Jahrgang 
01-26 (1866)
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wieder freundlich und ſchied mit dem Wunſche, ihn recht bald geſund in Paris wiederzuſehen.

Aber die Heilung verzögerte ſich wider Erwarten länger, als die Aerzte gedacht hatten. Da erſchien eines Tages ganz unerwartet die theure Gemahlin als barmherzige Schweſter an ſeinem Schmerzenslager. Napoleon hatte ſie auf ſeine Koſten in einem ſeiner eigenen Reiſewagen die Reiſe nach Madrid machen laſſen. Ohne die ſorgſame Pflege ſeines Schutzgeiſtes würde General O'Brien ſchwerlich ſo gut, d. h. mit nur einem etwas ſteifen Beine, davon gekommen ſein.

Bei Gelegenheit ſeiner Vermählung mit Marie Louiſe von Oeſterreich hatte ihn Napoleon mit anderen hohen Officieren, die ſich im ſpaniſchen Feldzuge aus⸗ gezeichnet hatten, zum Großofficier der Ehrenlegion deſignirt. General O'Brien aber dankte mit der Bemerkung, daß er eine hohe Ehre ſchon in der An⸗ erkennung finde, welche ihm der Kaiſer wiederholt hätte zu Theil werden laſſen. Napoleon aber gerieth in ſo heftigen Zorn über die andauernde Halsſtarrigkeit, wie er dieſe Unfügſamkeit der Ideen bezeichnete, daß er an Berthier den Befehl ertheilte, den General O'Brien von der Armeeliſte zu ſtreichen, mit der Weiſung, in funfzig Lieues Entfernung von Paris ſeinen Aufenthalt zu nehmen.

Wohl Niemand war glücklicher über die kaiſerliche Ordonnanz, als Lady O'Brien, die jetzt glaubte, ihrem Gemahl, deſſen Schutzgeiſt ſie bis dahin geweſen, ein Leben voll Liebe bis zu ihren letzten Tagen widmen zu können. Drei glückliche Jahre waren ſo den Gatten auf einem in der Nähe von Vitry erkauften reizen Landgute verſtrichen. Eine Tochter war ihnen geſtorben; aber ein Knabe wieder geboren, den die Mutter als das Ebenbild des Vaters ſchwärmeriſch liebte. Es war bei Beginn des ruſſiſchen Feldzuges, als General O'Brien, trotz des vom Kaiſer ihm docu⸗ mentirten Zornes, mit den Functionen eines General⸗ Revueinſpecteurs betraut, wieder in Activität verſetzt wurde. Es war dies eine Art militairiſcher Sinecure⸗ ſtelle, die er als Invalid kein Bedenken trug, anzu⸗ nehmen.

Napoleon, damals in des Glückes Zenith, mochte keine Ahnung davon haben, daß ſein Einzug in Moskau der Anfang ſeines plötzlichen Endes ſein würde. So mühſam als er die ſchwindelnde Höhe erklommen hatte, ſo raſch ging der Fall des Giganten abwärts auf der abſchüſſigen Bahn. Mit den Tagen an der Bereſina und mit der bei Leipzig verlorenen Schlacht war in der Siegeslaufbahn des allmächtigen Kaiſers der Wende⸗ punkt eingetreten. Wohl oseillirte ſein Stern noch einmal über den Schlachtfeldern zwiſchen der Marne und Seine, wo er zu Frankreichs Schutz und zur eigenen

Novellen⸗

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Zeitung.

Erhaltung wieder die ganze Gloire ſeines Feldherrn⸗ talents entfaltete; aber es waren nur die Strahlen des letzten Aufflammens vor dem gänzlichen Erlöſchen ſeiner Genialität. Verlaſſen von Weib und Kind, von den eigenen Brüdern und von den letzten Ge⸗ treuen, die in allen Feldzügen um und mit ihm geweſen, unterzeichnete er, gedrängt von den Notabeln des Kaiſer⸗ reiches, die Acte der Entſagung auf die herrliche Krone, die ihm von den Notabeln der Republik einſt war gereicht worden. Napoleons letzte Tage in Fontainebleau glichen einem beängſtigenden Traum, aus dem er erſt auf Elba wieder erwachte, als vom weltbeherrſchenden Kaiſer Glanz und Macht bis zur letzten Spur verſchwunden war.

Obgleich General O'Brien die Grundſätze des Kaiſers nie gebilligt hatte, ſo vermochte er doch die Freude der Royaliſten nach der Rückkehr der Bour⸗ bonen nicht zu theilen. Er konnte ſich mit den ſchwan⸗ kenden Einrichtungen des reſtaurirten Königthums ſo wenig befreunden, als mit dem abſoluten Regimente des Kaiſers, an dem er wenigſtens eine conſequente Energie zu achten gewohnt war. Es war insbe⸗ ſondere der mit ſeiner Loyalität ſo ſchamlos kokettirende alte Adel, deſſen täglich maßloſer ſich zeigenden An⸗ ſprüche, die ihn beſtimmten, ſich unter Aufgabe ſeiner bisherigen Dienſtverhältniſſe auf ſeine Beſitzung in der Provinz zurückzuziehen.

Als Lord Arranmore, welchen Titel er auf Befehl Ludwig XVIII. hatte annehmen müſſen, am Tage eines großen Levers am Königshofe ſich verabſchiedete, waren Aller Augen auf den hohen ſchönen Mann gerichtet. Der König emfing und entließ den zhoch⸗ verdienten Generals mit höchſt gnädigen Ausdrücken Das Ludwigskreuz aber, welches ihm Graf Vaudremont, der ſich aus den Vorzimmern des Kaiſers wieder Eingang in die inneren Gemächer des reſtaurirten Königthums zu verſchaffen gewußt, am nächſten Tage Namens ſeines erhabenen Monarchen überreichen ſollte, wies er in ähnlicher Weiſe zurück, wie er einſt dem Kaiſer für die ihm zugedachte Ehre des Groß⸗ kreuzes gedankt hatte.

Ob Gründe der Politik oder nur die freundſchaft⸗ lichen Verhältniſſe, in welche er durch die geheimniß⸗ volle Einwirkung ſeiner Gemahlin zu dem alten geiſt⸗ reichen Fürſten von Ligne getreten war, Lord Arranmore veranlaßten, Wien während der Zeit des Congreſſes zum Aufenthalt zu wählen, iſt nicht entſchieden. In⸗

deſſen wurden der General und ſeine liebenswürdige

Gemahlin wiederholt in den Salons des Fürſten be⸗ merkt, als man in der Kaiſerſtadt, über die Geſchicke Europa's disponirend, wie es ſich bald darauf erwies,

die Rechnung ohne den Wirth machte. (Schluß folgt.)

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