Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
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at Alſo 1 in den Carmes, Force und in der bei dem verah⸗ aträger in rothen africhter grüßen.

ſüimnt, hatte ſc unterwegs einge⸗ inken und Singen els und der Pike, hen ſollte. End⸗ n engen Straßen, Volk voller Neu⸗ welche man dieſer Sie erreichte end⸗

ruahgeſchrei ſollt.

ibre Ankunft an⸗

blieb geſchloſſen. verabredeten zwei

pore, welches feſt tte der Concierge

d Kolben gegen

üfind ſie Alle entflohen.

Vierte

wortet aus dem Innern; ein unheimliches Schweigen herrſcht daſelbſt; das Thor bleibt zu.

Die Bande wird unruhig. Man fragt ſich, ob Andre vielleicht zuvorgekommen ſeien, ob am Ende ſchon Alles vorbei, St. Pelagie ein Grab ſei.

Bouchotte! Bürger Bouchotte! ſchreit die Menge.

Alles ſtill, nach wie vor.

Man dringt in die benachbarten Häuſer, um über die Mauern hinwegſehen zu können und zu ent⸗ decken, was in St. Pelagie vorgefallen. Zugleich macht man ſich an das Stürmen des Thores und nach einiger Zeit bricht daſſelbe aus ſeinen Angeln.

Die Bande dringt neugierig und wüthend in den Hof, ohne Jemand zu ſehen; ſie ſucht in dem Gefäng⸗ niß und findet Niemand. Endlich trifft ſie in einem Zimmer den Wächter Bouchotte und ſeine Frau. Aber wie? Beide gebunden und unfähig, ſich zu rühren.

Ihr kommt zu ſpät, Bürger! ruft Bouchotte ſcheinbar troſtlos.Die Gefangenen hatten Nachricht von Eurer Ankunft erhalten, und haben ſich empört. Nachdem ſie uns, wie Ihr ſeht, gebunden hatten, Sie ſind Alle fort, die Böſe⸗ wichter!

Die Mörder waren voͤllig conſternirt über dieſe

Flucht der Unglücklichen das hochherzige Werk des Wächters geweſen war, der ſie von Allem, was ihnen bevorſtand, unterrichtet und durch einen geheimen Ausweg entlaſſen hatte, während Einige ihn und ſeine Frau zuvor noch binden mußten, als Beweis für die Mörder, daß er unfähig geweſen, ſich von der Stelle zu rühren. Die enttäuſchte Racheſchaar befreite die braven Leute und zog dann ſchimpfend ab, um in Bieétre ſich für das in St. Pelagie ſo ſeltſam vereitelte Gericht zu entſchädigen.

Nicht unerwähnt darf hierbei auch der Concierge Benoit vom Luxembourg⸗Gefängniſſe und ſein braver Schließer Rifäut bleiben.

Rifaut war ein gewiſſenhafter, unerbittlicher, un⸗ beſtechlicher Beamter. Es war ein Wunder, daß er ſich dazu verſtanden hatte, auf die flehentlichen Bitten einer der Gefangenen, einer als verdächtig eingezogenen jungen Frau, Johanna Faurie, ihr Feder, Tinte und Papier zu geben. Ja, er that noch mehr; er gab ihr ein Meßbuch zum Leſen und Gedichte; er gab ihr, die von Allem entblößt war, ſogar Geld von ſeinem kärglichen Lohn.

Und wodurch geſchah dies Wunder?

Als ihn Frau Faurie fragte, weshalb er ſo viel

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Antheil nehme und als ſie ſich bei ihm für ſeine Wohlthaten bedankte, da ſagte er:

Es handelt ſich um meinen Poſten, meine Ehre, vielleicht um mein Leben! Aber was thut es? Be⸗ fehlen Sie, ſprechen Sie, ſagen Sie zu Ihrem ergebenen Diener: Steh' auf! und ich werde mich erheben; auf die Kniee! und ich werde niederfallen; geh! und ich werde gehen; gehorche! und ich werde gehorchen; ſtirb! wenn es ſein muß, und ich werde ſterben.

Eines Abends trat Rifaut haſtig in die Zelle von Johanna Faurie; er war bleich, verſtört, aufge⸗ regt; er zitterte, er weinte faſt, als er ſeine Gefangene anblickte.

Was haben Sie? fragte die junge Frau. Läßt mich der Henker rufen?

Der Henker wird zu ſpät kommen! rief der Schließer in Ekſtaſe.Der Henker ruft Sie erſt morgen und ſchon dieſe Nacht werden Sie entfliehen! Vorwärts! Muth, Energie und folgen Sie mir! Schnell, ſchnell! Hier ein Anzug, der Sie unerkenntlich macht, hier etwas Geld für die erſten Bedürfniſſe, und nun gehen Sie mit Gott! Ich bin gekommen, um Sie zu retten, und ich werde Sie retten! Verzeihen Sie mir, daß ich zittere und weine wie ein Kind, wie ein

Kolge.

Unverſtändiger! Mir iſt aber, als blicke ich Sie zum letzten Male an, als würde ich Sie nicht wiederſehen! Leben Sie denn wohl! Und vielleicht denken Sie

Entdeckung. Sie argwöhnten auch nicht, daß die an den Schließer des Luxembourg⸗Gefängniſſes zu⸗

rück, wenn Sie nichts Beſſeres zu thun haben.

Frau Faurie ſtieg nach dieſen Worten auf einen Saene und hob ſich bis zu dem vergitterten Fenſter empor, welches außen von Winden umrankt war, die ſich die Schließer dort gepflanzt hatten. Traurig nickte eine rothe Windenblüthe in das Fenſter hinein. Die junge Frau, die ſich darüber ſo oft gefreut und beim Anblick dieſer Blume ſich getröſtet hatte, brach ſie und ſtieg dann wieder herunter.

Sehen Sie dieſe einfache, unſchuldige Winde, ſagte ſie,ein hubſcher Schmuck, nicht wahr? Und dabei hielt ſie ſie gegen ihre Bruſt und betrachtete ſie halb mit Koketterie, halb mit Rührung. Dann fuhr ſie fort:Nun, Bürger Rifaut, nehmen Sie dieſe Blume und bewahren Sie ſie als ein Andenken an Ihren unglücklichen Schützling.

Ich ſchwöre Ihnen, daß ich dies Andenken be⸗ wahren werde, antwortete der Schließer und drückte die Blume der Gefangenen an ſeine Lippen.

Die Flucht von Johanna Faurie gelang und blieb ein Geheimniß während acht Tagen. Morgens und Abends fuhr nach wie vor der Schließer Rifaut fort, die Zelle zu beſuchen, wie er vorgeſchriebenermaßen zu thun hatte, und Niemand ahnte, daß die ſchöne