394 Rovellen
ſehr lehrreichen Beſcheid und ſeine Schilderungen ſind für Gegenden und Menſchen ſehr ſcharakteriſtiſch, ob⸗ gleich man weder botaniſche, noch geologiſche oder zoologiſche Kenntniſſe bei dieſem Reiſenden ſuchen darf. Sehr anſchaulich ſpricht er ſich über die ab⸗ tödtende Verödung und ſchlechte Verwaltung des Landes aus: er nennt es die Ruine einer Ruine und den Boden einen ſolchen, dem hiſtoriſche Verwüſtung und Vernachläſſigung, wie ſie orientaliſche Trägheit und Muhamedanismus mit ſich bringen, die letzte Lebens⸗ krume geraubt haben. Griechenland, das halb erſtor⸗ bene, ſtellt ſich dagegen noch wie eine blühende Provinz dar. Ich glaube, es war ein Kaiſer von Siam, vielleicht der jetzt noch Lebende, welcher plötzlich durch einen europäiſchen Geſandten erfuhr, daß ſich Jeru⸗ ſalem und das heilige Grab in Händen der Ungläubigen befinde. Kaum dieſe Nachricht vernehmend, ſchleuderte er das geringſchätzendſte Anathem gegen alle chriſtliche Fürſten Europa's und ſagte, daß er nicht wiſſe, was er von ihrer Macht und Pietät halten ſolle. Es iſt
nicht die Zeit, einen Kreuzzug zu predigen, doch hatte
„Zeitung.
dieſer Mann vom objectiven Standpunkte aus ſo Un⸗ recht nicht und jedes unbefangene Kind würde ihm, wenn man es befragte, beipflichten.
Ebenſo wie es Jahrhunderte lang das Beſtreben der Cbriſten war, das heilige Grab zu beſitzen, ſo hat man ja auch in den letzten fünfzig Jahren vielfach die romantiſche Idee ausgeſprochen, daß es wünſchens⸗ werth ſei, das gelobte Land für die Israeliten wieder⸗ gewonnen zu ſehn und zwar nicht durch das Schwert, ſondern durch Kauf. Zu einer zeitweiligen Sommer⸗ friſche ſcheint es jedoch in der That zu heiß und zum ökonomiſchen Anbau zu ſteinig zu ſein, zumal ſich die ackerbauſcheuenden Juden am ſchlechteſten dazu quali⸗ ficiren dürften, kahle Felſen und dürren Wüſtenfand urbar zu machen. Dieſe Plätze Kleinaſiens gehören V als Wiege der ſpiritualiſtiſchen und deiſtiſchen Bildung der Weltgeſchichte an, durch deren Verlauf ſie todt⸗ gelegt ſind, und kein Aronsſtab wird wieder die Waſſer des befruchtenden Lebens aus ihren verbrannten Fluren erwecken.
Zeuilleton.
———
Das Paradies der Sage und das der Kultur.
Das verlorne Paradies nennt eigentlich Lüdeking ſeine nachfolgenden Betrachtungen, die ganz den Anſchauungen der praktiſchen, nach Selbſtentwickelung ſtrebenden Gegen⸗ V wart angehören und zwar in der Newyorker Monatsſchrift wohl am rechten Platze ſtehen, aber auch deutſchen Leſern beherzigenswerth ſein werden.—
Die bibliſche Sage von einem glücklichen Urzuſtande des erſten Menſchenpaares findet beſonders in der perſiſchen und griechiſchen Mythe ihre entſprechende Vorausſetzung und Parallele. Das„goldene Zeitalter der Griechen“ verlebten die erſten Menſchen unter der Herrſchaft des Kronos in un⸗ getrübtem Lebensgenuß, frei von den Sorgen der Nahrung, den Beſchwerden der Arbeit und der Bürde des Alters. „Und ſie lebten wie Götter mit ſtets unſorgſamer Seele. Von Arbeiten entfernt und Bekümmerniß. Selber des Alters Leiden war nicht; nein, immer ſich gleich an Händen und Füßen, freuten ſie ſich der Gelage, von jedem Uebel entäußert. Reich an Heerden der Flur und geliebt von den ſeligen Göttern. Und wie im Schlaf hinſinkend, verſchieden ſie.“ Das goldene Zeitalter, das Heſiod in dieſen Worten beſingt, entſpricht dem ſogenannten„erſten Zeitalter“ des perſiſchen Zend Aveſta, der guten alten Zeit, da Vater Ormuzd noch allein auf Erden regierte, und die erſten Menſchen an der Hand des guten Lichtgottes die blumigen Pfade der Sorg⸗ loſigkeit und des Friedens wandelten. Sein Regiment glich dem des alten Saturnus,„ſchlicht und gerecht. Da war es
und thaten weiter nichts mehr. Die Erde gab Alles frei⸗ willig her.“
Die jüdiſche Paradieſesſage bildet nur eine Verſion der älteren perſiſchen, die ſo eben berührt wurde. Die Juden lernten dieſelbe im ſechſten Jahrhundert v. Chr. während ihres Aufenthaltes im ſogenannten babyloniſchen Exile kennen und
nahmen dieſelbe ſammt der Lehre vom„Teufel“(Ahriman)
aus dem Perſismus herüber. Ihr zufolge pflanzte„Jehovah Elohim“ einen Garten in Eden gegen Morgen und ſetzte den
Menſchen darein, den er gemacht hatte. Und ließ aufwachſen aus der Erde allerlei Bäume, luſtig anzuſehen und gut zu
eſſen, den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntniß. Und ſprach zum Menſchen:„Du ſollſt eſſen von allen Bäumen des Gartens, aber vom Baum der Er⸗ kenntniß ſollſt Du nicht eſſen. Denn welches Tages Du davon iſſeſt, wirſt Du des Todes ſterben.“ Und die Schlange („Ahriman“) war liſtiger als alle Thiere auf dem Felde, und ſprach zum Weibe:„Ihr werdet mit nichten des Todes ſterben, ſondern, welches Tages Ihr davon eſſet, werden Eure Augen aufgehen und werdet ſein wie„Elohim“, und wiſſen, was gut und böſe iſt.“ Und das Weib nahm von der Frucht und aß, und gab ihrem Manne davon und er aß. Da wurden ihre Augen aufgethan und wurden gewahr, daß ſie nackt waren, und flochten ſich Feigenblätter zuſammen und machten ſich Schürzen. Und ſie hörten die Stimme„Jehovahs“, der im
Garten ging, da der Tag kühl geworden war. Und ſie ver⸗ bargen ſich unter den Bäumen. Da ſprach„Jehovah“ zur
heute wie morgen. Da lebten die Hirten, ein harmlos Ge⸗ Schlange:„Verflucht ſeiſt du vor allem Vieh, auf dem Bauche ſchlecht, und brauchten für gar nichts zu ſorgen. Sie liebten ſollſt du gehen und Erde freſſen dein Lebenlang! Feindſchaft
unter der Nüt wie ſchör doch „ eine Güüm cha ohne Koupf,? Kindetaler der lich ſolhe para ewfis, die un langs Leben! tumenſchen di ber geht, iſt „des Feldes“ der Natur, Wohnung ken Krankheit, nc der Geburt be aus ſeinem ie um ſeine Exi dingungen auf radies der wei den kleinen Ae geſichts ſein B Obgleich indem ſie von redet, der nun gut und böſe iſ eraauft und hre demſilben Athe die Giferſucht, Erkenntniß re da Promaheu Menſchen mit Leben der St Paradieſesapf den das Wei verführeriſchen ſen eiferſüc wird, um ſie wllches das ga Kunnbheit des Dfenbar dezalle des N niederſten Sn in den Thien geſpornt, eb einer Zeit,; genug gediet ru en, nicht, die„goldene ſich eben erſe n der die)


