Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
476
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Die Tage und Wochen, welche auf dieſes Ereigniß folg⸗ ten, ließen Adelen wenig Zeit, darüber Betrachtungen anzu⸗ ſtellen. Obſchon die beiden Schweſtern mit einem Fleiße und einer Beharrlichkeit arbeiteten, die bald ihre Spuren auf ihren blaſſen Geſichtern und in ihren traurigen Augen hinterließen, ſo waren ſie an alle Künſte der Armen doch ſo wenig gewöhnt, daß ihr Verdienſt ſtets weit hinter ihren Ausgaben zurückblieb. Ein kleiner Luxusartikel nach dem andern mußte verkauft wer⸗ den. Tag für Tag, wenn ich im Stande war, ſie zu beſuchen, bemerkte ich mit tiefem Schmerze das allmähliche Verſchwin⸗ den der wenigen kleinen Ueberbleibſel ihres früheren Reich⸗ thums und der Eleganz, die ſie aus dem allgemeinen Schiff⸗ bruch zu retten vermocht hatten. Ihr Schlafzimmer war jetzt nie geheizt, obſchon es ſehr kalt war; auf der Toilette waren keine Verzierungen mehr zu ſehen; die letzte Broche und der letzte Ring waren von ihrer Kleidung verſchwunden. In der einen Woche bemerkte ich, daß das Schreibepult ihres Vaters nicht mehr vorhanden war, in der nächſten Woche war das oſt⸗ indiſche Arbeitskörbchen ihrer Mutter nicht mehr zu ſehen; und nachher bemerkte ich, daß ſie zu wünſchen ſchienen, ich möchte ihr Schlafzimmer nicht mehr betreten, und ich lernte den Grund davon kennen, als ich bei einem Bilderhändler die ſchönen Porträts ihrer Eltern bemerkte, von denen ſie ſich zu allerletzt getrennt hatten. Es war eine herzbrechende Lage.

Eines Tages klopfte ich an ihrem Hauſe und brachte einige ſtärkende Speiſen mit, welche meine eigne Armuth ihnen anzubieten erlaubte. Florence öffnete die Thür, und während ſie mich in ihr Arbeitszimmer führte, ſagte ſie:Gehen Sie noch nicht hinauf, Adele iſt nicht ganz wohl. Ich habe ſie beſtimmt, ſich zu Bette zu begeben; es iſt nichts als eine Er⸗ kältung. Sie ſollen ſie ſpäter ſehen, aber ich habe Ihnen vor⸗ her etwas zu erzählen.

Liebes Kind, ſagte ich,beunruhigen Sie ſich nicht. Wie blaß Sie ſind! Setzen Sie ſich; ich will ſo lange hier bleiben, als ſie es wünſchen.

O, Frau B, Sie wiſſen nicht Sie können ſich nicht denken, was ſich zugetragen hat! Dieſes ſchreckliche Haus! Ich darf nicht darin bleiben! Und doch müſſen wir vor Hunger ſterben oder ins Armenhaus gehen, wenn wir es verlaſſen. O, es iſt ſo ſchrecklich! Mir iſt es einerlei; Sie wiſſen, ich bin ſtark; aber Adele Niemand weiß, was Adele iſt, welch ein Engel Gottes ſie während dieſes ganzen Jahres voller Elend geweſen iſt. O, möchte doch Gott mich ſterben laſſen und ſie von dieſer Todesqual befreien!

Die arme Florence legte ihren Kopf auf den Tiſch und ihr ganzer Körper zitterte von der Heftigkeit dieſes Ausbruchs ihres Grams. Ich war ſehr beängſtigt, doch zuletzt gelang es mir, ſie ein wenig zu beruhigen nnd veranlaßte ſie, mir, obwohl etwas unzuſammenhängend, die folgende Erzählung mitzutheilen:

Wir gingen in der vorigen Nacht ziemlich früh zu Bett;

Adele war nicht ganz wohl und ich beredete ſie dazu, das zu

thun. Sie fiel in einen tiefen Schlaf, und dann, weil noch ein großer Theil der Arbeit zu beendigen war, auf deren Ab⸗ lieferung Miß G am heutigen Tage beſtand, ſo ſtieg ich wieder auf und ſchlich mich hierher, um dieſelbe zu beendigen. Natürlich zündete ich nur eine Kerze an und wie ich vermuthe,

war das der Grund, weshalb ich nervös ſo aufgeregt war

und außerdem war es ſehr kalt; aber ich nahm mich in Acht, mich in der Stube umzuſehen und arbeitete fort, obſchon ich

mich unwohler fühlte und mir allerlei einbildete, was um mich

Novellen⸗Jeitung.

Es war nicht in dem Zimmer über dieſem hier, ſondern in

dem großen Geſellſchaftszimmer über dem Speiſezimmer; zu⸗

erſt hörte ich eine ſcharfe, zankende Stimme und dann eine

ganze Menge anderer Stimmen, unter denen ſich eine ganz

tiefe, gleich dem tiefſten Organ befand.

Unſinn, liebe Florence; es war nichts weiter, als Ihre

nervöſe Einbildung.

Adele hatte mir insgeheim anvertraut, was ſie gehört

hatte, aber ihrer Schweſter nie etwas davon geſagt und ich

war über die Aehnlichkeit ihrer Erzählung vor Schrecken ganz

außer mir.

Nein, nein, Miſtreß B, fuhr Florence mit ver⸗ mehrter Heftigkeit fort,es war keine Einbildung. Ich hörte die Stimmen, wie ich die Ihrige höre. Ich konnte mich nicht regen; mein Herz ſtand ganz ſtill; ich ſaß dort, ich weiß nicht wie lange, und horchte auf ſie. Ich würde die ganze Welt darum gegeben haben, bei Adelen zu ſein, aber ich wagte es nicht, die Treppe hinauf zu gehen. Zuletzt Sie werden es mir nicht glauben, aber es iſt doch wahr hörte ich Tritte auf der Treppe ſehr viele Tritte als wenn vierzig bis funfzig Perſonen herunter gingen, die während der ganzen Zeit miteinander plauderten. Ich glaube, ich ſank in Ohn⸗ macht; ich erwartete, ſie würden in dieſes Zimmer treten; und ich weiß nicht, was ſich zutrug, bis ich ſie in dem Speiſe⸗ zimmer hörte. Ja, dort! durch dieſe Doppelthür! ich ſage Ihnen, ich hörte ſie. Es waren Stimmen von Männern und Frauen, welche plauderten und lachten. Ach, ein ſolches ſchreckliches, hohles, bitteres Gelächter, es erſtarrte mein Blut ganz; und dann klangen die Gläſer, als wenn ſie ſchmauſten. Und das dauerte lange Zeit, ſo lange, daß ich glaubte, ich ſei wahnſinnig geworden, während ich zuhorchte. Zuletzt ertönten drei ſchreckliche Töne, die ich gar nicht be⸗ ſchreiben kann, und dann wurde Alles ſtill. Was konnte das Alles ſein? Was denken Sie davon?

Alles war eine Folge Ihres zu ſehr angeſtrengten Ge⸗ hirns, meine theure Miß Florence. Ich hoffe, Sie haben Miß Rockingham nichts davon erzählt.

Nun, als ich zuletzt im Stande war, die Treppe hin⸗ auf zu gehen, fand ich ſie noch ſchlafend und ſo dachte ich, ich wollte damit warten, bis ich Ihnen erſt Alles erzählt hätte.

Das war von Ihnen ſehr klug. Es muß Alles Ein⸗ bildung ſein; aber Sie ſind nicht im Stande, liebe Florence, dieſe einſamen Nachtwachen zu ertragen. Erlauben Sie mir, zu kommen und einige Nächte bei Ihnen zu bleiben, bis Ihre Nerven ſich wieder beruhigt haben. Ich bin überzeugt, Lady F wird mir erlauben, hierher zu gehen, wenn meine Zöglinge zu Bett ſind, und des Morgens in das Fſche Haus zurückzukehren.

Die arme Florence verſuchte, mein Anerbieten abzu⸗ lehnen, aber es war zu offenbar nothwendig; und wir trennten uns mit dem Uebereinkommen, daß ich, wo möglich, um elf Uhr zurückkehren und das Zimmer der Schweſtern für die Nacht theilen und abwechſelnd mit ihnen arbeiten und ſchla⸗ fen wollte.

Durch einen Zufall, welcher mir zu der Zeit höchſt un⸗ glücklich erſchien, verſtauchte ſich eine von meinen Zöglingen an dieſem Abend einen Fuß ſehr heftig, und da ſie wehklagend und an einem heftigen Fieber leidend im Bett lag, ſo war es mir gänzlich unmöglich, ſie zu verlaſſen. Ihre Mutter war in das Schloß zu einem Diner und Ball gegangen und es war nicht zu erwarten, daß ſie vor drei oder vier Uhr des

her ſei.

Zuletzt es war durchaus keine Einbildung hörte ich in dem Zimmer über mir ganz deutlich ein Geräuſch.

Morgens zurückkommen werde, und daher war ich gezwungen, ſelbſt nach dem Arzte der Familie zu ſchicken und am Bette

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ſetzte

dürden und üiteract hört Florence erzählle gehört hatte, gar ich in det elſten doch da wit du weiter als in de worden war, ſü Nur befand ſich ſobald ich ſie ver es gar nicht be hinter ihrem Ta Sie ginge zu ihrem Abende Während dieſer, uns nicht erklär ich mir ein, ich Entfernung iſtſ und dann war von Jeit zu Je für das Klinge Norenc die Thür zu öff ich zu thun vern letzt hörten wir Ende erklangen nahmen wir un daß Sie da w vir ſehr erſchr de Trexenuh unſerer Kerze und hörten nicht jimmers kamen, ich hatte ſie d gingen, und wir ahne zu wiſſen pehen und die dunnd darin ſu dachte ich. irſs derlaſſen ſtanden ins Zin n Sthiſſ laſſe, das und) mich nicht alla