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geräuſchvolle Leben der großen Höfe behagte dem Denker nicht, der jede Spanne Zeit zur Heilung der Wunden benutzte, die der Krieg dem Lande geſchlagen hatte, deshalb zog er vor, nicht in Strehlen ſelbſt, ſondern in dem benachbarten Dörfchen ſeinen Wohnſitz zu nehmen, um ſich ungeſtört den Staatsgeſchäften und daneben ſeinen kleinen Liebhabereien widmen zu können.
Unter den Perſonen, denen die Ehre zu Theil ward, mitunter vom Könige zur Tafel gezogen zu werden, befand ſich der Baron Heinrich Gottlob von Warkotſch, einer der reichſten Edelleute Schleſiens, der bei dem Monarchen in außergewöhnlich hoher Gunſt ſtand.—
Auf welche Eigenſchaften des Barons dieſe Gunſt ſich gründete, konnte Niemand enträthſeln, denn War⸗
kotſch war weder ein liebenswürdiger Geſellſchafter,
noch ein wiſſeuſchaftlich gebildeter Mann, vielmehr juſt das Gegentheil von alle dem, ſtolz, mit einem un⸗ ausſtehlichen Eigendünkel behaftet, herriſch und jäh⸗ zornig.
Noch vor ſechs Jahren Hauptmann im öſter⸗ reichiſchen Regimente Botla, hatte er kurz vor Be⸗ ginn des ſiebenjährigen Krieges die Herrſchaft Schön⸗ brunn nebſt dem Stammſchloſſe im Geſammtwerthe von dreihunderttauſend Reichsthalern von ſeinem Bru⸗ der geerbt. Dieſe ebenſo unerwartete, als willkom⸗ mene Erbſchaft veranlaßte ihn, dem Kriegsdienſt zu entſagen und ſeinen Wohnſitz in Schönbrunn zu nehmen, wo er nicht nur dem Preußenkönige den Unterthanen⸗Eid leiſtete, ſondern auch zu wiederholten Malen den großen Friedrich als Gaſt unter ſeinem Dache ſah.
Die Gunſt des Monarchen erſtreckte ſich ſo weit, daß der Baron der Verpflichtung, gleich den Bürgern und Bauern der Provinz, zur Beſtreitung der Kriegs⸗ koſten das Seinige beizutragen, enthoben wurde.
So oft auch die Landſtände ſich hierüber be⸗ ſchwerten und dem Könige vorſtellten, daß die Partei⸗ lichkeit ungerecht ſei, ward die betreffende Cabinetsordre doch nicht zurückgenommen.——
An einem rauhen Novembertage waren im Vor⸗ zimmer zum Speiſeſaale des Königs zwei Männer in lebhafter Unterhaltung miteinander begriffen.
Der eine, ein ſchon ziemlich bejahrter Mann, in deſſen Zügen Verſchwiegenheit, Charakterfeſtigkeit und treue Anhänglichkeit ſich ſpiegelten, war Maßmann, der vertraute Kammerdiener des Königs; der zweite, ein blühender Jüngling, trug die Uniform eines Zie⸗
then’ſchen Huſaren.. .„Wie geſagt, guter Freund, auf den Beiſtand Seiner Majeſtät darf Er in ſeiner Angelegenheit mit dem Baron von Warkotſch nicht rechnen,“ ſagte Maß⸗
Novelleu⸗
Zeilung.
mann achſelzuckend, deſſen Blick mit dem Ausdruck des Wohlgefallens auf dem jungen Mann ruhte.“
„Aber ich beſchwöre Sie, Maßmann,“ bat der Huſar,„an wen ſoll ich mich wenden, wenn der König Gerechtigkeit mir verweigert?“
„Das nennt Er Gerechtigkeit, wenn der König ſich in Seine Liebeshändel miſchen ſoll?“ erwiderte
der Kammerdiener.„Seine Majeſtät haben mit den Oeſterreichern und Ruſſen vollauf zu thun, ſie denken nicht daran, ſich auch noch um die Liebesaffären der Unterthanen zu kümmern.“
Der junge Mann hatte ſich von dem Schemel, auf welchem er ſaß, erhoben.
„Sagen Sie ſelbſt, Maßmann, ſtelle ich an Seine Majeſtät ein ungebührliches Verlangen?“ fragte„er, dem alten Diener treuherzig in's Auge ſchauend. „Maxia war und iſt noch meine Braut vor Gott und den Menſchen, wir hatten den Tag zur Hochzeit ſchon feſtgeſetzt und glaubten uns dem Ziel unſerer Wünſche nahe, da plötzlich läßt Warkotſch das Mädchen in's Schloß rufen, die Baronin wird gezwungen, ſie in Dienſt zu nehmen, und nun erklärt der Baron, er ſei der Vormund Maria's und ihm allein komme es zu, über ihr ferneres Schickſal zu beſtimmen.“
„Hm, ich finde in Seinem Bericht keinen Zu⸗ ſammenhang,“ventgegnete Maßmann. hin, die Eltern Seiner Liebſten ſeien mit Seiykr Bewerbung einverſtanden geweſen. Wie kann der Baron ſich zum Vormund eines Mädchens aufwerfeu, deſſen Eltern noch leben?“
„Das Alles wollte ich Ihnen ja vor einer halben
Stunde ſchon auseinanderſetzen, aber Sie laſſen mich
nicht zu Wort kommen,“ fuhr der Huſar fort. bin der Sohn brunn—“
„Na, wie heißt Er denn eigentlich?“ fiel Maß⸗ mann ihm in die Rede.„Wenn ich für Ihn ſprechen ſoll, muß ich doch Seinen Namen wiſſen.“
„Anton Winkler,“ ſagte der junge Mann unge⸗ duldig.„An das Gut meines Vaters grenzt der Garten unſres Nachbars, des Landmanns Halbach, deſſen einziges Töchterchen Maria meine Schul⸗ und Spielgefährtin war.“
Maßmann nickte bedeutſam mit dem Kopfe, während ein vielſagendes Lächeln ſeine Lippen um⸗ ſpielte.
„Als wir die Schule verließen, nahmen die Spiele und Plauderſtunden ein Ende, nichts deſto weniger ſuchten und fanden wir faſt täglich Gelegenheit zu vertraulichem Beiſammenſein.“
„Ganz natürlich!“ fiel Maßmann
„Ich eines reichen Bauern aus Schön⸗
ihm in’s
Wort.„Die Hecke, welche das Gut Seines Vaters
„Er ſagte voß⸗
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