Jahrgang 
01-26 (1866)
Seite
372
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So groß bisher der Tumult im Saale und das Wogen der Volksmenge in allen Zugängen geweſen, ſo feierlich war die jetzt plötzlich eintretende Stille. Nachdem die Zeugen eingeſchworen und der Kronan⸗ walt ſich anſchickte, die Anklage vorzuleſen, entſtand eine Pauſe. Man vernahm ein leiſes Flüſtern, wäh⸗ rend Aller Augen auf den noch leeren, für den Ge⸗ fangenen beſtimmten Platz gerichtet waren. Man ſah, wie dieſe Spannung ſich ſteigerte, je länger dieſes Zögern dauerte. Endlich raunte der Oberrichter ei⸗ nem der Beiſitzer einige Worte in das Ohr, worauf dieſer den Sherif aufforderte, den Gefangenen herein⸗ zuführen. Dieſer entfernte ſich in Folge des erhal⸗ tenen Befehles, kehrte jedoch nach wenigen Minuten athemlos, bleich und mit verſtörten Mienen zurück, um mit kaum vernehmlicher Stimme zu melden, daß der Gefangene entflohen ſei.

Kaum hatte man in der vorderen Reihe der Zu⸗ ſchauer die Kunde vernommen, als ſich ein Murmeln erhob, welches bald in ein donnerndes Beifallsge⸗ ſchrei, untermiſcht mit Lebehochs auf denächt iriſchen Baron, überging, während man zur ſelben Zeit in den Geſichtszügen vieler ſchönen Damen etwas be⸗ merkte, wie den Ausdruck von Mißvergnügen eine Gelegenheit verloren zu haben, ihre Theilnahme an dem Schickſale des ſchönen Gefangenen durch eine Thräne tief gefühlten Mitleids zu manifeſtiren.

Die augenblicklich angeſtellten Unterſuchungen ge⸗ währten kein anderes Reſultat, als daß man auf den Ueberreſten einer dem Fenſter des Gefängniſſes ge⸗ genüberliegenden Mauer gewiſſe geheimnißvolle Cha⸗ raktere gezeichnet fand, ein in Knoten geſchürztes Seil, welches an der Umwallung des Kerkers herab⸗ hing, und ſchließlich den Abdruck eines rieſigen Fu⸗ ßes am Fundamente der Mauer. Außerdem wollten Einige einen kleinen Kriegskutter bemerkt haben, der unter Regierungsflagge mit vollen Segeln gegen Süden ſteuerte, wovon jedoch der Hafen⸗Inſpector keine Kunde haben wollte.

Auf dem Tiſche des Gefangenen fand man einen an die Richter adreſſirten Brief, in dem er ſich ſo⸗ wohl gegen den ihm angeſchuldigten Mord als gegen den ihm zur Laſt gelegten Verbrechen des Hochver⸗ rathes feierlich verwahrte. Unter die letztere Kathe⸗ gorie, argumentirte Lord Arranmore, könnte weder das kürzlich von ihm erſchienene Libell, noch ſeine Verbindung mit einigen der ausgezeichnetſten Männer des Vaterlandes gebracht werden, indem dadurch nichts weiter als die Abſtellungen von Mißbräuchen bezweckt ſei, unter denen das Land ſchon ſeit Jahrhunderten ſo ſchwer gelitten hätte.

Ueber den letzten Punkt variirten die Meinungen

Novellen⸗

Zeitung.

allerdings, je nach den Intereſſen der betheiligten Parteien, namentlich die Pairie engliſcher Abkunft, die von den erwähnten Mißbräuchen den größten Vortheil zog. Von der Anklage des Mordes wurde er durch die Ausſage von Perſonen freigeſprochen, die in einiger Entfernung geſehen, daß ein Mann von einer Felſenwand auf den fraglichen Dragoner⸗ officier geſchoſſen, in dem Augenblicke, als Lord Ar⸗ ranmore von deſſen Leuten ergriffen wurde.

Der Lord Statthalter aber vermochte damals nur ſchlecht ſeinen Verdruß zu unterdrücken, daß ihm ein Gefangener zur ungelegenen Zeit entſchlüpft war, deſſen Verurtheilung er ſchon im Geiſte als das kräf⸗ tigſte Beſchwörungsmittel gegen den von allen Seiten gegen die königliche Regierung in Irland losbrechen⸗ den Sturm betrachtet hatte.

Auffallend war es, daß die von der Abtei Cong

die erſt vor wenigen Jahren vom vormaligen königl. franzöſ. Generallieutenant O'Flaherty als adeliges Fräuleinſtift ſo reich dotirt worden war, plötzlich ver⸗ laſſen wurde und zerfiel. Die ſchönen, den erſten Familien des Landes angehörenden Bewohnerinnen kehrten in den Schooß derſelben, in das ſchönſte Hei⸗ ligthum des Weibes zurück. Sie bewahrten jedoch fortwährend eine faſt an göttliche Verehrung gren⸗ zende Bewunderung für die reizende, mit den glän⸗ zendſten Fähigkeiten begabte Vorſteherin, unter deren Schutze ſie eine Zeitlang ſo glücklich in ihrer herr⸗ lichen Abgeſchiedenheit gelebt hatten. Man brachte die ſchnelle Abreiſe der hohen Dame und deren eilige Entfernung aus Irland in unmittelbare Verbindung mit Lord Arranmore's Flucht. Der Vermittelung der ſchönen Oberin ſchrieb man nämlich ausſchließlich die Vorkehrungen zu, wodurch die Flucht des Gefan⸗ genen ermöglicht wurde.

Männliche und weibliche Verwandte des Lords in St. Grellan hatten die mit deſſen Entweichung verbundenen Umſtände dermaßen übertrieben, daß die erregte Einbildung der übrigen Bewohner daraus die Erfüllung der alten Prophezeihung wahrzunehmen glaubte: die Schickſale der uralten, durch lange Feindſchaft geſpaltenen Familien der O'Brien's und O'Flaherty's ſollten hinfüro unzertrennlich ſein!

Die Schreckenszeit war in Frankreich vorüber. Ein geordneter Zuſtand der Dinge war eingetreten, während die liberale Partei mit Zuverſicht die Her⸗ ſtellung einer vernünftigen Freiheit, die Royaliſten aber die Rückkehr der Bourbonen erwarteten. Frank⸗ reich, welches im Jahre 1802 die größte Aehnlichkeit

mit England während des Jahres 1660 hatte, ſah in

nur in geringer Entfernung liegende Abtei Mokullan,

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