470 Novellen⸗Feitung.
aus Beſcheidenheit thät, die mir gar eigen wär, ſo wollte er dennoch nicht darnach fragen, und bat er mich nochmals, ihm nicht zu verſagen, warum er mich anflehte. Da ſprach ich nun: Lieber Ritter, wenn ihr wähnet, daß es ein Glück ſei, euch mit mir zu verbinden, das ich kaum glauben kann, ſo will ich euch gern geſtehen, daß ich es für mich zu ſein achte, wenn ihr mich liebet, und da gab ich ihm die Hand, und war er gar vergnügt darüber. Hernach hab ich den Ritter gebeten, davon ſtill zu ſein, bis daß ich das Leid abgelegt um Ritter Marquard, und hat er mir das verſprochen und ſollen wir erſt in drei Mon⸗ den die Hochzeit vollziehen, und hat er mich darauf verlaſſen. Habe darauf gar ernſtliche und trübe Stunden gehabt, und lange dem nachgedacht, was mir jetzt in drei Jahren widerfahren, und iſt mir mein Leben wie ein Traum vorkommen. Hab frohe Tage gehabt, bin hernach betrübt worden, da mein Hainz geſtorben. Bin wieder fröhlich worden durch Ritter Marquard, und in den größten Jammer ver⸗ ſunken durch ſeinen Todtſchlag. Hernach hat mich Ritter Hans herausgeriſſen, und was mir jetzt noch vorſteht, das weiß Gott, und dem will ich es heim— ſtellen. Hab mir vorgeſetzt, ihn zu ehren, meinen Mann und Kind lieb zu haben, und meinen Pflichten zu folgen. So jung ich noch bin, da ich noch nicht 25 Jahre alt, iſt mir doch die Jugendluſt wohl ver⸗ gangen durch das, was ich hab erdulden müſſen, und werde ich vor der Zeit ernſthaft und alt werden. So alt ich aber ſein werde, und ob ich glücklich oder unglücklich ſein mag, ſo will ich doch meine Teutiche lieb haben, die mich auch lieb hat, und ſich freut, wenn es mir wohl geht. Das bitte ich dich noch, daß du auch noch Niemand ſageſt von dem, was ich dir geſchrieben habe, auch deiner Schweſter nichts merken laſſeſt, da ſie eine gute Frau iſt, aber nicht ſchweigen kann. 4
XXX.
Nun bin ich allein und iſt Ritter Hans nach Königseck zogen auf ſein Schloß, und will dort Ord⸗ nung machen, ehe denn er mich dahin bringt, und haben wir beſchloſſen, die Hochzeit hier zu halten in Augsburg bei meinen Freunden. Doch iſt mir gar nicht bange, und wird mir deine Schweſter nimmer Muth machen, zur Hexe zu gehen, doch iſt mir noch im Gedächtniß, was ſie geweiſſaget, und hoffe ich, daß ich jetzt ſoll ſattſam geweinet haben. So wollen wir aber die Hochzeit gar in der Stille halten und Niemand dazu bitten, als unſere nächſte Geſippte; ſagt man ſchon gar viel davon in der Stadt, doch nichts Böſes.
XXXI.
Nun iſt Ritter Hans glücklich wieder kommen von ſeiner Reiſe, wie ich wohl gewünſcht und gehofft habe, und haben wir große Frende gehabt, da wir einander wiedergeſehen. Iſt jetzt wieder unruhig in der Stadt, und ſind die Herzöge wieder hier, haben Stechen und Tänze angeſtellt, ſo mag ich aber bei keinem ſein, wiewohl alle Geſchlechter und Frauen und Jungfrauen, und viel Fremde von Adel dabei ſind, darum, daß ich keine Freude mehr daran habe.
XXXII.
Jetzt bin ich Frau von Königseck, und vor vier Tagen eingeſegnet worden, und hat das gethan der würdige Herr Dom⸗Dechant zu Unſer lieben Frauen, der ein naher Vetter iſt zu meinem Mann, in St. An⸗ ton⸗Kapelle, die mein Vater geſtiftet hat, und darin begraben liegt mit meiner Mutter. Hernach haben wir eine Mahlzeit gehalten, und iſt es gar ſtill und ehrbar dabei zugangen, doch geſcherzt worden und guter Muth geweſen, und hat ein ehrſamer Rath den von Königseck und den von Schellenberg Wein geſchenkt auf unſere Hochzeit. Sagen alle Leute, daß ich glücklich ſei, und bin ich gar froh, da mich Ritter Hans ehret und liebet, und thut das auch die Frau Burggräfin, ſeine Schweſter, und alle Geſippte, die hieher kommen ſind zur Hochzeit. So wollen wir nun nach dem neuen Jahre abreiſen von hier, im Namen Gottes und aller Heiligen, und fürchte ich mich nicht ſehr darauf, da ich weiß, daß Ritter Hans keinen Feind hat, und daß man ihn allenthalben liebet, und ſobald ich werde anlangen zu Königseck, will ich dir wieder ſchreiben.
XXXIII.
Hoffe, liebe Teutiche, daß du jetzt wieder recht geſund und von deinem Siechthum befreit ſein mögeſt, wiewohl ich von deiner Schweſter gehört habe, da ich Urlaub(Abſchied) von ihr genommen, daß es noch nicht beſſer werden wolle, das ich aber jetzt hoffe und wünſche. Habe dir lange Zeit nicht ſchreiben können, weil ich wohl in Unruhe geweſen und nach Königseck gezogen, und iſt das ſchon vor drei Wochen geſchehen, ſo hab ich aber zum Einpacken und Ur⸗ laubnehmen und zum Auspacken und Einrichten wohl Zeit nöthig gehabt. Iſt mich hart ankommen, Augs⸗ vurg zu verlaſſen, und ſo viel gute Freunde, und hab ich wohl geweint, meinen Geſippten, und haben ſie auch faſt geweint um mich, und iſt mir auch in Sinn kommen alle das Unglück, das ich vormals erduldet, da ich daraus ge⸗ zogen, wiewohl ich keine Angſt noch Kummer für dieſes Mal gehabt habe, ſo hat mich Ritter Hanſens Liebe und Gunſt, und das Zutrauen, das ich zu ihm
da ich Urlaub genommen von
voh gittr Gunc, d den die Koͤnigs habe vor Jeite Berg, in eint
Feeyde, da
eingehauſet, ſein, und die weil mich mel- viel Freude ſchönes Jagen liebet, auch hab und viel Obſt Fiſcheiche und Mann wit ſeit Krieg wit ihne das vicht leich werth halten.
daß ſie mir Trübſalen, di fehlt mir nich auch wohl ſe wenn du nicht wirſt, da ich Zeit habe, no wünſche ich d geneſen, das
Dieſes iſ Königseck an d Nachrichten iſt vierigen Kran Jaiſwechſel 4 von Königseck auls däſer Eh ſie nochnals elne Frau da thaͤterin der


