454 Vovellen⸗Zeitung.
glauben, und wär es kein Wunder, wenn ich vor Angſt und Kummer wär zergangen, hätte mir nicht Gott beigeſtanden und die heilige Mutter Gottes, daß mich Ritter Hans von Königseck hat errettet. So will ich dir nun erzählen, was ich erlitten habe. An dem Tag, wie wir abgeritten waren von Augs⸗ burg, da war es gar ſchön und heiter und hatten wir guten Weg, und hofften wir bald auf dem Schloß Seyfriedsberg anzukommen. So mußten wir aber ſtille halten zu Geſſertshauſen, das halb Weg iſt und unſere Pferde füttern und beſchloſſen wir, unterdeſſen in die Kirche zu gehen und zu beten. Es iſt nicht weit davon eine gar ſchöne Kirche, die man Diekirch heißt, und hielten wir uns daſelbſt auf wohl eine Stunde. Da war indeſſen der Abend angebrochen. Mir ward bang, das merkte Ritter Marquard, und lachte meiner, und ſchalt mich zaghaft, tröſtete mich und ſagte, daß wir nichts zu fürchten hätten, und wollte er Fackeln anzünden laſſen, wenn wir zum Walde kämen. Er war guten Muths und Alle, die um ihn waren. Und ritt Herrmann von Schellenberg, ſein Bruder, mit einem Haufen voraus, und wir waren bei einem andern in der Mitte, und ein dritter war bei den Wagen, und war auf dem einen die Magd mit dem Kinde. Und da wir zum Wald kamen bei Uſterſpach, da ließ Ritter Marquard Fackeln an⸗ ſtecken und leuchtete, ſein Bruder aber, Hermann, war voraus geritten. So kamen wir nun in den Wald, und da hörte ich etwas krachen, und ſah, wie Ritter Marquard herabfiel von ſeinem Pferde. Da erſchrak ich und ſchrie: Jeſu, Maria, was iſt das? und kam faſt von Sinnen vor Schrecken und wollte umkehren und aus dem Walde fliehen. Da ſah ich, daß gar viele geharniſchte Reiter aus dem Walde hervorbrachen und über uns fielen, und ihrer vier kamen auf mich, und nahmen mein Pferd beim Zügel und einer mich am Arm, und rannten mit mir hinein in den Wald, und half da kein Schreien noch Wider⸗ ſtreben. Nun ſetzten ſie mich auf einen Wagen, daran ſechs Pferde geſpannt waren, und banden mir die Hände und die Füße und ein Tuch um den Mund, daß ich mich nicht regen noch ſchreien konnte, und iſt nur Wunder, daß ich nicht alle Sinnen verloren habe vor Schrecken und Entſetzen. Da fuhren wir viele Stunden lang durch den Wald in größter Eile, und war ſo Nacht, daß wir nichts ſehen konnten, und wußte ich nicht, wo wir waren, noch hinfuhren, und wer mein Feind war, den ich wohl Ritter Kunzen zu ſein glaubte. Da wir aber gar lange gefahren waren, da kamen wir einen Berg hinan, und hielten da ſtill vor hohen Mauern. So ruft ein Wächter uns an: Wer da? und antwortet Einer: Macht
auf, der Ritter! Da ließ man eine Brücke ab, und öffnete das Thor und fuhren wir hinein, und war mir, wie wenn ich in die Hölle ſollte geführet werden. Da war ich zu Anfang ganz taub, und vermochte gar nicht zu denken, hernach hielt ich Alle, die um mich waren, für böſe Geiſter und Zauberer, die mich ent⸗ führten; hierauf fiel mir Ritter Marquard ein, von dem ich wußte, daß er todt war, und mein Kind, von dem ich nicht wußte, ob es noch lebte, noch wo es war hinkommen, und o, da winſelte ich erbärmlich, und kam ganz von Sinnen, und hätte einen Stein bewegen ſollen, aber die, ſo um mich waren, die waren noch härter. Da wir nun in das Schloß kommen waren, da trug man mich in das Haus eine Stiege hinauf, da ich nicht gehen konnte, und brachte mich in eine Kammer und band mich los. Hernach kam ein altes Weib, das deckte einen Tiſch und brachte Speiſen und Wein, hernach nahte ein Ritter ſich zu mir, da erkannte ich beim Licht, daß es Ritter Kunz war und erſchrak dermaßen, daß ich zu Boden fiel, und war, als wenn mich der Blitz troffen hätte. Da ſprach er, ſollte guten Muth haben, und ſchlafen, ſo wollte er morgen mehr mit mir reden. Darauf ging er und ließ das Weib bei mir, die hieß Berthe, wie ich hernach hörte, und verriegelte die Kammer. Da ſprach Berthe, daß ich eſſen ſollte und trinken, aber ich wollt's nicht thun, war auch unmöglich vor Zähren. Da ſagte ſie, und war ein gar ſchwatzhaftes Weib: ſollte nicht immer weinen, möchte meine Augen verderben, und bald grau werden, das ewig ſchad'
wär, dürfte gar nicht traurig ſein, da hier Niemand
ſei, der mir übel wolle und zumal mich der Ritter gar lieb hätte, das ich erfahren würde. Da ſagte ich zu ihr, ſie ſollte eſſen und trinken, und mich in Ruhe laſſen, der ich wohl Noth hätte. Da aß ſie und trank Alles was da war, ich aber ſetzte mich auf ein Bett und that, als wenn ich ſchlief. Da ſie aber geſſen und trunken hatte, da legte ſie ſich nieder auf Strob, und fing an ſchrecklich zu ſchnarchen, und hat das gewährt die ganze Nacht durch. Und hab ich kein Auge zugemacht und erbärmlich gewinſelt und die Hände gerungen, und war an dem, daß ich ver⸗ zweifelte, und hätte mich nicht die heil. Mutter Gottes geſtärket, ſo hätte ich ein Meſſer genommen, und mir den Hals abgeſchnitten, das ich wohl thun können, und Niemand gewehrt, auch mir der böſe Geiſt eingegeben. So hat mich aber Gott davor ge⸗ ſchützet, und habe ich gedacht, daß er Hülfe ſenden würde, und mich nicht ganz laſſen verzagen. Da ge⸗
lobte ich der heil. Elsbeth einen Altar, wenn ſie mir
beiſtünde, in Augsburg bei den Minner⸗Brüdern. Hernach dachte ich nach dem, was ich zu thun hätte,
„A kongt
hefand mich ſchlecht war! mit eiſernen ih dinausſe Thürme, 1” ank mir de Da wartett Angſt und 5 Kunz bald ko Peile gehart ich gefaßt he die Augen vo Elsbeth, jet gegen mich: ſeid unglück ihr wohl we noch liebe, ihr mich aue Willen, ſo
ihr überlegen Zäͤhren nicht gemacht hat vor mir ſaäͤl ich mir Mül erholte ich n verzeihen, we Schuld dara Marquard b lieb geweſen, däͤtte, um
duar wahr, ſo ſätte ich
auch ſochgeh mir gur ſhr Langen hade wollte, daß


