396 Novellen
erwehren, durch Vernunft ihr Ungeſtüm zu bändigen,— um ſo in dem mündig gewordenen Sohne ſich den Herrn und Gebieter ihres Haushaltes zu erziehen, und in dem denkenden Menſchen ſich einen Spiegel ihres eigenen Weſens, einen Ausdruck ihres eigenen Denkens zu ſchaffen.—
Wenn die Wiſſenſchaft, von ſolcher Anſchauung aus⸗ gehend, in der Geſchichte der Menſchheit eine fortſchreitende Entwickelung, einen organiſchen Zuſammenhang, eine vom Niederen zum Höheren aufſteigende Stufenreihe nachweiſen kann, und von einem Erdtheile der Kultur, einer forterbenden Kultur redet, die mit dem Verluſte des Paradieſes angehoben, behauptet die Kirche im diametralen Gegenſatze eine zunehmende Verſchlechterung, ein fortſchreitendes Verderbniß der Menſch⸗ heit, welchem durch zeitweilige Eingriffe einer höheren Willkür nicht mehr geſteuert werden konnte. Die forterbende Kultur wird von der Kirche als Erbſünde verworfen, und während die Wiſſenſchaft nachweiſt, daß nur durch die Kultur der Ver⸗ nunft die Menſchheit im Ganzen und Einzelnen beſſeren, glücklicheren Zuſtänden entgegengeführt wird, verflucht die Kirche die Erkenntniß als Mutter alles Unheils und führt, getreu der bibliſchen Sage, die„Uebel der Erde“ im Allge⸗ meinen und beſonders die Calamitäten des Tages: Krieg, Peſt, Hungersnoth und dergleichen„Accidents“, auf die „umſichgreifende Aufklärung“, den überhandnehmenden Un⸗ glauben, als„höhere Strafen“ zurück. Freilich, wenn ſchon die„Götter“ zeterten:„Siehe, der Menſch iſt geworden wie unſer Einer, und⸗weiß, was gut und bös iſt“, wenn ſchon ſie davor bangten, der Menſch werde ihnen über den Kopf wachſen, ſo iſt es den Dienern, den Beamten dieſer „Götter“ nicht zu verargen, wenn ſie dem Baume der Er⸗
Baum des Lebensgenuſſes preiſen, der dumm erhält, unter⸗ thänig. Ihren Göttern nach, eifern die Prieſter ſtets für niedere Kulturzuſtände, die vergangen oder im Vergehen be⸗ griffen ſind; ſie pflanzen den Baum der Erkenntniß und wehren dem„Menſchen“ ſeinen Genuß, ſie hegen den Baum der Kultur für ſich und laſſen dem„Menſchen“ das bewun⸗ dernde Anſchauen ſeiner glänzenden Früchte, ſie fordern Ge⸗ horſam und ſegnen den Folgſamen, ſie unterdrücken die Ver⸗ nunft und fluchen dem Freien. Die Kirche iſt das Paradies. „Kein Heil außer der Kirche!“
Bildet ſo die Paradieſesſage den Grundtext zur Ro⸗ mantik der Kirche, ſo giebt ſie zugleich auch den Grundton aller Romantik an, deren Weſen darin beſteht, daß ſie ihre Ziele und Zwecke, Muſter und Ideale nicht nach den Geſetzen der Erkenntniß aus der Gegenwart aufbaut, ſondern nach den Eingebungen des Gemüths der Vergangenheit entlehnt. Der religiöſe Romantiker, welcher einfach den Menſchen den Rath ertheilt, wieder zur Kindheit zurückzukehren, um Nah⸗ rung und Kleidung ſich nicht zu kümmern, da ja auch die „Vögel unter dem Himmel“ nicht arbeiten, und die„Lilien des Feldes“ nicht ſpinnen, und dennoch genährt und bekleidet werden, der ſociale Romantiker, der den Wilden jeglicher Kultur als Ideal gegenüberſtellt, zu dem die Menſchheit zu⸗ rückkehren müſſe, der einfach anräth, das Kind dem Ein⸗ fluſſe aller und jeder Kultur zu entreißen und in die Einöde des Waldes der erziehenden Hand der Natur zurückzugeben, der politiſche Romantiker, der, nachdem der Sturm einer„welt⸗ erſchütternden“ Kriſis die Grundveſten des alten Staatsge⸗ bäudes umgeſtürzt und das Blatt des alten Grundgeſetzes verweht hat, als öb Nichts vorgefallen wäre, die Reſtauration des Alten zu ſeinem Ideale macht, der Romantiker der Kunſt,
kenntniß fluchen, der„klug macht wie ſie ſelbſt ſind“, und den
„Zeitung.
des Lebens ſchmückt, der in dem Eden dieſer oder jener „klaſſiſchen“ Vergangenheit ſeine Heimath hat, wie der Romantiker des philiſtröſen Lebens, der das Steckenpferd einer altfränkiſchen Sitte reitet, welches die Kultur einer jüngeren Generation in den Winkel geſtellt hat, ſie Alle ſind nur Variationen des alten Liedes vom verlorenen Para⸗ dieſe. Abgeſtoßen von dem„nüchternen“, deſtructiven, un⸗ praktiſchen oder„ungemüthlichen“ modernen Geiſte, flüchtet der Romantiker in die Regionen der Vergangenheit, in welchen ſeine Phantaſie beliebig ſchalten und ſein Gemüth beſchaulich weilen darf. An ſich dem Geiſte der Gegenwart nicht feind, der vorwärts treibt, wird der Romantiker erſt dann reactio⸗ när, wenn die Gegenſätze ſich klären und der offene Conflict ihn zur Entſcheidung zwingt. Eiferſucht und Furcht ergreifen ihn, einem Geiſte gegenüber, der nach Macht und Herrſchaft
ſeinem Kopfe trägt, nicht in Frieden zuſammen wohnen kann, und kraft des Rechts, das ihm durch Uebermacht und Ueber⸗ zahl verliehen iſt, ſtößt er den ungefügigen Sohn der neuen Zeit hinaus und wehrt ihm mit dem„Schwerte“ die Rückkehr zur alten Herrlichkeit. Dieſem aber wird der Verluſt der Gewinn, der Fluch, mit dem ihn die alte Kultur von ſich abgeſtoßen, wandelt ſich zum Segen. Wenn auch im Schweiße ſeines Angeſichts, baut er auf dem ſelbſterwählten, neuen Boden den Garten einer neuen, ſelbſtſtändigen Kultur, ge⸗ nießt die Früchte einer ſelbſterrungenen Erkenntniß, und indem er der unabſehbaren Weite der Zukunft entgegenreift, ſchließt ſich das Paradies der alten Kultur in den feſtgeſtell⸗ ten Grenzen ab und erſtarrt in den vererbten Formen der Vergangenheit.
So wird die Entwickelung der menſchlichen Kultur mit ihren verſchiedenen Ordnungen und Stufen, deren die Ge⸗ ſchichte erwähnt, ein treues Abbild der Entwickelung des organiſchen Lebens mit ſeinen Ordnungen und Stufen, wie ſie die Naturgeſchichte in Pflanzen⸗ und Thierwelt aufzählt. Hier, wie dort, baut ſich die ſogenannte, neue, vollendetere Ordnung die höhere Stufe aus der voraufgehenden, älteren, unvollkommeneren, niederen auf, und obgleich die eine in der andern ihre Vorausſetzung, ihren Ausgang hat, ſtehen beide doch, in ſcheinbar unvermitteltem Gegenſatze, einander fremd gegenüber. Aber auch nur ſcheinbar, da hier wie dort die Mitglieder, welche während der Entwickelung ſelbſt die lei⸗ ſeſten Uebergänge von Vorausſetzung und Folge bezeichneten, ausgefallen ſind, und die Geſchichte das Wachsthum des Baumes der Kultur ebenſo wie der organiſchen Natur nur nach den großen Jahresringen beſtimmt, die dazwiſchen lie⸗ genden Zellen aber, welche ſie hervortrieben, nicht verzeichnet hat. Wie in der Entwickelung der organiſchen Natur die alte
herrſchende„Ordnung“ die vor ihr ausgegangene abweichende
Abart feindlich von ſich ſtieß, und Tauſende der Letzteren zu
Grunde gingen, ehe es Einer gelang, als„neue Ordnung“
umgeſtaltet, ſich ſiegreich zu behaupten, ſo bezeichnet der
Uebergang von einer Kulturordnung zur andern eine Kette
namenloſer Mittelsperſonen, die entweder als Apoſtaten
auf halbem Wege umkehrten, oder als Märtyrer der Eifer⸗
ſucht und Furcht der herrſchenden Ordnung zum Opfer fielen,
oder als Pionniere auf dem weiten Wege nach dem dunkeln
Ziele einer neuen Kultur zu Grunde gingen, bis es endlich
der immer ſtärker und entſchiedener auftretenden Bewegung
gelang, die alte Ordnung zu durchbrechen und ihre Gleich⸗
berechtigung ſiegreich zu behaupten. 9.
der das Veraltete wieder auffriſcht, das Todte mit der Farbe
ſtrebt; er fühlt, daß er mit dieſem, der eine neue Welt in⸗
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