Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
412
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und liebender Fleiß aus einem Stoffe machen kann, läßt ſich daraus lernen. Am Marientage vorigen Jahres war der Lein geſäet und wenn die blauen Kornblumen blühen, kann die duftende Leinwand im Koffer liegen.

Werfen wir aber noch einen letzten Blick auf das Pflänzchen, ſo ſehen wir, wie keines ſeiner Theile unbenutzt bleibt. Aus dem Samen preßt man ein ſchönes Oel, das zu mancherlei Speiſen von den Menſchen gebraucht wird, aber auch den Thieren wird es gegeben, wenn ſie krank ſind. Hat Jemand ein Geſchwür am Körper, ſo wirkt ihm die zerquetſchte Leinſaat wie lindernder Balſam auf der verſteckten Wunde. Kommt das Oel in den Handel, dann wird es zu mancherlei Zwecken verwendet. Da wird es mit Silberglätte gekocht zu trocknendem Firniß; mit Bleiweiß vermiſcht dient es zum Anſtrich im Innern der Häuſer, mit Kienruß gemengt ebenfalls zum Anſtrich; mit Kreide, um das Fenſterglas ein⸗ zukitten, ja mit Lauge gemiſcht und zu Seife verkocht, wäſcht gleichſam die Pflanze ſich in ihrem eigenen Safte.

Von der Windel an begleitet der Lein uns durch's Leben bis zum Leichentuche. Und tauſendfach iſt in der That ſein Gebrauch, denn wir dürfen z. B. ja nur an das Papier denken. In tauſend Geſtalten umgiebt er uns, ohne daß wir daran denken, zum Heil und Segen der Menſchheit.

Jetzt iſt leider bei uns, mindeſtens in den Städten, das Spinnen nicht mehr Mode; nur in dem Dorfe gelten Rocken und Haspel noch als die Embleme einer wirthſchaftlichen Hausfrau. Mit Kränzen und Blumen geſchmückt, ein Ge⸗ ſchenk der nächſten Freundin, werden ſie der jungen Dorf⸗ braut überbracht. Und wenn die langen Winterabende kommen und Sturm und Schnee ſich draußen in der Dunkelheit jagen, dann finden wir das junge Volk des Dorfes im trau⸗ lichen Stübchen bei einander. Hier in der Spinnſtube wird das Alte gewahrt und werden grauſige Spukgeſchichten er⸗ zählt. Auch die jungen Burſche ſind hier nicht ungern geſehen; zu richtiger Stunde ſtellen ſie ſich ein und nehmen mit kurzer, dampfender Pfeife ſchweigend Platz auf der Bank am Ofen.

In unſeren gebildeten Geſellſchaften iſt das allerdings anders; da iſt das Spinnen längſt, längſt verſchwunden und mit ihm auch wohl gar mancherlei anderes Gute. Die Mode hat andere Damenbeſchäftigungen und Unterhaltungen gebracht, aber mit all' dieſem Neuen iſt ein ſehr ſchlimmer Gaſt in faſt die meiſten unſerer Geſellſchaften eingezogen die Langeweile. Und ſie iſt noch nicht einmal das größte der Uebel, o nein, etwas noch viel Schlimmeres finden wir wohl gar die Unluſt und ſogar die Scham vor der Arbeit.

5.

Mirabeau's Papiere.

Edgar Quinet hat ſich in ſeinem kürzlich erſchienenen WerkeLa Révolution über die Beziehungen, in denen Mirabeau zu dem Hofe Ludwig's XVI. ſtand, ausgeſprochen und dieſelben lebhaft charakteriſirt. Dieſe geheimnißvollen Beziehungen waren ſeit 1791 unbeſtimmt bekannt; erſt ſeit einigen Jahren weiß man Zuverläſſigeres darüber. Quinet's Schrift enthält darüber die folgende intereſſante Note:Es

iſt ſicher unmöglich, ſagt er,ein Uebereinkommen Mirabeau's mit dem Hofe in Zweifel zu ziehen. Seine geheimen Briefe,

welche von den Nachkommen des Grafen de La Marck ver⸗ öffentlicht worden ſind, laſſen keine Ungewißheit darüber übrig und iſt es daher nicht unbegreiflich, daß ſolche Schriftſtücke für das Publicum unzugänglich ſind? Während meines ſiebenjährigen Exils in Brüſſel habe

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Feitung.

ich viele Anſtrengungen gemacht, um dazu zu gelangen, mit meinen Augen die Papiere und Manuſcripte Mirabeau's zu ſehen, die ſich in einer Privatbibliothek befinden; es iſt mir nicht gelungen. Ich habe in Brüſſel keine Perſon gekannt, welche in dieſer Beziehung begünſtig⸗ ter geweſen iſt, als ich.

In Bezug auf dieſe Behauptung findet ſich nun in der Indépendance belge vom 12. Mai die folgende Erklärung, welche man in den weiteſten Kreiſen mit Intereſſe leſen wird:

Man wird, glauben wir, mit einer gewiſſen Wißbe⸗ gierde einige genaue Angaben über die Art, in welcher der Graf de La Marck Depoſitär der geheimen Papiere Mira⸗ beau's wurde und über diePrivatbibliothek, wo dieſe Schriftſtücke jetzt aufbewahrt werden, leſen. Wir ſind in der Lage, den ausgezeichneten Verfaſſer des WerkesLa- volution über die Authenticität der Documente, um die es ſich handelt und über ihre vollkommene Erhaltung vollſtändig beruhigen zu können..

Der Prinz Auguſt von Arenberg hatte von ſeinem Großvater mütterlicherſeits den Titel Graf de La Marck geerbt

und unter dieſem Namen war er im Jahr 1790 maréchal de

camp in franzöſiſchem Dienſte und ſaß er mit Mirabeau in der conſtituirenden Nationalverſammlung. Es iſt nutzlos, hier an die Verbindung zu erinnern, die er mit dieſem mäch⸗ tigen Redner bildete, und an die pecuniären Dienſte, die er ihm leiſtete. Man weiß auch, daß er der Vermittler zwiſchen Mirabeau und dem Hofe war.Seine Schulden bezahlt, ſagt Quinet ganz richtig,ſechstauſend Franken monatlich, eine Million nach der Sitzung der Verſammlung in dem Falle, daß man mit ihm zufrieden ſei, für dieſen Preis ver⸗ kaufte ſich damals das ſchönſte Genie der Erde.

Die Beziehungen Mirabeau's zu dem Hofe waren ſeit dem Monat Mai 1790 hergeſtellt, und er hatte Ludwig XVI. eine große Zahl Noten zukommen laſſen, die ihm treu wieder zurückerſtattet wurden, ſobald man Kennt⸗ niß davon genommen hatte. Als Mirabeau ſich am 17. Juli 1790 krank fühlte, übergab er dieſe Noten in zwei Paqueten dem Grafen de La Marck mit der Bitte, ſie im Fall ſeines Todes irgend Jemandem mitzutheilen, der Intereſſe genug an ſeinem Andenken nehme, um daſſelbe zu vertheidigen. Als Mirabeau wieder hergeſtellt war, gab der Graf de La Marck ihm ſeine Papiere zurück.

Am 28. März 1791 erkrankte Mirabeau von neuem und ſein Zuſtand flößte ſofort die lebhafteſten Beſorgniſſe ein. Der Graf de La Marck, der ihn nicht verließ, wurde durch Botſchaften, die vom Hofe kamen, lebhaft gedrängt, in Betreff der Papiere, welche Mirabeau hinterlaſſen möge, ja nicht die zu ergreifenden nothwendigen Vorſichtsmaßregeln zu vernachläſſigen.

Um das Haus des Kranken ſtreiften unaufhörlich Agen⸗ ten des Herrn de Lafayette und der Jacobiner herum; im Hauſe ſelbſt forſchte Herr de Lémonville(ſpäter Großreferen⸗ dar der Pairskammer) nach Zeugniſſen, auf die ſich eine Anklage ſtützen konnte. Drei Tage vor ſeinem Tode errieth Mirabeau die Beſorgniſſe ſeines Freundes und kam ihm hin⸗ ſichtlich deſſen, was er ihm zu ſagen hatte, entgegen. Er beſchwor ihn, die Papiere mit ſich fortzunehmen, nicht um ſie zu zerſtören, ſondern um ſie eines Tages zu veröffentlichen. Als Graf de La Marck dieſe Verpflichtung übernommen hatte, gab Mirabeau ihm Anweiſungen, um dieſe Papiere zu ſammeln. Mit der Hülfe des Secretärs Mirabeau's, Pellenc, ſammelte Herr de La Marck alle Papiere, und als er davon eine ziemlich große Zahl von geringem Intereſſe

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