440 Novellen⸗Jeitung.
europäiſchen Colonien würde weniger dunkle Seiten darbieten, wenn man verſtanden hätte, zu individua⸗ liſiren.
Wir wiſſen, daß in Amerika, Auſtralien, Afrika, auf Neuſeeland und auf vielen Eiländern im großen Ocean Coloniſation und Ausrottung der Eingebornen zuſammenfallende Begriffe ſind. Zumeiſt hat man die Schuld den Wilden zugewälzt und die Weißen haben ſich allemal rein zu waſchen geſucht. Aber in min— deſtens neunzig Fällen unter hundert fällt ſie auf die letzteren.
Ein Mann, welcher namentlich in Auſtralien eigene Beobachtungen angeſtellt hat, erörtert den Gegenſtand in folgender Weiſe:
In vielen Gegenden haben allerdings Krank⸗ heiten und Branntwein viel zur Ausrottung der Ein⸗ gebornen beigetragen, aber durch ſie allein wird das Hinſterben nicht erklärt. Auf vorſätzlichen Mord kommt eine nicht geringe Summe, auf Mord, welchen die weißen Anſiedler verüben. Ich weiß wohl, was ich ſage, und daß ich hier ein ſchweres Verbrechen auf die Schultern unſerer eigenen Landsleute werfe. Noch mehr; ich ſchließe von der Beſchuldigung nicht einmal die Frauen aus, welche auf einen Rang in der Geſell⸗
ſchaft Anſpruch machen.
Die Geſchichte der europäiſchen Anſiedlungen in Nordamerika iſt eine zuſammenhängende Kette ſchauder⸗ hafter Barbareien. Viele nun verſchwundene Stämme verdanken ihren völligen Untergang jenem unerklärlichen Durſte nach Blut, der in geheimnißvoller Weiſe über den civiliſirten Menſchen kommt, ſobald er in Be⸗ rührung mit niedriger gearteten Stämmen geräth und ſich nicht durch bürgerliche Geſetze eingeengt ſieht. Ein Farmer, der viele Jahre in Texas gelebt hat, erzählt, nach dem Bericht eines alten Anſiedlers, das Schickſal des letzten Carankowa⸗Indianers.
Durch einen Mann dieſes Stammes war eine weiße Frau getödet worden; es wird aber nicht geſagt, ob vorher irgend eine Provocation ſtattgefunden hatte. Das iſt überhaupt ein Punct, über welchen wir nur ſelten etwas erfahren. Um jenen Tod zu rächen, machte der Mann der Frau mit einigen Genoſſen ſich auf und erſchoß den Häuptling der Carankowas. Dann rief er weit und breit die Anſiedler zuſammen, damit ſie behülflich ſeien, den ganzen Stamm aus⸗ zurotten. Heute erhebt ſich die Stadt Matagorda auf der Stelle, wo jene Anſiedler über den Stamm her⸗ fielen und mit kaltem Blute Alle, Männer, Weiber und Kinder, niedermachten. Nur drei Indianer ent⸗ kamen und der Letzte der Carankowas war noch vor wenigen Jahren als Bettler in den Straßen von Mata⸗ gorda zu ſehen.
Aehnliche Geſchichten haben in Nordamerika ſich in Menge zugetragen, und noch in dieſem Augenblicke nimmt das Niedermetzeln der Indianer im Weſten ununterbrochen ſeinen Fortgang. Die Spanier in
Südamerika und Weſtindien haben in ähnlicher Weiſe
gewirthſchaftet, die Holländer am Vorgebirge der guten Hoffnung haben auch eine große Summe von Barbarei auf dem Kerbholz; die Franzoſen gleichfalls haben unter einigen Stämmen Neucaledoniens aufgeräumt- Und die Engländer? Man blicke nach Auſtralien und Neuſeeland! Man ſchießt die Eingebornen nieder, als wären ſie Faſanen!
Nun ſagt man, wie ſchon angeführt wurde, die Wilden ſeien zuerſt Angreifer geweſen; ich weiß aber beſtimmt, daß das ſehr häufig nicht der Fall iſt. Als Regel ſteht feſt, daß faſt ohne Ausnahme die Provocation von den Coloniſten ausgeht. Bei ge⸗ nauer Unterſuchung ſtellt ſich beinahe immer heraus, daß Mordthaten, welche von den Eingebornen verübt werden, als Wiedervergeltung erſcheinen. Man muß,
um die Dinge richtig zu beurtheilen, die Verſchieden⸗
heit in der Lage und in den Verhältniſſen beider Ragen in Anſchlag bringen. Man kann von„Wilden“ nicht erwarten, daß ſie die Anſchauungen, Sitten und Gewohnheiten der Europäer haben ſollen. Es iſt auch ſehr leicht erklärlich, daß ſie dieſen gegenüber Mißtrauen zeigen und in manchen Fällen auch die Abſichten und Handlungen derſelben mißdeuten. Der Weiße ſeinerſeits verſteht ſich nicht auf die rohen Ideen des Wilden; dieſer iſt ihm ein Gegenſtand des Widerwillens oder des Lächerlichen, und allerdings kennt er keine Art ſich zu rächen, als eine Weiſe, bei welcher der Tod die Hauptrolle ſpielt.
Ganz abſcheuliche Dinge gehen eben jetzt in Queensland vor. Die niederträchtigſten Mordthaten,— ich kann mich nicht milder ausdrücken,— ſind an der Tagesordnung. Ganze Stämme Eingeborner werden durch die Weißen ausgerottet, und die Regierung iſt Mitſchuldige an den Verbrechen, weil ſie nicht dagegen einſchreitet. Was einſt auf Vandiemensland vorging, wiederholt ſich jetzt in Queensland. Hier kennen die Coloniſten nur eine einzige Methode, mit den Schwar⸗ zen umzugehen; man ſchießt ſie todt, und entfaltet dabei einen Eifer, der einer beſſern Sache würdig wäre. Die Landespolizei iſt dabei behülflich; man ſtreckt ohne Unterſchied Männer, Frauen und Kinder mit der Kugel nieder.
Dieſes Syſtem iſt aber auf Queensland nicht allein beſchränkt; es ging einſt auch in Victoria im Schwang, und geht, wenn auch nicht mehr in ſo weitem Umfange, noch jetzt im weſtlichen Neuſüdwales
und im Norden und Weſten Südauſtraliens. Eine
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