Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
474
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Hüten wir uns davor, dieſe Bilderſprache in ein lächerliches Licht zu ſetzen, mag ſie uns noch ſo phan⸗ taſtiſch und ausſchweifend erſcheinen. Wenn ſonſt nichts, ſo müßte uns die Thatſache zurückhalten, daß ähnliche Denkbilder bisweilen mit noch ausgeprägteren Zügen von Männern ausgeſprochen worden, deren Verdienſt unzweifelhafter feſtſteht, weil ſie, in gün ſtigeren Zeitumſtänden lebend, eine beſtimmte Spur ihrer geiſtigen Zeugungsfähigkeit zurückgelaſſen haben.

Wo ſollte man in der That einen inneren und weſentlichen Unterſchied finden zwiſchen dem Archäus des Paracelſus und derSeele Stahl's? jener Seele, ohne welche kein Fieber beſtehen ſollte, welches er, in vorgefaßten Meinungen befangen, den Thieren ab⸗ ſprach, eben weil er in ihnen die Seele leugnete? Nach Stahl wäre es die Seele, die das Fieber erzeugt, um auf nachdrückliche Weiſe den Krankheitsſtoff aus⸗ zuſcheiden und ſolchergeſtalt die Zeichen einer heftigen Krankheit hervorzubringen. Wenn die Seele dagegen ſaumſelig iſt in ihren Anſtrengungen, um den ſchäd⸗ lichen Einfluß zu bekämpfen, wenn es ihr an dem nöthigen Nachdruck des Handels gebricht, dann ent⸗ ſtehen die ſchleppenden Krankheiten, die auch Heinrich Heine als das Anzeichen ſchwachen Geiſtes und trägen Sinnes anſah.

Dieſe Seele, die mit der Krankheit im Kampfe begriffen iſt, zog ſich ſpäter zurück, um einem andern abgezogenen Begriffe das Feld zu räumen, der Natur⸗ heilkraft nämlich, die von Sydenham und tauſend weiſen Aerzten gefeiert um nicht zu ſagen angebetet ward. Und es war wenigſtens ein heilſamer Gottesdienſt, den die Verehrung der geſammten Natur unter dem Bilde einer Kraft eingab, die nicht ſowohl gegen die Krankheit, als gegen die Verwegenheit un⸗ geſtümer Aerzte gerichtet war, die das Krankſein unter der Geſtalt eines zu erdroſſelnden Ungeheuers vor⸗ ſtellten.

Wären dieſe Ungeheuer nur noch immer als Weſen gedacht worden, die der Organismus unter telluriſchen Einflüſſen erzeugte, und deren Wirkungen, weil ſie in regelmäßiger Verbindung nnd Reihenfolge wieder⸗ kehren, dem Sydenham Anlaß boten, ſie zu dem ontologiſchen Bilde ſpecifiſcher Krankheiten zu vereini⸗ gen! Aber die Schule Schönlein's, die aus andern Gründen ſo gerechte Anſprüche auf Anerkennung be⸗ ſitzt, hat vorübergehend in unſerm poſitiven Jahr⸗ hundert die Geſchmacksrichtung des Paracelſus wieder heraufbeſchworen, indem ſie die Krankheiten mit den individuellen Zügen ſchmarotzender Weſen belehnte, die in ein künſtliches Syſtem eingereiht wurden, nach Art des Sexualſyſtems, welches Linnaeus mit ſo viel

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Novellen⸗Jeitung.

beſſerem Erfolg für das Pflanzenreich ausfindig ge⸗ macht hat.

Allein wir ſind noch weit entfernt von der Be⸗ trachtung der Zeiten, in welchen die analytiſche Art⸗ unterſcheidung ſich ein anderes Mal, als wollte ſie ſich an jugendlichen Erinnerungen weiden, dem poe⸗ tiſchen Geſchmack des Perſonificirens überließ. Aus dieſem Hange, der eine einzige perſönliche, d. h. der Leidenſchaften und Willensregungen fähige Urſache angab, um zuſammengehörige Reihen von Lebenser⸗ ſcheinungen zu erklären, entſtammten wie aus gemein⸗ ſamer Quelle das allgemeine Heilmittel für alle Krank heiten, das Lebenselixir, das Alkaheſt, oder jene räthſelhafte Flüſſigkeit, die im Stande ſein ſollte, alle Stoffe aufzulöſen.

In dem werkthätigen Leben halten ſolche Allge meinheiten nicht Stich, mögen ſie auch in einem glühen⸗ den Gehirn entſprungen ſein. An das Alkaheſt glaubt Niemand mehr, ſeitdem man weiß, daß Platin und Gold, um ſich aufzulöſen, des Königswaſſers bedürfen, und Panaceen können kein Vertrauen mehr erwecken, ſeitdem man die fiebervertreibende Kraft der China⸗ rinde entdeckt hat. Anders verhält es ſich mit den theoretiſchen Erklärungen. Die Lebensgeiſter von Willis, der Nervenäther von Robinſon, das Enormon, welches Börhave zwiſchen Geiſt und Stoff einzuſchieben beliebte, finden ſich wieder in der Zeit des Sauer⸗ ſtoffs und des Galvanismus alsNatur bei Borden, als Lebensprincip bei Barthez, als Bildungstrieb bei Blumenbach, und ſogar alsZoogen, in welchem Schönlein die Grundlage des thieriſchen Lebens er⸗ blickte.

Es handelt ſich indeſſen nicht darum, an dieſer Stelle nachzuweiſen, bis wohin der Zauber eines Zeitalters reicht, das ich als das vitaliſtiſche, teleo⸗ logiſche, poetiſche unſerer Wiſſeuſchaft bezeichnen möchte. Auf charakteriſtiſche Weiſe gebührt der Name nur dem langen Zeitraume von Hippokrates bis auf Galilei (von 430 v. Chr. bis auf 1600 unſerer Zeitrechnung). In ihm allein begegnen wir der unbefangenen Un⸗ mittelbarkeit, die von der Herrſchaft mechaniſcher, phyſiſcher, chemiſcher Geſetze in den Lebenserſcheinungen nichts ahnte, weil ſolche Geſetze noch gar zu ſpärlich waren; und die wenigen, die man erkannte, erſtreckten ihren Einfluß nicht auf das Gebiet der Heilkunde. Es beſtand noch kein Gegenſatz zwiſchen der poetiſchen, teleologiſchen, vitaliſtiſchen Vorſtellung und der wirk⸗ lichen, urſächlichen, natürlichen Darſtellung der Dinge, weil das Senkblei der Phyſik in den geheimnißvollen Strudel des Lebens noch nicht eingedrungen war. Die Einheit des letzteren war noch nicht bedroht, weil

man nicht daran denken konnte, es zu zergliedern.

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Nach dem

Es mochte Adele durch Tön Mdigkeit und! Näheres anzuget immer in More⸗ ffüllt wären, 1 dort verſammelt dieſelben Töne de ihr Ohr drängen. ein und erinnert ſchmerzlichen Art von der war, i ſetzt halte. Cs ſich Töne in der Zimmer unter! einer beunruhige ſo, wie man ſie Geſellſchaft vor Als Adele aufme eine männliche unangenehmen ſcharfe, ſchrille konnte. Es war lich Entdeckung, Perſonen mit in die alte Frau, u beſtimmen, zuji ſtlofen, aber d ſohe Entſchädig datt, auf dieſe n dauſes der

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