à&
448 Novellen⸗
in dem er beſonders frei von Schmeichlern iſt. Das Glück trägt nur allzu ſehr dazu bei, uns abzuhalten, unſer Betragen zu prüfen; da aber das Unglück uns dazu leitet, über unſern Zuſtand ernſtlich nachzudenken, ſo iſt es für uns am wohl⸗ thätigſten.“ C.
Ein Phünomen.
Herr Frémy legte der Academie der Wiſſenſchaften in Paris einen Diamant vor, welcher einem Herrn Halphen gehört. Dieſer Diamant, deſſen Werth auf 60,000 Pfd. St. geſchätzt wird, iſt ein wenig gelb. Sobald er aber in eine höhere Temperatur verſetzt wird, verliert er dieſe Farbe und wird roſenroth. Wenn man dieſe letzte Farbe dauernd machen könnte, ſo würde ſein jetziger Werth auf das Dreifache dieſer Summe ſteigen. Bis jetzt iſt es den Anſtrengungen unſeres gelehrten Körpers noch nicht gelungen, die Phos⸗
phorescenz zu fixiren, welcher man die Veränderung der Farbe unter gewiſſen Umſtänden zuſchreibt. C. Misrellen.
Der franzöſiſche Maler Courbet iſt ein neues Beiſpiel eines Mannes, der eines ſchönen Morgens erwacht und ſich berühmt findet. Seit einigen Jahren ſertigte er Gemälde, die nur dann und wann in dem Salon aufgenommen wurden und von denen Niemand Notiz nahm. Zuletzt kam aber die Zeit, die ihn zum reichen Manne zu machen verſpricht. Er ſandte dieſes Jahr das von ihm gemalte Bild La Fomme au Perroquet für die Kunſtausſtellung ein und ſofort wird er zum Maler à la mode. Er verkauft dieſes Gemälde für 7000 Fr. Ein Börſenmakler bezahlt ihm 15,000 Fr. für eine Landſchaft,„La Remise des Chevreuils“ genannt, die im Salon ausgeſtellt war, und beſtellt zugleich bei ihm das Gemälde einer Eva von derſelben Größe, wie das der nackten Dame, welche ihren Papagei liebkoſt, und zu demſelben Preiſe. Les Femmes damnées, ein Gemälde, welches vor drei Jahren von dem Comité in der Kunſtausſtellung nicht zugelaſſen wurde, wurde auch für 12,000 Fr. verkauft und ebenſo ver⸗ ſchiedene Landſchaften im Preiſe von 5,000 bis 12,000 Fr. Courbet's Studio iſt jeden Tag von ariſtokratiſchen Beſuchern überfüllt und es laufen ſo viel Beſtellungen bei ihm ein, daß er auf einige Jahre hinaus vollkommen beſchäftigt iſt. Seine Geſchichte bildet einen großen Contraſt zu der des armen Holtz⸗ apfel, der ſich kürzlich eine Kugel durch den Kopf jagte, weil die von ihm für den diesjährigen Salon eingeſandten Ge⸗ mälde von dem Comité zurückgewieſen wurden. Courbet's Fall ſah eben ſo ſchlecht aus, aber er lebte fort und der glück⸗ liche Tag, an dem die Wendung zum Beſſern eintreten ſollte, trat ſchnell ein,
In Paris werden jetzt in dem früheren Saal Molière Conferenzen gehalten, die ſich weder mit der Politik, noch mit der Literatur befaſſen. Es ſind Verſammlungen von Haar⸗ kräuslern, Herren, Praktikern und Zöglingen. Die ſtärkſten Köpfe der Specialität geben ſich dort Rendezvous. Die Soiréen zerfallen in zwei Theile. C.
Zeitung⸗
Vam deutſchen Büchermarkt.
Das koſchere Haus, Novelle von Dr. Hermann Schiff. Hamburg, Jean Paul Friedrich Eugen Richter, 1866.
Das durch und durch Eigenartige, welches in allen novelliſtiſchen Arbeiten Schiff's lebt, kennzeichnet auch ſeine vorliegende neueſte Novelle, die den 6. Band der von ihm, Kompert und Andern herausgegebenen Sammlung iſraeli⸗ tiſcher Novellen bildet. Unter dem neufranzöſiſchen Plauder⸗ ſtyl, den Hermann Schiff mit vielem Geſchick handhabt, birgt ſich ein tiefergehender Inhalt, der mit Verſtändniß, und oft ſogar mit Wärme, ſociale Fragen der Gegenwart berührt und erörtert. Das Ganze iſt allerdings weniger eine Novelle, als vielmehr eine Erzählung, die aber wohl ſchwerlich Herr Frankheim ſeinem Jugendfreund Caſtromona an einem Abende in einem öffentlichen Locale mitgetheilt haben kann. Die Form der Wiedererzählung iſt eben immer eine mißliche, weil ſie nur in ſehr ſeltenen Fällen die Wirklichkeit für ſich ha Dr. L.
Im Zellengefängniß. Bilder aus der Verbrecher⸗ welt, nach Erfahrungen in einer Strafanſtalt von einem ehemaligen Strafanſtaltsprediger. Zwei Bände. Wittenberg, Hermann Koelling, 1866.
Das unauflöslichſte Räthſel auf der Mutter Erde iſt das Böſe; kein philoſophiſches Syſtem, keine der beſtehenden Religionen hat es zu ergründen, zu löſen vermocht. Es aber ſoviel, als menſchliche Kraft vermag, zu erkennen und ihm zu ſteuern, iſt Pflicht jedes ſich ſeiner ſittlichen Aufgabe bewußten Menſchen. Dieſe zu erfüllen haben auch die 49, die beiden Bände füllenden, nächtlichen Bilder aus der Verbrecherwelt im Auge, und von dieſem Geſichtspunkte aus ſeien ſie in ihrer ſehr ſchlichten Darſtellungsweiſe der Leſerwelt empfohlen. Irgend welchen äſthetiſchen Werth können ſie allerdings in keiner Weiſe beanſpruchen. Dr. L.
Gedichte von Friedrich Carl Schubert. Augsburg, Math. Rieger'ſche Buchhandlung, 1866.
Alles, was Fleiß, redliches Streben und die Bildung unſerer Tage erringen können, das haben die in Rede ſtehenden Gedichte erreicht; aber jener ideale Schwung, überhaupt Alles das, was das Gedicht zum Gedicht macht, es erſt in die heitere Region der Kunſt erhebt, was nimmer erlernt werden kann, fehlt ihnen. Form und Inhalt ſind meiſt nur trocken ver⸗ ſtändig. Am Beſten gelungen iſt das einleitende Wort an Friedrich Rückert, in ihm finden die Gedanken einen warm beſeelten Ausdruck. Das das Bändchen ſchließende lyriſch⸗ dramatiſche Gedicht„Feodor Flamming“ iſt voll von Sen⸗ tenzen und Reflexionen, welche ſein dramatiſches Leben im Keime erſticken. Dr. L.
Inhal* Eine Novelle in Briefen aus dem fünfzehnten Jahr⸗ * hundert. Von Otto Banck.— Gedichte von Moritz Blanckarts. Enttäuſchung. Ein Traum. Kurzes Glück.— Lite⸗ rariſche Briefe von Otto Banck.
Feuilleton. Mauriſche Erinnerungen.— Baſile Joſeph Parent. Graf de Guernon de Ranville.— General Herbillon.— Graf
Adam Gurowski.— Der Maler Karl Ensler.— Glück und Un⸗ w glück.— Ein Pinomen.— Miscellen.— Vom deutſchen Bücher⸗ markt.
8
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Quo Friedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Cdelmann in Leipzig.
kine
Erſcheint re jeden ð
Ihr tiche Vett Ritter M meine lie Schloß n den ſi nu ch dit ihre deand
*
der d d


