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Menſchenhaß oder, richtiger geſagt, Weiberhaß, das ganze weibliche Geſchlecht verachtend und ganz beſonders die, welche ſich mit dem Gedanken beſchäftigten, in den Eheſtand zu treten.
Das war kein Wunder, denn ich konnte in meinem eignen Hauſe keinen Frieden finden; ich mußte auf die Geſell⸗ ſchaft meiner Schweſtern verzichten; vom Anfange einer Woche bis zu ihrem Ende fand ſich nicht ein einziger Abend, den ich im Kreiſe der Meinigen am Kamin verleben konnte; in kein Zimmer konnte ich eintreten, ohne ein zärtliches téte-à-t te zu ſtören; in keine Ecke konnte ich kriechen, ohne über ein Liebespaar zu ſtolpern. Für eine kurze Zeit beob⸗ achteten die verliebten Paare noch ein gutes Benehmen und zeigten aus Reſpect vor dem Haupte des Hauſes, dem ältern Bruder, gegen einander einen Grad von Zurückhaltung; aber ſtufenweiſe verſchlimmerte ſich das, nahm gänzlich ein Ende. Ja, ſogar ich, der ich der ältern Generation angehöre,— welche thöricht genug war, Liebkoſungen für geheiligte Dinge zu halten, daß der bloße Handdruck einer geliebten Frau, gar nicht von ihrem geheiligten Munde zu ſprechen, eine Sache ſei, die man nicht öffentlich zur Schau ſtellen dürfe, an die man nicht ohne eine zärtliche Verehrung, eine köſtliche Furcht denken müſſe—, ich, Nigel Heathcote, habe zwei junge Männer, die nicht ein Jahr vorher uns noch ganz fremd waren, meine zwei Schweſtern offen vor ihrer ganzen Familie — im Angeſicht ihres Bruders wirklich küſſen ſehen!
Meine Lage wurde unerträglich; ich floh das Kamin, ich flüchtete mich in mein Arbeitszimmer. Wehe dem nächſten Liebhaber, der ſich unterſtehen möchte, mich dort anzugreifen!
Ein ſolches Mißgeſchick war übrigens für einige Zeit ſicher nicht zu beſorgen. Sobald erſt die älteren Schweſtern verheirathet und aus dem Hauſe fort waren, dann konnten wir— ich, Conſtanza und die kleine Lizzie— zuverläſſig einige Jahre in geſchwiſterlichem Frieden verleben, ohne uns durch den drohenden Schatten einer bevorſtehenden Verhei⸗ rathung beläſtigt zu ſehen.
Es fiel mir ein, daß ich für die Zeit zwiſchen den Hoch⸗ zeiten einen alten Freund, der ebenſo wie ich ein Junggeſelle war— einen rechtſchaffenen, kräftigen Mann zu mir einla⸗ den könnte, der von den halbjährigen gerichtlichen Sitzungen in den Grafſchaften bis zu den nächſten hart arbeitete und jährlich nur einmal Urlaub erhielt. Ja, Will Launceſton ſollte mir Geſellſchaft leiſten; des Tages wollten wir uns in dem Walde auf der Jagd herumtreiben und unſere Abende wollten wir in meinem Arbeitszimmer verleben, und den Lie⸗ benden, den Hochzeiten und dem weiblichen Geſchlechte mög⸗ lichſt fern bleiben.
Ich hatte eben an ihn geſchrieben, als meine Schweſter Martha mit einem ſehr ernſten Geſichte in mein Zimmer trat und mir ſagte,„ſie wünſche eine kurze Unterredung mit mir.“
Ein ominöſer Anfang! Aber ſie war kein junger Mann und konnte mich nicht wohl wegen einer meiner noch übrigen Schweſtern angreifen. Wenigſtens beglückwünſchte ich mich in dieſer Art— leider, zu bald!
Meine Schweſter ſetzte ſich mit einem ſehr ernſten Ge⸗ ſichte in der Nähe des Kamins nieder.
„Mein lieber Nigel.“
„Meine liebe Martha.“
„Ich wünſche Dich über eine Sache zu Rathe zu ziehen, die kürzlich zu meiner Kenntniß gelangt iſt, und die mir großen Kummer und einige Beſorgniß erregt hat.“
„In der That!“ und ich beſorge, mein Ton war weit weniger theilnehmend als ungeſtüm, da ich wegen ihrer
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Novellen⸗
Jeitung.
beſorgten nervöſen Rede dachte— oder vielmehr hoffte, es
handle ſich bei der angedeuteten Frage um einen Rücktritt des Herrn Green.„Fahre fort. Iſt es wegen“— ich hielt inne und corrigirte das, was ich ſagen wollte, heuchleriſch in„der Mädchen.“
Sie bejahte das.
„O weh!“— ein halbunterdrücktes, ſchwaches und leiſes Pfeifen.„Nun, fahre fort. Ich will Alles anhören, nur keine neue Bewerbung.“
Martha ſchüttelte ihren Kopf.„Leider befürchte ich, daß es nie dazu kommen wird! Bruder, haſt Du bemerkt? — aber die Männer thun das nie— wohl habe aber ich in der letzten Zeit an Conſtanzen eine große Veränderung wahr⸗ genommen.“
(Schluß folgt.)
Von der Weinkultur des Ungarlandes.
Nur wer eine Reiſe nach Oeſterreich machte, lernte früher die Ungarweine kennen. Doch ſind ſie ſeit kurzer Zeit immer mehr von kundigen Zungen bewundert und erkannt worden. Die Zeitſchrift für Länder⸗ und Völkerkunde bringt manche intereſſante Daten über dieſen Gegenſtand, der wir gekürzte Schilderungen entnehmen.
Die erſten Weinbauer in Pannonien waren ſchon in den vormagyariſchen Zeiten die Römer und zwar hat nach dem Zeugniſſe des Vopiscus Kaiſer Probus die erſten Reben von römiſchen Soldaten an den Abhängen des„Mons Almus“ in Sirmien pflanzen laſſen.
Dieſer Imperator, welcher vom Jahre 276 bis 282 regierte, war ein geborner Sirmier und hielt ſich gern in jenen ſchönen und üppigen Gegenden auf, wo er auch von den arbeitsſcheuen Truppen ermordet wurde. Auf dem Berge Almus, welcher heute von den ſlavoniſchen Anwohnern „Fruſchka Gora“ genannt wird, und in deſſen Thälern etwa ein Dutzend Klöſter der griechiſch⸗orientaliſchen Kirche liegen, gedeiht noch heute das Gewächs in üppiger Fülle. Ein Wein voll Geiſt, Feuer, Wohlgeruch und Lieblichkeit, wie ihn die Römer wohl kaum bereitet haben, 4
Von Sirmien aus mag der Weinbau von den römiſchen Koloniſten in verſchiedene, der Weinrebe günſtige Hügel⸗ gegenden weiter verbreitet worden ſein.
Unter den Oſtgothen Theodorich des Großen, welcher 493 in Slavonien herrſchte, unter den Gepiden und Lon⸗ gobarden des Alboin, welcher 568 ſeinen Sitz in Pannonien hatte, ſind wohl die Weinberge vielfach vernachläſſigt und hie und da auch verwüſtet worden, aber der Wein, welchen die Rebe ſpendete, war bei den Barbaren ſo beliebt, daß dieſelbe niemals gänzlich ausgerottet worden iſt. Während aller Stürme der Völkerwanderung und der nachherigen Kriege hat die edle ſirmiſche Rebe, der beſten römiſchen aus Italien entſtammend, ihre Vortrefflichkeit bewahrt.
Es iſt erwieſen, daß der Weinbau in Ungarn zuerſt in denjenigen Gegenden zur Blüthe kam, welche Italien zunächſt lagen und wo ſich eben die meiſten Mönche niederließen. Und das war der auf dem rechten Donauufer liegende Theil Ungarns, welcher ſich auch durch ein mildes Klima und ſchöne Berg⸗ und Hügellandſchaften auszeichnet. In der gottgeſeg⸗ neten Hegyalja, wo heute der beſte Wein, ja ſogar der König, wenigſtens aller ungariſchen Weine, der Tokayer, wächſt, war unter der Regierung der erſten ungariſchen Könige noch gar keine Spur von Weinbau. Im Jahre 1295 hat ſich Ungarn ſchon als ein wahres Weinland gezeigt, denn als die
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