Jahrgang 
28-52 (1866)
Seite
441
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Eine

Vierte Folge. 441

Rechtfertigung für daſſelbe liegt aber im Weſen und im Charakter der Eingebornen mit nichten. Sie ſind harmlos und im Grunde ganz freundlich geſinnt, nicht kriegeriſch, wie die Indianer Nordamerika's oder wie

die Maoris auf Neuſeeland, auch nicht blutdürſtig

und verrätheriſch wie die Malaien im Archipelagus. Die Entdeckungsreiſenden Burke und Willis ſind von den Stämmen im Innern ſehr freundlich behandelt worden, und verdankten ihnen manche Wohlthaten.

Auch die Vandiemensländer waren friedlich und noch weit harmloſer, als die eigentlichen Auſtralier, und doch ſind ſie zu Grunde gegangen. Es iſt in dieſer vormaligen Verbrechercolonie ganz ſchauderhaft und gottlos gewirthſchaftet worden.

Ich habe einſt zu Pferd eine Reiſe durch die Inſel gemacht, um mich an ihren landſchaftlichen Reizen zu erfreuen und von den Coloniſten zu lernen, was zu lernen war. Ich war meillenweit unter Akazien hingetrabt, deren balſamiſche Blüthendüfte die Luft erfüllten, und kam dann in ein von bewaldeten Höhen begrenztes Thal, durch welches ein klarer Bach fließt. In dieſem Thale ſtand die Wohnung eines Anſiedlers. Der Mann war früher Beamter geweſen und hatte, wie viele andere ſeinesgleichen, ſich auf Kronländereien niedergelaſſen. Dort wurde ich gaſtlich empfangen und verweilte einige Tage in der Familie.

Man erzählte mir Mancherlei, und ich war er⸗ ſtaunt und empört über die Weiſe, in welcher es ge⸗ ſchah. Der Vater war nun alt und kränklich; aber ſeine Familie war um ihn, und die Tochter, ein nicht mehr junges Frauenzimmer, trug Sorge für die Gäſte. Sie gab uns Manches über die Behandlung der Convicts (deportirten Verbrecher) zum Beſten, und ihr alter Vater, der einſt Friedensrichter geweſen, konnte ſeiner⸗ ſeits auch manche merkwürdige Geſchichte erzählen. Doch am meiſten hörten wir über die Eingebornen.

Die Tochter erinnerte ſich noch recht wohl der Zeit, da manche öſtlichen Stämme in jenem Thale ſich einfanden und dort Nahrung ſuchten. Die ſind nun aber, ſo ſagte ſie mit größter Gemüthsruhe, alle getödtet worden; was von ihnen noch etwa übrig ge⸗ blieben ſein ſollte, iſt unter dem Regierungsſchutze hin⸗ geſtorben. Sie erzählte, daß es eine Hauptbeluſtigung geweſen, auf die Schwarzen Jagd zu machen. Dabei ging es in folgender Weiſe zu. Man lud die Anſiedler in der Umgegend mit Weib Kind zu einem Picknick ein und ſpeiſte vor dem Hauſe unter dem Schatten der Bäume, und Alle waren heiter und guter Dinge. Nach Tiſche nahmen. die Herren ihre Flinten, riefen die Hunde und ein paar Convicts und gingen in den Buſch(Wald), um ſchwarze Leute zu jagen. Manch⸗ mal hatten ſie nichts erlegt, denn dieſes Wild war

nicht gerade häufig, zuweilen aber hatten ſie eine Frau geſchoſſen, und wenn das Glück gut geweſen war, wohl auch ein Männchen.

Alle dieſe Einzelnheiten wurden ſo kaltblütig erzählt, daß uns der Athem ſtockte. Wir ſahen uns fragend an, und Jeder dachte, die Erzählungen ſeien erdichtet oder mindeſtens übertrieben. Aber leider war Alles und Jedes buchſtäblich wahr. Am Scheuß⸗ lichſten jedoch bleibt, daß Frauen und Töochter bei dieſen Menſchenjagden zugegen und behilflich waren. Warum auch nicht? Die Coloniſten ſagten ja: Wenn man dieſe Schwarzen nicht todtſchießt, dann ſtehlen ſie Hühner aus dem Stalle⸗.

In Vandiemensland, das heute in das weniger anrüchige Tasmanien umgetauft worden iſt, iſt der Eingeborne verſchwunden und damit auch die Möglich⸗ keit, Jagd auf ihn zu machen. Aber in Queensland wiederholen ſich ſolche Auftritte.

Wir ſchließen hier einen Brief an, welchen James Benwick zu St. Kilda, Melbourne unterm 25. October 1865, an Dr. Hunt in London gerichtet hat.

Biſchof Pattiſon von der melaneſiſchen Miſſion ſagte am letzten Sonntag in ſeiner Predigt, er ſähe die Nothwendigkeit, daß der Schwarze gegenüber dem Weißen verſchwinde, nicht ein; aber leider ſei dieſer Untergang ein Reſultat des gegenſeitigen Verkehrs. Es ſchmerze ihn, als einen Miſſionär und Biſchof, in tiefſter Seele, daß er ſähe, wie alle Anſtrengungen und Bemühungen auf den Inſeln(der Südſee) vergeblich ſeien. Er ſprach dann von der reißend ſchnellen Ab⸗ nahme der Bevölkerung auf Neuſeeland, wo man vom Chriſtenthum völlig abgefallen ſei und ſich dem ſtu⸗ piden Aberglauben des Par Marire wieder zugewandt habe. Uebrigens beklagte er ſich über die Art und Weiſe, wie die Lehrer zu Werke gingen, und daß ſie oftmals Mangel an Urtheil zeigten; wir hier ſollten für unſere Schwarzen gut ſorgen; er meinte, ſie ſeien wohl fähig, die chriſtliche Religion zu begreifen. Ich meinerſeits muß bekennen, daß ich daran zweifle; ich glaube nicht, daß von der ſogenannten Civiliſation und vom Chriſtenthum etwas für ſie zu hoffen ſei. Leider! Wir verbeſſern ihre Lage nicht und bringen ſie nicht zu höherer Geſittung. Hier ſind Viele, welche nicht umhin können, die Kraft Ihrer(Hunt's) Beweis⸗ führung anzuerkennen.

Die Leſer ſehen hier wieder ein Beiſpiel von den verbrecheriſchen Mitteln, welche die Civiliſation ge⸗⸗ braucht, um ſich fremde Länder dadurch anzueignen, daß ſie ihre Völker, die doch nach dem Naturrecht ihre Beſitzer ſind, zu tödten beſtrebt iſt. Solcher fürchter⸗ lichen Art iſt das fürchterliche Vorrücken des weißen Mannes in der Urwildniß, in die er das Kreuz des