ſo Aus⸗ un proſai⸗ Vauri⸗
des Himmels rer blauer eibt in den
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Vierte
des Flachſes iſt eine unendlich mühſame— doch ich muß die Leſerinnen bitten, mir geduldig im weiteren Verlauf zu folgen.
Wenn der Flachs reif iſt, dann darf man nicht ſäumen, ſondern muß ihn ſchnell aus der Erde ziehen, damit die Kapſeln ſich nicht öffnen und den Samen verſtreuen. Hurtig geht's nun heran, viele Hände machen bald ein Ende, und in weni⸗ gen Stunden liegt der Acker kahl und halmlos da, der noch eben im friſchen Grün prangte. Nun wird das Abſtreifen der ſogenannten Knoten, der den Samen enthaltenden Köpfchen, vorgenommen. Dieſe Arbeit geſchieht mit eiſernen Kämmen, über welche man die Flachshalme zieht; ſie heißt Flachsröppeln. Der abgeſtreifte Same wird ſchnell an der Sonne getrocknet, man nennt das„Flachsklängen“, und ſpäter in ähnlicher Weiſe wie die Getreidekörner gereinigt und von der Spreu befreit. Auf das hieraus bereitete Leinöl kommen wir ſpäter.
Wenn wir jetzt den kopfloſen Stengel betrachten, ſo laſſen ſich ganz deutlich drei Theile an ihm unterſcheiden. Außen die grüne Oberhaut, im Innern ein holziger Stamm und zwiſchen beiden die zähe Baſtſchicht. Dieſe letztere zu gewinnen, iſt das Ziel aller nächſtfolgenden Arbeiten; die Oberhaut muß fortgeſchafft und die Holzſchicht zertrümmert und ebenfalls entfernt werden.
Mit den einfachſten Mitteln, ohne kunſtvolle Vorberei⸗ tungen, wird dies Ziel erreicht; Licht, Waſſer und Zeit müſſen ihre Hülfe dazu herleihen. Der Flachs wird„geröſtet“ oder „geröthet“. Gewöhnlich weicht man ihn 5 bis 10 Tage im Waſſer ein und läßt ihn dann längere Zeit frei an der Luft liegen, während man ihn zuweilen umwendet. Zuletzt wird er an der Sonne getrocknet oder häufiger in den Backofen ge⸗ bracht. Um den Ofen zu füllen, vereinigen ſich dann wohl mehrere Nachbarinnen, die ſich bei der Arbeit gegenſeitig be⸗ hilflich ſind; dies geſchieht meiſtens am Abend. Es gewährt dann einen maleriſchen Anblick, wenn bei mondheller Nacht die flinken Frauengeſtalten um den Ofen am Waldrande ſich tummeln, und die ſchlanken Fichten phantaſtiſche Schatten auf die geſchäftigen Gruppen werfen.
Am andern Tage, oder wohl gar noch in derſelben Nacht, geht es nun munter mit Gehämmer und Geklapper über den Flachs her. Dieſe Arbeit nennt man„Braken“ zein eigenthüm⸗ liches Inſtrument, die Brake, wird dazu gebraucht, wovon die Arbeit ihren Namen hat. Wer eine ſolche noch nicht ge⸗ ſehen hat, der ſtelle ſich ein großes hölzernes, vierbeiniges und zweiſchaliges Meſſer vor, zwiſchen deſſen Klinge und Schalen der Flachs unter fortwährendem Zuſammenſchlagen durchgezogen wird. Hierdurch wird der Holzkern zertrümmert und fällt nun als„Schebe“ fort.
Dann wird der Flachs gehechelt. Wie empfindlich es iſt, durchgehechelt zu werden, weiß Jeder, dem es böſe Zungen nur einmal angethan haben. Der Flachs muß ſich aber ſogar dreimal das Hecheln gefallen laſſen, er wird durch die Grob⸗, Mittel⸗ und Feinhechel gezogen. Bei dieſem Vorgang ſondern ſich die kurzen Baſtfäden von den langen, die feinen von den groben, welche letztere als„Werg“ oder„Hede“ abfallen. Dieſe wird ebenfalls verſponnen, nicht durch zarte Hände, aber doch zu wichtigen Stoffen: zu Stricken, Tauen, Säcken ꝛc.
Was von der letzten Hechel kommt, iſt der eigentliche Feinflachs; nur eine Handvoll heißt„Riſte“, und zehn Riſten werden zu einer„Hucke“ oder„Knoke“ zuſammengedreht. In dieſer Form bleibt der Flachs bis zum Verſpinnen an den traulichen Winterabenden liegen und von hier ab beginnt der poetiſche Abſchnitt der Flachsbereitung. 5
Zu allen Zeiten haben Weiſe und Dichter, wenn ſie das
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Glück ſtillen, häuslichen Schaffens ſchildern wollten, ihre Bilder vom Spinnen, Weben und Waſchen der Frauen ge⸗ nommen. Schon Salomo ſagt:„Wem ein tugendſames Weib beſcheert iſt, die iſt viel edler, denn die köſtlichſten Perlen. Sie gehet mit Wolle und Flachs um, und arbeitet gern mit ihren Händen. Sie ſtrecket ihre Hand nach dem Rocken, und ihre Hände faſſen die Spindel.“ Die Fürſtinnen ſchämten ſich nicht, das Webſchiff zu führen; denn Penelope, des vielgeprüften Odyſſeus wackere Gemahlin, ſaß einſam, des fernen Gatten harrend, in ihren Gemächern„und wirkte ihr großes Gewebe.“ Selbſt das Waſchen zu beſorgen, galt den Prinzeſſinnen nicht zu gering, wie Homer uns ſehr ſchön von der Nauſikaa, des Phäakenkönigs Tochter, beſchreibt.
Nicht minder aber war auch bei uns in Deutſchland das Spinnen und Weben in Anſehen. Wodan's Gemahlin ſtand, wie die Minerva der Griechen, dem Flachsbau vor; eine weiße Plane, wie bei den Frachtwagen, bedeckte den Wagen der Göttin Hertha, und Frau Holle beaufſichtigte in eigner Perſon die Spinnerinnen.
Ehedem ſchämte ſich wohl auch die reiche Bürgersfran nicht, Abends den Rocken zur Hand zu nehmen, und gar ſtattlich mag es ausgeſchaut haben, wenn ſie auf dem Stuhl daſitzend, die Flachsriſten um die Hüften gebunden, die feinen Fäden hierhin und dorthin breitete, um die„Dieſe“ zu bilden, und den Rockenbrief umlegte, mit dem ſinnigen Verslein, das ihr der Hausherr verehrte, als er noch jung um ſie freite. Die Töchter aber ſpannen munter mit zur eigenen Ausſtattung, in der ſicheren Hoffnung, daß einem fleißigen Mädchen der Gemahl nicht ausbleiben könne.
Wohl hat Jeder ſchon einmal ſpinnen ſehen; wie
mühſelig aber dieſe doppelte Bewegung von Hand und Fuß,
von Zocken und Treten iſt, davon haben wohl nur Weniger eine Vorſtellung. Wer es nicht glauben will, der ſetze ſich ſelbſt zum Rocken; da wird man ſchon inne werden, welche zähe Geduld dazu gehört, um ein ſolches Geſchäft zu Ende zu bringen, und die Hunderte von Schocken zu ſpinnen und zu haspeln, die zu einer Ausſtattung gehören!
Wenn das Garn nun endlich fertig iſt, wird es einmal mit Buchenaſche ausgekocht und dann dem Weber übergeben. Da gilt es denn zuerſt das Garn zu ordnen und jeder Sorte ihre Beſtimmung zu geben, denn tauſendfältig ſind die Muſter, die ein geſchickter Weber dem Stoffe zu geben im Stande iſt. Da hat man ſich zu entſcheiden, ob man lieber ein Blitzmuſter oder einen Waſſerlauf, oder einen prächtigen Fluß mit Schiffen, oder gar einen großen mächtigen Dom mit Thürmen haben will. Ein geſchickter Damaſtweber hat allemal großen Ruf, und von weit und breit ſtrömt ihm die Arbeit zu: denn ſeine Blumen werden liegen wie auf Atlas, und ſein Drill wird die herrlichſten„Gefilde“ zeigen. Darum wer klug iſt, gehe zu ihm, da hat es keine Sorge, daß die Leinwand zu loſe werde; mit ſeinem Damaſt können noch Enkel und Urenkel prangen!
Und nun noch einmal kommt die Leinwand unter die Hände der Frauen, und auch Luft und Sonne müſſen noch einmal, wie bei der erſten Entſtehung des Pflänzchens, ſo bei der letzten Arbeit mitwirken.
Auf dem grünen Anger, zwiſchen den Blumen des Frühlings ausgebreitet und von dem brauſenden Waſſerſtrahl getroffen, ſchwinden die letzten Spuren der Dunkelheit von dem Gewebe. Weiß, wie friſch gefallener Schnee, liegt die Leinwand auf dem Bleichplane, und die Spinnerin ſchreitet ſtolzen Schrittes zwiſchen den langen Bahnen dahin.
Das iſt der Beruf der Flachspflanze! Was Ausdauer


