Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
378
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kühnſten Plane, aber verfehlen ſie, weil uns nicht der Geiſt, aber das opferwillige Wollen abgeht; wir tragen uns mit weltbewegenden Ideen und erlahmen an Thatenarmuth; wir denken für die ganze Menſch⸗ heit und vermögen unſer ſubjectives Ich im Strome nicht aufrecht zu erhalten; wir bauen heut und reißen morgen wieder ein; wir leben haſtig, ungeduldig, fieberhaft, gequält. Wir wollen das Unendliche und haben kaum die Kraft, den Moment bewältigend feſtzuhalten. Daher das Gefühl der Nichtbefriedigung, das bis zur Blaſirtheit ſteigt. Unſer Geſchlecht mag Pasquals genialen Gedanken, daß der Menſch ſich ſelbſt zu entfliehen ſtrebe, mehr denn irgend eins auf ſich anzuwenden. Das iſt die Krankheit der Zeit, deren Symptome jedem tieferen Gefühl ebenſo ſpürbar ſind, wie die des nahenden Sturmes in der Luft. Mehr Reſignation oder mehr Thatkraft und wir würden unſere krankhaften Gefühle und Erſchütterungen abwerfen. In dieſer Weiſe ſpricht ſich der Autor in ſeinem erſten Hauptabſchnitt aus, den er Charaktere des Zeitalters nennt. Die andern heißen das franzöſiſch⸗ europäiſche Kaiſerreich; die Freiheitskriege und das

Novellen⸗Zeitung.

Schwanken im politiſchen Leben; die ausgebildete Reſtauration; das Julikönigthum und das junge Europa; Geiſt der Zeit nach 1848.

Auf alle Kulturerſcheinungen, die noch in's acht⸗ zehnte Jahrhundert hereinfallen, nimmt Honegger keine ſpecielle Rückſicht, da dieſe Bewurzelung die Grenzen ſeiner fragmentariſchen undoft mehr anregenden als knotenlöſenden Skizzen überſchreiten würde.

Es liegt im Gegenſtande, daß der Verfaſſer bei der Erläuterung ſeiner Anſichten ſehr oft auf diejenigen Perſönlichkeiten Rückſicht nimmt, die als Repräſentan⸗ ten der Literatur, Wiſſenſchaft und Kunſt zugleich Trä⸗ ger beſtimmter Ideen ſind. Gewiß ließe ſich oft für einen gewählten Namen ein bedeutenderer an deſſen Stelle ſetzen oder darüber rechten, warum dieſer oder jener Ver⸗ theidiger einer geiſtigen Standarte gänzlich mit Still⸗ ſchweigen übergangen iſt. Doch würde ein ſolches Begin⸗ nen zu peinlich einem Werke gegenüber ſein, daß nur

der Anfang eines Anfangs ſein will und ohne Zweifel

dazu geeignet iſt, gebildeten Leſern vielfache Auf⸗

klärung und tieferen Denkern manchen Wegweiſer für:

ihre eigenen Ideenwanderungen zu bieten.

Feuilleton.

Eine verliebte Familie.

Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann. (Schluß.)

Nun war Conſtanze immer von den andern Mädchen ſehr verſchieden, ſie liebte die Einſamkeit und die Bücher plauderte wenig und hatte etwas Träumeriſches an ſich. Kurz, ſie war, was junge Leuteintereſſant und alte Leute romantiſch nennen die Art von Weſen, von denen man, wenn ſie ſich zu merkwürdigen Frauen entwickeln, ihre jugend⸗ lichen Eigenthümlichkeiten ſorgfältig und achtungsvoll notirt und erklärt:Ich ſagte es immer, in dieſem Mädchen ſteckt etwas; über die man aber, wenn nichts Beſonderes aus ihnen wird, lacht, und die wahrſcheinlich über ſich ſelbſt lachen, daß ſie in ihrer Jugend ſentimental geweſen ſind. Da man mir aber zu einer Zeit meines Lebens dieſen Vorwurf ſelbſt gemacht hatte, ſo war ich nichs deſto weniger gegen die Thor⸗ heiten Conſtanzens ſehr zart.

Ich glaube, das Mädchen lieſt zu viel und ſitzt zu lange mit offnen Augen, Martha; ebenſo iſt ſie ziemlich ungeſellig. Sie wollte durchaus den Hochzeiten aus dem Wege gehen und verweigerte ganz beſtimmt, Angelinens Brautjungfer zu ſein.

Ach! ſeufzte Martha,das iſt es. Das arme, thörichte Kind, daran zu denken, ſich zu verlieben!

Ich ſprang beinahe von meinem Stuhle auf.Ich will nicht ein Wort davon hören ich erkläre, ich will nicht! Ich will den jungen Mann mit Fallen und Selbſtſchüſſen fern von meinem Hauſe halten. Ich werde nach Oſtindien

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zurückkehren, wenn Du mir von einem andern Eheverſprechen erzählſt.

Dazu iſt gar keine Ausſicht; und Martha ſchüttelte ihren Kopf trauriger als je.Das arme Kind, ich befürchte, es iſt eine unglückliche Znneigung.

Ich wurde wieder heiter und das in einem ſolchen Grade, daß meine Schweſter es ſah und in einer höflichen Art ihre

Ueberzeugung andeutete, daß ich ein gefühlloſer Menſch ſei.

Sie hatte erwartet, ich werde eben ſo bekümmert ſein, wie ſie offenbar es ſelbſt war.

Nein, Martha; ich bin weit eher froh; erfreut, nach meinen Erfahrungen von dieſen glücklichen Liebesgeſchichten

zu finden, daß eine meiner Schweſtern den weiblichen Mutb, die Uneigennützigkeit und Einfalt hat, eine szunglückliche

Zuneigung zu faſſen.

Dieſe Rede verletzte vielleicht Martha, aber das ſollte ſie nicht. Sie und ich, wir Beide kan ten und achteten unſere Jugend gegenſeitig; und wenn wir auch in Betreff unſeres mittlern Alters verſchiedener Meinung waren, ei dann konnte ich eben ſo gut Unrecht haben, wie ſie.

Zuerſt erwiderte ſie mir nichts und dann, ohne eine weitere Bemerkung zu machen, erklärte ſie mir ihre Beſorgniß in Betreff Conſtanzens. Das Mädchen war lange Zeit die

Vertraute des Herrn Archer in ſeinen Bewerbungen um Ange⸗ linens Liebe geweſen, und wie ſich das öfters ereignet, die Vertraute hatte, ohne ihr Wiſſen, ein zu großes Intereſſe an Einem der beiden Liebenden genommen, bis ſie zuletzt fand, daß ſie das Loos der Andern beneidete. Als Herrn Archers Entlaſſung zuletzt ſeinen ganzen Verkehr mit unſrer Familie

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zu lſer liegen auf. wir ſorgien Einem von uns lin Cuthberls Selbſt von S. Jones ſuchten zuweilen, wie über die Liebe Mädchens von Angelinens ſo Lyppe zernig i trousseau Par- Mädchens eine möglich, ausd Aber an wenn Angelina zurückkommen? gern. Wer w Ic ſchütt ſie möge lieber Sie theil ich muß ſager Schweſter Cor voll und g beiden Mädch meine Zeit de nommen wurd O dasL Mannes, der ein achtun ſem deſimmt den derſſrit ſäinet Müme noch adgaſc erſchien, in Er ſan Rolle eines Geſchick der erſcheinen; ſich auf ſei haar alter h Ich w meine Fami