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Launceſton und ich— uns in ein Geſpräch, das ihn zu einer größern Geſprächigkeit aufreizte, als ſie ihm ſonſt eigen war. Den Gegenſtand unſerer Unterhaltung bildeten Männer, Frauen und Ehen.
„Ich bin überzeugt,“ ſagte er,„ich werde nie heira⸗ then.“
Ich hörte dieſen lobenswerthen Entſchluß von ihm nicht zum erſtenmal; daher ließ ich ihn ohne weitere Bemerkung vorübergehen und fragte blos nach ſeinen Gründen.
3„Weil mein Gewiſſen, meine Grundſätze und Gefühle ganz mit dem Syſtem der Ehe im Widerſpruch ſtehen, wie es in der Welt, beſonders in der Damenwelt ausgeführt wird. Alles Hofmachen und Bewerben, die Geſchenke und die Liebesbriefe, die Gaſtmähler für die Verwandten und die Beglückwünſchungen der Freunde, die Hochzeitsgäſte und die Ausſtattung, die weiße Spitze, der weiße Atlas und weiße Schleifen, Kutſche, Poſtillone und Alles. Ach, Heathcote, was für Thoren ſind doch die Männer!“
Ich ſtand eben im Begriff, die Möglichkeit zu erwähnen, ihm nicht eins, ſondern zwei weiſe Individuen unſeres Ge⸗ ſchlechts zu nennen, als eine weiße Fee, meine hübſche Lizzie, in ihrem Anzug als Brautjungfer in mein Zimmer trat. Ihre Gegenwart veränderte den Gegenſtand unſerer Unterredung; bis in Folge einer Bemerkung, die ſie über einen Auftrag machte, den Adeline über den geeigneten Weg, ihre Vermäh⸗ ungsanzeige morgen in die Times einrücken zu laſſen, ertheilt hatte, unſer Geſpräch unmerklich in den alten Canal zurückfloß.
„Ich haſſe, eben ſo ſehr wie Du, Launceſton, das ganze Liebes⸗ und Heirathsſyſtem. Es iſt eine große Lüge. Sie beginnt damit, daß das junge Fräulein, wenn ſie noch in der Schule iſt, lernt, es ſei der Höhepunkt der weiblichen Ehre, eine Braut zu ſein,... der niedrigſte Stand der weib⸗ lichen Erniedrigung, als eine alte Jungfer zu ſterben. Wenn ſie dann als junge Dame zu Hauſe iſt, ſo fährt ſie fort, ihre zahlreichen Bewerber zu zählen, und ſie ſetzt ihren Stolz in Etwas, das vielmehr für ſie eine Quelle entweder des Bedau⸗ erns oder der Demüthigung ſein ſollte. Zuletzt, wenn ſie die Zeit vorübereilen ſieht, überläßt ſie ſich dem gewöhnlichen Glauben, daß kein Mädchen ihre erſte Liebe heirathet; dann nimmt ſie die beſte Partie, die ſie finden kann, an und macht ihre Verheirathung, welche blos die ſichtbare Krönung und Vervollſtändigung der Liebe ſein ſoll, zu einem erbärmlichen, entehrten Stellvertreter derſelben. Ich erkläre feierlich, ich habe gar manche Frau geſehen, von der ich glaubte, ſie ſei kaum etwas Beſſeres als— gar keine Frau.“
Ich hatte die Gegenwart meiner kleinen Schweſter ganz vergeſſen, aber ſie ſchien gar nicht zu hören— und Launce⸗ ſton eben ſo wenig, was ich über dieſen Gegenſtand ſagte. Sein Ernſt hatte ſich erweicht; er ſaß, ganz in tiefes Nach⸗ denken verſunken, dem Fenſter gegenüber, wo Lizzie ihr Näh⸗ zeug in die Hand genommen hatte. Was ſie für ein ſchönes Bild darbot!
„Komm her, mein kleines Mädchen,“ ſagte ich;„ich möchte Dich nicht den Weg der Welt gehen ſehen; und doch würde ich erfreut ſein, Dich eines Tages in einem weißen Muslinkleide und Strohhute irgend einem braven Manne zu übergeben, der Dich aufrichtig liebte— und ſo aufrichtig wieder geliebt würde, daß Lizzie nie träumte, irgend einen Andern heirathen zu wollen, ſondern eher vollkommen damit zufrieden geweſen ſein würde, um ſeinetwillen bis an das Ende ihrer Tage als eine alte Jungfer zu leben. Das iſt es, was ich Liebe nenne— nun, mein Kind?“
Novellen⸗
Zeitung.
Lizzie ſenkte ihren Kopf und erröthete tief. Ganz natür⸗ lich, Mädchen thun das ſtets.
Launceſton ſagte in einem ſo leiſen Tone, daß ich ganz
erüber erſchrak:„Du glaubſt alſo nach Allem an wahre Liebe?“
„Es würde ſchlimm für mich oder für irgend ein menſch⸗ liches Weſen ſein, wenn ich das nicht thäte. Und ich glaube wegen ihrer zahlloſen unächten Nachahmungen um ſo ernſtlicher daran. Ja, ſogar—“ und jetzt, wo nach dem frohen Hochzeitsmorgen der Abend grau und trübe auf uns herabſank, neigte ſich mein Geiſt gedankenvoll, ſelbſt zärtlich zu der Schweſter, welche gegangen war, und zu den beiden Schweſtern, die in kurzer Zeit meinen Heerd auf immer ver⸗ laſſen werden,„ja, ſogar, da ſelbſt in dem falſcheſten Glau⸗ bensbekenntniß, wie ich hoffe, ein kleiner Theil der abſoluten Wahrheit verſteckt liegt, ſo möchte ich gern darauf vertrauen, daß ſelbſt in der ärmlichſten Traveſtie oder Maskerade der Liebe ein Bruchſtück der ächten, wahren Liebe zu finden ſein muß. Indeſſen, meine liebe Lizzie, wenn alle unſere Bräute uns verlaſſen haben, dann wollen wir uns dazu Glück wünſchen, daß wir für eine lange Zeit keine Verlobungen mehr haben werden.“
„Du biſt gegen Verlobungen?“ ſagte Lizzie furchtſam und mit niedergeſchlagenem Geſichte— wie ich ein junges Mädchen über dieſen Gegenſtand am liebſten ſprechen ſehe.
„Ei, mein kleines Mädchen, könnteſt Du wohl ſelbſt daran Vergnügen finden? Zum Beſten eines beluſtigten Krei⸗ ſes von Freunden, Nachbarn und Bekannten öffentlich ſich den Hof gemacht zu ſehen und verheirathet zu werden? Seine Handlungen bemerkt, ſeine Angelegenheiten beſprochen, ſeine Gefühle abgewogen und abgemeſſen zu ſehen? Beglückwünſcht, bemitleidet und ausgelacht zu werden? Furchtbar! buchſtäb⸗ lich furchtbar! Ich habe immer bewundert, daß wahre Liebende das beſtehen können.“
„Du haſt vielleicht Recht,“ ſagte Launceſton heftig. „Kein Mann ſollte das Mädchen, das er liebt, in eine ſolche Lage ſtellen. Was es ihn auch koſten möge, er ſollte ſie frei⸗ laſſen— gänzlich frei— und ihr nichts anbieten, bis er ihr zugleich ſeine Hand und das ohne irgend einen Verzug anbie⸗ ten kann.“
„Um des Himmelswillen, weshalb biſt Du in einer ſolchen Aufregung, Launceſton? Iſt Deiner Schweſter etwa ein Hei⸗ rathsantrag gemacht worden? Uebrigens haſt Du mich miß⸗ verſtanden. Frage ſie, oder Lizzie, oder irgend eine achtungs⸗ werthe Dame, ob ſie ſich geſchmeichelt fühlen würde, wenn irgend ein Herr in der Art gegen ſie handeln wollte, wie Du es eben ausſprachſt? Als wenn ſeine Hand— mit dem Ringe daran— für ſie irgend etwas ſei, und er ſelbſt, ſeine wahre Liebe ganz und gar nichts.“
Launceſton lachte unbehaglich.„Gut, aber was meinteſt Du? Ein— einer meiner Freunde würde Deine Meinung über dieſen Gegenſtand gern wiſſen?“
„Meine Meinung iſt einfach eine Meinung. Jedermann i*ſt der beſte Richter in ſeinen eignen Angelegenheiten, beſon⸗ ders in Liebesangelegenheiten. Das orientaliſche Sprüchwort ſagt ganz richtig:«Laß die Löwen nicht für die Tiger ent⸗ ſcheiden.“ Aber ich denke, liebte ich eine Frau“—(und es machte mir Freude zu wiſſen, daß ich nur die Gedanken von ihr ausſprach, die in ihrer großen Einfachheit weiſer als irgend eine von ihnen gelebt hatte und geſtorben war,) „liebte ich eine Frau, ſo würde ich es ihr am liebſten ſagen, nur ihr ſelbſt, nicht weiter. Ich würde ihr am liebſten meine Liebe geben, damit ſie darauf vertraue— um die Hülfe und
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