thränen weint.“
„Na, wenn ich ein ſolches Weib hätte, würde ich mich auch nicht ſonderlich um ſie kümmern,“ fiel Ritter dem Redſeligen in's Wort.
„Ich will ſie nicht vertheidigen,“ fuhr der Wirth fort.„Sie mag, als ſie noch im Schloſſe wohnte, ein leichtfertiges Ding geweſen ſein, aber der Kappel⸗
ehelichen, wenn er nicht nach der Hochzeit die Ver⸗ gangenheit vergeſſen wollte. In der jüngſten Zeit ſoll er mit der Emma Becker in Siebenhuben ange⸗ bunden haben. Emma iſt eine Waiſe, ſie verdient ihr Brod im Tagelohn bei fremden Leuten.“
„Ich kenne ſie,“ erwiderte der Invalide,„ihr Vater war mein Jugendfreund. Laßt mich nur hin⸗ über kommen, ich werde ihr die Augen öffnen.“
„Spart die Mühe,“ ſagte der Wirth achſelzuckend. „Wenn der Kappelmathias einem Mädchen den Kopf verdreht hat, iſt's mit der Vernunft bei ihr zu Ende. Und was er ſich einmal vornimmt, führt er durch, geht's nicht in Güte, dann mit Gewalt, der Baron billigt ja Alles, was ſein Jäger thut.“
„Leider Gottes!“ ſeufzte Halbach.„Der Baron iſt ein ebenſo großer Schuft, wie ſein Diener.“
„Habt Ihr in Eurer Angelegenheit mit ihm ſeit⸗ dem keine weiteren Schritte gethan?“ fragte der Wirth. „Nein,“ entgegnete der Landmann, über deſſen Stirne ein düſtrer Schatten glitt.„Was kann's nutzen, der Baron ſtützt ſich darauf, Marie ſei ein Findelkind und er geſetzlich berechtigt, die Vormund⸗ ſchaft über ſte zu übernehmen.“
Das letzte Wort war ſeinen Lippen kaum ent⸗ flohen, als ein Fremder in die Gaſtſtube trat, der
mel mag wiſſen, was er drüben ſo oft zu ſuchen hat.“
nach einem kurzen, aber ſcharfen, prüfenden Blick auf
Mädchen nach und die leichtgläubigen Geſchöpfe laſſen
mathias kannte das Verhältniß, er durfte ſie nicht
Er hatte auf del ain tiefem Denken dl n die odernde 5 und wann, 4 die Lan vilhe tufen, fuhr er gküten empor „Mich ſo zſterreichiſcher undem er ver Guch der öſt der das Bier Halbach Oeſterreicher Kechte abet ter Offieier trägt? Wir Jeſuitenpater als Spion an „Ihr ve ſtagte Winkle „Gewißt reich, Schleſ gegen Friedr wärtig ſtäͤrken Ort zu Ort, proteſtantiſch ſelbſt werden verſpricht ih auch namha⸗ und Bethäuf von Preußen noch deſſen oder lang de des Königs Der In! „Ihr habt E er;„ſo lang eigen nennt, Lehren zu der Proceß miti „Was i


