Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
408
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Einſt ſitzen ſie im Saale In ſtiller Mondennacht, Bei weingefüllter Schale; Sie küßt ihn, ſcherzt und lacht.

Er ſpricht:Auf meine Lippe Hauchſt du mir ew'ges Roth Und ſcheucheſt das Gerippe, Das mit der Sichel droht.

Da faſſen kalte Schauer Des Lebens heit're Fee, Eiinn Schrei hallt von der Mauer Und zeugt von jähem Weh.

Verſchwunden, ach! verſchwunden Sie und die Mädchenſchaar; Der Ritter ſchreckgebunden, Bleich, mit geſträubtem Haar.

Dann ſpringt er auf zur Pforte, Der Riegel iſt verrückt, Im Holz am ſelben Orte Ihr Händchen eingedrückt.

Da muß er tief empfinden Und klagen lebenslang, Daß Erdenfreuden ſchwinden Von eines Wortes Klang.

Literariſche Briefe von Otto Banch.

Gedichte von Peter Krauß. Leipzig, bei Brockhaus. 1866. Gedichte von Carl Stelter. Leipzig, bei Cnobloch.

Die Muſe des Herrn Peter Krauß gehört, wie Sie ſehen werden, der behaglichen Romantik an, welche ſich noch gern in die Waldesgründe der Phantaſie vertieft und in leichterregter Stimmung nicht müde wird, das Gute und Schöne ohne ängſtliche Frage, ob ihre Töne neu ſind, noch einmal zu beſingen. Die Zahl der poetiſchen Themen iſt ſomit für ſie eine größere als gewöhnlich, da der Wegfall einer peinlichen Wahl und eines ſtrengen Princips, welches auf geiſti⸗ gen Inhalt hält, ihr die Grenzen ſtattlich erweitert. Dieſes trauliche Sichgehenlaſſen in der Production ſchließt indeſſen nicht aus, daß ſich unter den einzelnen Liedern, namentlich unter denMädchengedichten, recht finnig naive Verſe finden, die mehr durch un⸗

Novellen⸗Zeitung.

befangene Conception als durch guten Formausdruck annehmbar ſind.

Auch dem Nationalgefühl iſt der Poet zugewandt und vermehrt in dieſer Gattung der Lyrik die ſchon vorhandenen wohlgemeinten Wünſche. Wenn er in ſeinem Schützenliede ſingt:

Sei mir gegrüßt, du Eichenwald,

Du Wald der deutſchen Lieder!

Seid mir gegrüßt auf grüner Hald, Ihr deutſchen Schützenbrüder!

Zum deutſchen Bund die Bruderhand, Ein einig ſtarkes Vaterland! u. ſ. w.

ſo muß man leider ſagen, daß ſich zwiſchen dieſen literariſchen Wünſchen und der Wirklichkeit ein be⸗ klagenswerther Bruch befindet. Gerade in der Gegen⸗ wart, wo man, als in den Tagen der Bedrängniß, um ſo reger zuſammenſtehen ſollte, zeigt ſich derſelbe auf's Kläglichſte, denn ſogar der größte Theil der deutſchen Preſſe, die immer ſo mannhaft von Einigkeit zu ſprechen wußte, macht jetzt ein Geſchäſt daraus, hinter ihrer Maske der beliebten Anonymität als Hetzerin aufzutreteü. So werden die deutſchen Bruder⸗

ſtämme, von denen man noch kürzlich ſo redlich wünſchte,

daß ſie ſich die treue Manneshand ſchütteln ſollten, durch unreife Leidenſchaftlichkeiten, Lügen und künſt⸗ lich genährte Mißverſtändniſſe gegen einander auf⸗ gebracht. So kann man nicht ohne eine gewiſſe weh⸗

müthige Ironie die Worte des Herrn Krauß auf dieſe

Zuſtände anwenden:

Noch iſt der Nachwelt nicht gelungen, Worauf die edle Vorzeit ſann:

Noch iſt das Höchſte nicht errungen, Noch iſt der Freiheit Geiſt im Bann.

Die finſtern Mächte, ach, noch walten Nach mancher heißen, blut'gen Schlacht, Und Millionen Nachtgeſtalten

Noch kämpfen für den Geiſt der Nacht.

Doch ſprengen wird der Menſch die Ketten, Womit ſein Genius gebannt,

Den Geiſt der Freiheit wird er retten,

Die Menſchlichkeit, die er erkannt!!

Es iſt von Herzen zu wünſchen, daß die Dichter, welche dieſen Gedanken ſchon ſehr oft löblich aus⸗ ſprachen, Propheten der Wahrheit ſind und man ſich jetzt in der zwölften Stunde noch beeilen wird, die heiligen Rechte der Menſchlichkeit, gegen die ſchon über eine Million nägelbeſchlagene Füße der Kriegs⸗ barbarei aufgehoben ſind, von dem ihr drohenden Schickſal zu guter Letzt zu erretten. Mit der Menſch⸗

bekannt Gald

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