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tieen angegriffen wurde, hielt die Heldin muthvoll den Angriff aus, bis eine größere Heeresabtheilung heranrückte. Da warf ſie ſich zu den Füßen des An⸗ führers und dieſer, welcher in der ſchönen Heroine die barmherzige Schweſter wiedererkannte, geſtattete ihr, mit militairiſchen Ehren aus dem Schloſſe abzuziehen, welches ihr ferner keine Sicherheit mehr gewährte.
„Errathen Sie, gnädigſte Fürſtin, nun bald die Entwickelung der Geſchichte? Gleich nach der Schlacht von Lodi vermählte ſich der General im Beiſein von Buo⸗ naparte und ſeines Stabes mit ſeiner, alle Welt durch ihre Schönheit bezaubernden Gefangenen. Unmittelbar vom Altar aber wurde der junge Gemahl zur Belagerung von Mantua beordert, und bevor er ſich einige Wo⸗ chen ſpäter der völligen Wiedervereinigung mit ſeiner reizenden Gemahlin erfreuen konnte, ſchickte die Ar⸗ mee ihre Helden nach Rom, um dort auf dem Capitole gekrönt zu werden, nachdem das große Werk der Revolution vollbracht war.
„In der auf den Frieden von Campo Formio fol— genden Periode hat ſich die conſtitutionelle Partei in eine zwar kräftige, aber am Ende doch fruchtloſe Op⸗ poſition zu den Maßregeln des erſten Conſuls geſtellt, und dieſe zählt den General O'Brien und ſeine ſchöne Gemahlin zu ihren thätigſten Mitgliedern.
„Auf die Letztere kann man völlig in Anwen— dung bringen, was neulich mein geiſtreicher Freund Talleyrand in einer Soirée über eine andere ſchöne Frau ſagte: C'est la téte de Cromwell sur le corps d'une jolie feomme.— Voll Grazie, beredt, gewandt und glles das eingehüllt in das Gewand der einfach⸗ ſten Bonhommie, iſt ſie in der That eine vollendete Aspaſia, und übt auf unſere neue ritterliche Jugend von Frankreich denſelben mächtigen Einfluß, wie ihr Vorbild einſt auf die elegante Jugend von Athen ge⸗ than haben ſoll.
„Jeden Abend füllen ſich ihre Salons mit Miß⸗ vergnügten, welche der Dame die größte Ehrfurcht bezeigen. Man kann ſicher ſein, dort Gregoire, Lanjuinais, Garat, Carnot, Le Noir, La Roche, Con⸗ ſtant, Chenier und den berühmten Cabains, den Herrn, in deſſen Begleitung die Frau Generalin ſo eben in die Loge trat, zu finden. Alle dieſe Herren aber miniren gegen das neue Syſtem. Es wird zuletzt noch mit Aller Untergange enden, und— zu bedauern wären ſie nicht.“
Das Fallen des Vorhanges und das Erheben der Familie des erſten Conſuls war jetzt das Signal für den öſterreichiſchen Geſandten und für ci-devant homme immobile de la monarchie, ſich zu beeilen, Buonaparte ihre Glückwünſche wegen der glücklich
abgewendeten Gefahr darzubringen.
Lächelnd ſagte die Fürſtin, indem ſie Kilkolman den Arm reichte:„Nun, Mylord, wer, glauben Sie, wird ſich nach dem Gehörten als die Heldin von Lodi erweiſen?“
„Ich habe nicht die leiſeſte Ahnung davon, auf Ehre, meine Gnädigſte, indeſſen iſt ſie eins der ſchön⸗ ſten weiblichen Weſen, welches ich je auf meiner Le⸗ bensfahrt geſehen habe. Welch ein enormes Glück hat dieſer O'Brien gehabt!“
„Wie, iſts möglich, Mylord, Sie ſollten ſich der Dame nicht erinnern? Sie hat ſich faſt gar nicht verändert, etwas mehr Fülle abgerechnet, und die ſteht ihr ſehr gut, ebenſo wie die fremdartige Klei⸗ dung.“
„Beim Himmel, ich verpfände mit gutem Ge⸗ wiſſen Ehre und Seligkeit, daß ich mich dieſes Ab⸗ bildes einer ſchönen Frau nicht zu entſinnen weiß.“
„Sie iſt, wie Graf Vaudremont ſagen würde, ni plus ni moins, als Madame O'Flaherty, die Su⸗ periorin jenes reizenden iriſchen Convents, wo——“
„Welches iriſchen Kloſters?“
„Ach, ich glaubte, Sie wären damals einer un⸗ ſerer Begleiter auf dem romantiſchen Streifzuge durch die Berge von Connemara geweſen, wo dieſe neue Aspaſia—— aber Himmel, das Gedränge wird unerträglich, wollen Sie heute Abend im Ge⸗ ſandtſchaftshötel ſoupiren?“
„O, ſicherlich, theure Geliebte— gnädigſte Für⸗ ſtin wollte ich ſagen— was könnte mich glücklicher machen?“ entgegnete Lord Kilkolman, indem er fortfuhr, mit ſeinen koloſſalen Schultern Bahn zu brechen durch die wogende Menge, die ſich drängte, um den erſten Conſul vorübergehen zu ſehen.
„Dann werde ich Ihnen Alles im Zuſammen⸗ hange erzählen“ bei dieſen Worten wurde die Fürſtin unterbrochen; denn obgleich mehr als einmal vom wogenden Publicum aufgehalten, ſo hatten ſie doch endlich den großen Eingang erreicht, wo der Fürſt, von einer zahlreichen Dienerſchaft mit brennen⸗ den Fackeln umgeben, bereits ungeduldig auf die An⸗ kunft ſeiner Gemahlin gewartet hatte.
Lord Arranmore, zur Zeit der Republik in den Armeeliſten General O'Brien genannt, hatte fort⸗ während in freundſchaftlichen Beziehungen zum General Moreau geſtanden, weigerte ſich jedoch principiell, Pichegru's Project, das alte Königthum wieder her⸗ zuſtellen, fördern zu helfen. Die häufigen Beſuche, welche er dem beliebten Generale während ſeiner In⸗ activität abſtattete, waren für den erſten Conſul hinlängliche Veranlaſſun den General O'Brien unter ſtrenger Aufſicht zu halten. Indeſſen wurde er durch


